Mittwoch, 13. November 2019

Bewerbungsfotos Hauptsache männlich

Bei der Stellensuche geht es längst nicht allein ums Können. Ein wichtiger Faktor für den Bewerbungserfolg ist das Aussehen. Die verblüffende Faustregel: Männlichkeit ist Trumpf - sogar bei Frauen. Dann klappt's auch mit der Führungsposition.

Mannheim - Sollte sich Anke von Rennenkampff einmal auf eine Führungsposition bewerben, dann bleibt die knappe Sommerbluse mit Sicherheit im Kleiderschrank - jedenfalls dann, wenn das Unternehmen einen durchsetzungsstarken Mitarbeiter sucht, der aggressiv neue Märkte erschließen oder mit harter Hand die Abteilung sanieren soll. Weibliche Reize auf dem Bewerbungsfoto, so hat die Diplomsoziologin herausgefunden, wären in diesem Fall fehl am Platz.

 Modell "Personalchefs Favorit": Dezent hochgeschlossen - maskulineres Auftreten signalisiert offenbar Führungsstärke  Modell "Bitte recht freundlich": Eher kantige, trotzdem feminine Bewerberin
 Modell "Dressed for success": Die etwas männlichere Variante  Modell "Rapunzel": Offene Haare, rotes Kleid plus Schmuck

Wer gewinnt?
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Mit dem richtigen Outfit und Styling hingegen könnte sich die Mannheimer Doktorandin gute Chancen ausrechnen, sofern ihre Qualifikationen auf die ausgeschriebene Stelle passen. Personalchefs lassen sich nämlich weniger vom Geschlecht eines Bewerbers beeinflussen als gemeinhin gedacht. Auf den ersten Blick klingt dieser Befund nach Fortschritt. Hinzu gelernt hat jedoch nicht die Gesellschaft, sondern die Wissenschaft.

Personaler suchen den Mann in der Frau

Denn Personaler auf der Suche nach selbstbewussten Führungspersönlichkeiten entscheiden sich zwar nicht unbedingt für Männer, erklärt Rennenkampff. Den Zuschlag bekommen jedoch meist Kandidaten, deren äußere Merkmale als typisch männlich gelten. Das können auch Frauen sein.

Die Erkenntnisse der Wissenschaftlerin sind verblüffend: Bewerberinnen mit kantigem Kinn, breiten Schultern und hoher, etwas eckiger Stirn sind demnach klar im Vorteil. Doch auch karrierefreudige Frauen, deren rundes Gesicht von Stupsnase und Kussmund geprägt ist, müssen sich vor ihrem nächsten Vorstellungsgespräch nicht gleich beim Schönheitschirurgen anmelden.

 Modell "Testosteron": So ein Mann, so ein Mann  Modell "Graue Strickjacke": Zu weich für die harte Berufswelt?"
 Modell "Seriös trotz langer Haare": Könnte gerade noch klappen  Modell "Schluffi mit Pulli": Kann kaum punkten

Taff oder weich
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Schon mit Make-up, Frisur und Outfit lässt sich das vermeintlich Männliche in der Frau herauskehren. Dunkle, hochgeschlossene Kleidung und glatte, zurückgekämmte Haare sind bereits die halbe Miete. Zudem sind Geschmeide und Lippenstift äußerst sparsam einzusetzen - und rot lackierte Fingernägel ganz tabu.

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