Mittwoch, 26. Juni 2019

Helmut Greve "Kaufen, bauen, nie verkaufen"

2. Teil: Das Erfolgsgeheimnis der Greves

Denn bei fast allen Verhandlungen, ob in der Nachkriegszeit oder heute, treten sie zusammen auf. Ein eingespieltes Duo, dessen Arbeitsbereiche genau festgelegt sind. "Mein Mann konnte die Verhandlungen strategisch gut führen, ich fühlte heraus, was der andere wollte", schilderte Hannelore Greve einmal in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt". "Geschäfte machen will jeder, aber gut sind sie nur, wenn man auch die Interessen des Gegenübers berücksichtigt, wenn beide Seiten zufrieden sind." In einem Satz: "Er ist der kühle Rechner und Denker, ich habe das Gespür, was man am besten drauf bauen konnte."

 Das Hauptquartier von Helmut Greve ist die Alster-City
Martin Scheele
Das Hauptquartier von Helmut Greve ist die Alster-City
Auch im Auftreten ergänzen sich beide Partner. Der Hanseat Greve, Mitglied der christlichen Gemeinschaft der Mennoniten, erscheint dezent im dunklen Anzug. Seine Ehefrau trägt gern mal farbige Kleider und ungewöhnliche Hüte.

Der Mutter dreier Töchter reichte irgendwann der Job an der Seite ihres Mannes nicht mehr aus. Sie hatte immer schon ein Faible für englische Stilmöbel und eröffnete 1969 ein entsprechendes Einrichtungshaus, das heute ihren Namen trägt und zu den größten seiner Art in Deutschland zählt. Das Geschäft mit der farbigen Beton- und Metallfassade liegt in der öden Wohn- und Geschäftsstadt City Nord.

Den Bau dieser dem damaligen Zeitgeschmack entsprechenden Betonwüste, in der Konzerne wie Esso Börsen-Chart zeigen, RWE-DEA Börsen-Chart zeigen oder Hamburg-Mannheimer ihren Sitz haben, prägte ihr Ehemann als Investor entscheidend mit, wobei er - manchmal zu seinem Leidwesen - an die städtischen Vorgaben hinsichtlich der äußeren Gestaltung gebunden war.

"Alle Überschüsse ins Geschäft gesteckt"

Rein auf Hamburg blieb ihr gemeinsames Wirken jedoch nicht begrenzt. Nach wie vor schießen überall in der Bundesrepublik Bürogebäude, Seniorenbauten oder Einkaufszentren aus dem Boden. Dass der wirtschaftliche Erfolg auch in mageren Zeiten keinen Schaden nimmt, dafür steht das Geschäftsgeheimnis der Greves. "Wir haben den Grund und Boden selbst gekauft, wir haben unsere Objekte selbst gebaut - und wir haben sie nie verkauft", skizziert der Honorargeneralkonsul von Ungarn. Sein Frau fügt hinzu: "Wir waren immer sparsam und haben alle Überschüsse wieder ins Geschäft gesteckt".

Das Einrichtungshaus für englische Stilmöbel von Hannelore Greve Gegenüber der Alster-City liegt ein Bootsverleih Ein Eingang der Alster-City

Das Einrichtungshaus von Hannelore Greve und die Alster-City: Bitte klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen.

Dass Erfolg sich aber nicht nur an rein wirtschaftlichen Kennzahlen festmacht, müssen die Beiden mit zunehmender Zeit erfahren. Denn viele Architekten verneinen die Frage, ob Greves Bauten zur ästhetisch wertvollen Architektur zählen. Zum Teil wird über Greves Baukunst laut, überregional und langanhaltend gestritten. Besonders deutlich wurde das am Beispiel der Universität Hamburg. Der raumnotleidenden Alma Mater stiften die Greves 1996 zwei 35 Millionen Euro teure Flügelbauten, die das Hauptportal einrahmen.

"Der Senat ist knechtselig und gierig

Die Kritik besorgter Feuilletonisten, Architekturexperten und Hamburger Professoren entzündete sich dabei vor allem an dem Bauverfahren. Der - nach Fertigstellung der Planung - unter anderem von der Architektenkammer geforderte Architekturwettbewerb wurde durch den Senat ablehnt, um die Durchführung des Bauvorhabens nicht zu verzögern. In dem Streit bekam auch der Hamburger Senat sein Fett weg - dafür, dass er dem edlen Spender keinerlei Bedingungen stellte, wurde er als "knechtselig und gierig" verspottet.

Der anfängliche Sturm im Blätterwald legte sich nach Fertigstellung der Gebäude allerdings bald. Sowohl die Bauherren als der mitplanende Architekt erhielten für die Bauten einen Preis des BdA, und heute gilt der Bau als gelungenes Beispiel einer Synthese von alt und neu.

Deutschland, deine Unternehmer: Von Siegern und Verlierern


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