Lars Windhorst Besuch vom Gerichtsvollzieher?

Zwei Gerichte haben die Zwangsversteigerung von Privatimmobilien des einstigen Vorzeige-Jungunternehmers angeordnet. Der Grund: offene Forderungen seiner marokkanischen Gläubiger. Windhorst selbst will nicht an eine Niederlage glauben.

Rahden/Minden - Zwei Gerichte haben die Zwangsversteigerung von Privatimmobilien des einstigen Vorzeige-Jungunternehmers Lars Windhorst angeordnet.

Es gehe um eine Mindener Immobilie mit einer Grundfläche von 601 Quadratmetern sowie eine Eigentumswohnung in Rahden, teilten die Amtsgerichte in Minden und Rahden mit. Ob es zur Versteigerung komme, sei aber noch nicht klar.

Gegen Windhorst klagt der Berliner Rechtsanwalt Ulrich Arlt, der im Auftrag von zwei marokkanischen Geschäftsleuten mehr als zwei Millionen Dollar zurückfordert. Die von Arlt vertretenen Marokkaner hatten Windhorst bereits vor dem Landgericht Bielefeld erfolgreich auf Rückzahlung von zwei Millionen Dollar verklagt, die sie dem Unternehmer bereitgestellt hatten. Windhorst habe aber weder Berufung eingelegt, noch gezahlt, sagte Arlt.

Konstruktive Gespräche?

Windhorst selbst geht fest davon aus, dass es nicht zur Zwangsversteigerung kommen wird. Die von Arlt gemachten Ankündigungen könnten zu keinem wirtschaftlichen Ergebnis führen, sagte er. Das sei für jeden offensichtlich, der sich in den vergangenen Monaten mit der Materie beschäftigt habe.

Windhorst erklärte, er stehe mit fast allen Gläubigern in konstruktiven Gesprächen. Diese Gespräche seien vertraulich und sollten nicht in der Öffentlichkeit stattfinden. Es sei aus der Sicht der Windhorst AG nach wie vor bedauerlich, dass der Anwalt trotz anders lautender Vereinbarungen in die Öffentlichkeit gehe.

Der 26-jährige Windhorst, der seit Oktober 2000 in Berlin am Potsdamer Platz residiert, hatte bereits im zarten Alter von 16 Jahren die Schule verlassen, um Computer in Vaters Garage zu basteln. Damit betrieb er einen schwunghaften Handel.

Zunächst als "Unternehmer-Wunderkind" und "Teenager-Tycoon" gepriesen, bekam Windhorst nach einigen geplatzten Großprojekten wie einem Wolkenkratzer in Vietnam Probleme. Nachdem auch Pläne im Internet- und Elektronikgeschäft nicht aufgingen, zogen sich der Unternehmer und seine Windhorst AG auf Finanzdienstleistungen zurück.

"Deutschland braucht mehr Wunderkinder wie ihn"

"Deutschland braucht mehr Wunderkinder wie ihn"

Die Geschichte vom Aufstieg des Lars Windhorst liest sich wie ein Märchen. Schon im zarten Alter von 19 Jahren tingelte er im Tross von Altbundeskanzler Kohl durch Asien und war gern gesehener Gast auf Galas und Partys des Jetset.

In Windeseile gründete der Jungunternehmer die Winhorst Holding, unter deren Dach so illustre Firmen wie Windhorst Oil und Windhorst Werbung versammelt sind. "Deutschland braucht mehr Wunderkinder wie ihn", sagte Kohl damals.

Der Jungunternehmer geht mit der Zeit. Er expandiert international, aus der Windhorst Holding wird die Windhorst Electronics. Einen "Windhorst Tower" will der Junge aus Rahden in Westfalen in Ho-Tschi-Minh-Stadt bauen lassen, für 100 Millionen Dollar. Niemand Geringerer als Schachweltmeister Garri Kasparow wirbt für ihn und Michael Douglas wird Galionsfigur für die Windhorst AG, eine Filmfirma, die dort regiert, wo Windhorst sich selbst gerne sieht: im Mittelpunkt - in diesem Fall im Herzen Berlins, am Potsdamer Platz.

Wertlose Beteiligungen

Als die Geschäfte nicht mehr so laufen, helfen die Freunde der Vergangenheit dem strauchelnden Star. Hans-Hermann Tiedje, ehemals Chef von "Bunte" und "Bild", später Kohls Wahlkampfmanager und heute Teilhaber der PR-Agentur WMP, greift Lars Winhorst unter die Arme. Auch Andreas Fritzenkötter, vor Kohls Abwahl Kommunikationschef im Kanzleramt, soll das Image von Windhorst aufpolieren. Bezahlt werden die beiden mit Anteilen an der Windhorst Electronics.

Längst haben Tiedje und Fritzenkötter ihre Arbeit beendet. Verdient aber haben sie keinen müden Cent. Denn die Windhorst-Papiere sind inzwischen wertlos, nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" übt das Unternehmen keine aktive Geschäftstätigkeit mehr aus, es soll aufgelöst werden. Hans-Hermann Tiedje sieht die Angelegenheit unterdessen gelassen, auch wenn er es heute für einen Fehler hält, "Kommunikation für einen Kunden gemacht zu haben, dessen Honorar nichts wert ist". Seine Einschätzung von Windhorst: "Er ist ein charmanter Gaukler."

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