Boxen Goldgrube Boxring

Während ihre Schützlinge die Fäuste fliegen lassen, jonglieren sie mit Macht und Millionen: Die Box-Promoter Klaus-Peter Kohl und Wilfried Sauerland. Ihnen gelang es, den Boxsport aus der Schmuddelecke zu befreien. Für beide ist der Ring zur Goldgrube geworden.

Hamburg - "Ein guter Boxstall denkt schon heute an die Weltmeister von morgen." Nicht weniger prägnant als Klaus-Peter Kohl vom Hamburger Universum-Stall, formuliert Wilfried Sauerland, derandere große Promoter Deutschlands, was einen erfolgreichen Boxstall auszeichnet: "Wir möchten den Fans einen vernünftigen Sport bieten, um sie dauerhaft zu begeistern."

Der Zuschauer erlebt jedoch nur die wenigen Tage vor, während und nach einem Kampf in den Medien. Doch "Boxen ist viel mehr als das, was man im Fernsehen sieht. Da steckt sehr viel Arbeit hinter, um dieses hohe Niveau zu halten", sagt Sauerland.

Während das Kölner Sauerland-Imperium, bestehend aus den zwei Firmen Sauerland Management und Sauerland Event (Promotion), mit 14 fest angestellten Mitarbeitern seine 13 Boxer und die Trainer betreut, sind es bei Universum mit 29 Boxern sogar 18. Hinzu kommen bei jeder Veranstaltung unzählige freie Helfer.

Goldgrube Boxring

In welche Dimensionen der Box-Tross am Kampfabend ansteigt, beschreibt Christoph Rybarczyk, Leiter der Universum-Kommunikation: "Wir buchen etagenweise Hotels, zirca 200 Zimmer für Boxer, Offizielle, Mitarbeiter des Boxstalls, Journalisten und Fernsehproduktion." Bis zu 15 solcher Boxveranstaltungen zelebriert Universum jährlich, 8 bis 10 Sauerland. "Und wenn ein Boxer seine Börse bar auf die Kralle will, dann regeln wir auch das am Kampfabend. Unsere Standards sind nicht geringer als die in den USA", betont Rybarczyk.

Volltreffer gegen Lewis (r.): "Witalij hat gezeigt, welche Klasse er besitzt", lobte Klitschko-Promoter Klaus Peter Kohl

Volltreffer gegen Lewis (r.): "Witalij hat gezeigt, welche Klasse er besitzt", lobte Klitschko-Promoter Klaus Peter Kohl

Foto: AP
Offener Schlagabtausch: "Ich habe ihn einige Mal getroffen, häufiger als er mich", behauptete Weltmeister Lennox Lewis (l.)

Offener Schlagabtausch: "Ich habe ihn einige Mal getroffen, häufiger als er mich", behauptete Weltmeister Lennox Lewis (l.)

Foto: AP
Mit solchen Schlägen zog Witalij Klitschko (r.) das Publikum auf seine Seite: "Witalij hat hier einen ganz großen Kampf gemacht", zollte Klitschko-Trainer Fritz Sdunek seinen Respekt

Mit solchen Schlägen zog Witalij Klitschko (r.) das Publikum auf seine Seite: "Witalij hat hier einen ganz großen Kampf gemacht", zollte Klitschko-Trainer Fritz Sdunek seinen Respekt

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Witalij Klitschko (r.) in der Offensive: Nach sechs Runden sahen ihn die Punktrichter knapp in Führung

Witalij Klitschko (r.) in der Offensive: Nach sechs Runden sahen ihn die Punktrichter knapp in Führung

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Witalij Klitschko (l.) angeschlagen: "Er konnte nicht mehr zu Ende boxen. Schaut ihm doch ins Gesicht", erklärte Lennox Lewis nach dem Kampfabbruch

Witalij Klitschko (l.) angeschlagen: "Er konnte nicht mehr zu Ende boxen. Schaut ihm doch ins Gesicht", erklärte Lennox Lewis nach dem Kampfabbruch

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Witalij Klitschko (r.): "Die Verletzung war nicht so schlimm. Vielleicht sah es so aus, aber sie war es nicht."

Witalij Klitschko (r.): "Die Verletzung war nicht so schlimm. Vielleicht sah es so aus, aber sie war es nicht."

Foto: AP
Witalij Klitschko als Verlierer durch technischen K.o.: "Das Auge sah wirklich übel aus. So etwas Schlimmes habe ich noch nie gesehen", sagte Ex-Weltmeister George Foreman, "aber abgesehen davon: Klitschko ist für mich der Held."

Witalij Klitschko als Verlierer durch technischen K.o.: "Das Auge sah wirklich übel aus. So etwas Schlimmes habe ich noch nie gesehen", sagte Ex-Weltmeister George Foreman, "aber abgesehen davon: Klitschko ist für mich der Held."

Foto: AP
Lennox Lewis feiert sich selbst: "In den nächsten Runden hätte ich ihn weggeblasen. Ich bin die Nummer eins."

Lennox Lewis feiert sich selbst: "In den nächsten Runden hätte ich ihn weggeblasen. Ich bin die Nummer eins."

Foto: AP
Behandlung des verletzten Auges von Witalij Klitschko in der Ringpause: "Der Doktor hat sich vom Nahen die Wunde angeschaut", so Klitschko-Coach Fritz Sdunek, "vielleicht war es die Situation, den Kampf für Lewis zu retten."

Behandlung des verletzten Auges von Witalij Klitschko in der Ringpause: "Der Doktor hat sich vom Nahen die Wunde angeschaut", so Klitschko-Coach Fritz Sdunek, "vielleicht war es die Situation, den Kampf für Lewis zu retten."

Foto: AP
Witalij Klitschko: "Ich war entsetzt. Ich wusste überhaupt nicht, warum der Doktor den Kampf stoppte. Jetzt fühle ich mich als Champion der Leute."

Witalij Klitschko: "Ich war entsetzt. Ich wusste überhaupt nicht, warum der Doktor den Kampf stoppte. Jetzt fühle ich mich als Champion der Leute."

Foto: AP
Harter Infight: "Du siehst scheiße aus, du bist fertig", schrie IBF-Champion Chris Byrd, der bis dahin einzige Bezwinger Witalij Klitschkos, Weltmeister Lewis (l.) zu

Harter Infight: "Du siehst scheiße aus, du bist fertig", schrie IBF-Champion Chris Byrd, der bis dahin einzige Bezwinger Witalij Klitschkos, Weltmeister Lewis (l.) zu

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Kampf bis zum Umfallen: Bereits nach wenigen Runden hatten sich die beiden Boxer so sehr verausgabt, dass sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnten.

Kampf bis zum Umfallen: Bereits nach wenigen Runden hatten sich die beiden Boxer so sehr verausgabt, dass sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnten.

Foto: AP
Wirkungstreffer: Erst von der dritten Runde an konnte Titelverteidiger Lennox Lewis (r.) mithalten

Wirkungstreffer: Erst von der dritten Runde an konnte Titelverteidiger Lennox Lewis (r.) mithalten

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Tumulte im Ring: Witalij Klitschko ist zornig über den Kampfabbruch

Tumulte im Ring: Witalij Klitschko ist zornig über den Kampfabbruch

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"Wenn man einen Kampf durch eine Verletzung verliert, ist das doppelt bitter", erklärte Klitschko-Promoter Klaus-Peter Kohl die Wut und Enttäuschung seines Schützlings

"Wenn man einen Kampf durch eine Verletzung verliert, ist das doppelt bitter", erklärte Klitschko-Promoter Klaus-Peter Kohl die Wut und Enttäuschung seines Schützlings

Foto: REUTERS
Witalij Klitschko nach dem Kampf: "Der Ringrichter hätte schon früher abbrechen müssen", so Ex-Champion George Foreman. "Es ist unverständlich, dass der Kampf abgebrochen wurde", so Klitschko-Promoter Klaus-Peter Kohl

Witalij Klitschko nach dem Kampf: "Der Ringrichter hätte schon früher abbrechen müssen", so Ex-Champion George Foreman. "Es ist unverständlich, dass der Kampf abgebrochen wurde", so Klitschko-Promoter Klaus-Peter Kohl

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Wilfried Sauerland und Klaus-Peter Kohl haben es ganz nach oben geschafft. Dank lukrativer Fernsehverträge, derzeit mit ARD (Sauerland) und ZDF (Universum), ist für den 63-jährigen Sauerland und den 59-jährigen Kohl aus dem einstigen Verlustgeschäft längst eine Goldgrube geworden. Seit den 90er Jahren mit den damaligen TV-Erfolgen der Sauerland-Schützlinge Henry Maske und Axel Schulz auf RTL sowie dem Universum-Star Darius Michalczewski auf Premiere und Sat.1 gehören für beide Boxställe Börsen und Umsätze in Millionenhöhe dazu wie Vitali zu Wladimir Klitschko.

"Gesunde Konkurrenz"

"Der Promoter hat den Überblick über alles, sein tägliches Brot heißt verhandeln, telefonieren, reisen und Leute treffen", erklärt Rybarczyk die Aufgabe seines Chefs Klaus-Peter Kohl. Durchschnittlich vier bis sechs Wochen dauert es, bis der Gegner für eine freiwillige Titelverteidigung feststeht. Schneller geht es normalerweise bei einer Pflichtverteidigung, die den klaren Regeln der fünf Weltverbände unterliegt und für die nur Boxer aus den jeweiligen Weltranglisten in Frage kommen.

Den Gegner auf Distanz halten: Sven Ottke (l.) trifft seinen Rivalen Byron Mitchell am Kinn

Den Gegner auf Distanz halten: Sven Ottke (l.) trifft seinen Rivalen Byron Mitchell am Kinn

Foto: AP
Versöhnliche Geste nach einem großen Kampf: Sven Ottke (l.) und Byron Mitchell

Versöhnliche Geste nach einem großen Kampf: Sven Ottke (l.) und Byron Mitchell

Foto: AP
Des Champions neue Kleider: Sven Ottke mit den beiden Gürteln der Boxverbände IBF und WBA

Des Champions neue Kleider: Sven Ottke mit den beiden Gürteln der Boxverbände IBF und WBA

Foto: AP
Augen zu, Nase gequetscht: Sven Ottke (r.) muss einen Schlag von Byron Mitchell einstecken

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Foto: REUTERS
Gesichtsverzerrung: Sven Ottke (r.) lässt seinen Kontrahenten Byron Mitchell die geballte Kraft der rechten Faust spüren

Gesichtsverzerrung: Sven Ottke (r.) lässt seinen Kontrahenten Byron Mitchell die geballte Kraft der rechten Faust spüren

Foto: EPA/DPA
Vorsicht, Kopf einziehen: Byron Mitchell (r.) leidet unter der Schlagkraft des Deutschen Sven Ottke

Vorsicht, Kopf einziehen: Byron Mitchell (r.) leidet unter der Schlagkraft des Deutschen Sven Ottke

Foto: AP


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"Gesunde Konkurrenz" herrsche zwischen den zwei großen deutschen Boxställen, schließlich haben sowohl Sauerland mit Sven Ottke als auch Universum mit den Klitschkos und Michalczewski ihre Stars.

Deren siebenstellige Brutto-Kampfbörsen liegen zwischen Profifußballer und Formel-1-Rennfahrer. "Jeder Boxer macht seine Börse mit seinem Boxstall aus. Die Börse mit dem Gegner wird frei mit dieser Seite ausgehandelt", sagt Sauerland.

Schon heute wird bei Sauerland und Universum eifrig an der Zukunft gebastelt: "Ich bin mit dem, was ich habe, nie zufrieden und gucke nach vorn, wo wir uns verbessern können", gibt Klaus-Peter Kohl das Ziel seines Stalls vor, den er als größten in Europa bezeichnet. Den zweiten Schritt vor dem ersten will auch Wilfried Sauerland gehen: "Bei uns gibt es eine Reihe von guten jungen Boxern, da ist einiges für die nächsten Jahre zu erwarten."

Jana Werner, ddp