Jürgen Sengera Abflug bei Tui

Der Ex-WestLB-Chef muss nun womöglich auch seinen Posten im Aufsichtsrat von Tui räumen. Derweil prüft das Bankhaus noch Schadensersatzansprüche. Einem Bericht zufolge kann sich Sengera aber auf eine millionenschwere Abfindung freuen.

Frankfurt - Der frühere Chef der WestLB Jürgen Sengera soll den Aufsichtsrat des Reisekonzerns Tui  verlassen. Im Kontrollgremium der Bank werde die Meinung vertreten, dass Sengera das Geldhaus nach den jüngsten Ereignissen nicht mehr bei einer solch bedeutenden Beteiligung vertreten könne. Das berichtet die "Börsen-Zeitung". Endgültig entschieden sei aber noch nichts, es würden derzeit Gespräche in dieser Sache geführt.

Sengera ist erst seit wenigen Wochen Mitglied des Tui-Aufsichtsrats, er wurde bei der letzten Hauptversammlung gewählt. Wegen des verlustreichen Engagements bei dem britischen TV-Verleiher Boxclever war Sengera als Vorstandsvorsitzende der WestLB beurlaubt worden.

Die Bankenaufsicht (BaFin) hatte zuvor gravierende Mängel bei der Risikokontrolle im Fall Boxclever moniert. Angesichts der schweren Vorwürfe prüft nun auch das Bankhaus die Schadensersatzpflicht von Sengera sowie des ebenfalls ausgeschiedenen Vorstandsmitglied Andreas Seibert. "Das ist eine rechtlich erforderliche Prüfung, aber keine Misstrauensbekundung", betonte Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Lüthje.

Tui-Verkauf schon im kommenden Frühjahr?

Indes wird immer wahrscheinlicher, dass sich die WestLB schon bald von ihrem 31-prozentigen Anteil am Reisekonzern Tui trennen will. Branchenspekulationen zufolge ist mit der Veräußerung im kommenden Frühjahr zu rechnen. Zu den Interessenten für Europas größten Reiseveranstalter gehören Presseberichten zufolge neben Private-Equity-Firmen und Investmentbanken auch US-Reisekonzerne.

Doch trotz der umstrittenen Transaktionen können Sengera und sein Vorstandskollege Andreas Seibert mit Abfindungen von jeweils rund drei Millionen Euro rechnen. Das berichtet DER SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe.

"Die Arbeitsverträge werden erfüllt", sagte Lüthje dem Nachrichtenmagazin. Beide Vorstände hätten Verträge bis zum Jahr 2006. Der Sprecher der WestLB, Michael Wilde, wollte sich nicht weiter dazu äußern. "Das ist Angelegenheit des Aufsichtsrates."

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