Donnerstag, 27. Juni 2019

Flowtex Der Wahnsinn geht weiter

Der Fall Flowtex ist eine Geschichte von Kleingeist und "monströsen Überblähungen". Die Verurteilung des Gigantomanen Manfred Schmider im Mai markiert aber keineswegs den Schlusspunkt. Erneut geht die Staatsanwaltschaft gegen mutmaßliche Hochstapler und Milliardenbetrüger vor.

Mannheim - Im milliardenschweren Flowtex-Betrugsskandal hat die Mannheimer Staatsanwaltschaft zwei weitere Anklagen erhoben.

 Weiterhin blühende Prozesslandschaften: Flowtex in Ettlingen
DPA
Weiterhin blühende Prozesslandschaften: Flowtex in Ettlingen
Einem Flowtex-Prokuristen und einem nicht zum Unternehmen gehörenden Diplom-Betriebswirt werde Kapitalanlagebetrug sowie die Beihilfe zum bandenmäßigen Betrug vorgeworfen, teilte Oberstaatsanwalt Hubert Jobski mit.

Das Ettlinger Unternehmen hatte 3000 nicht vorhandene Horizontal-Bohrgeräte an Leasingfirmen verkauft. Der strafrechtlich relevante Schaden beläuft sich auf mehr als zwei Milliarden Euro.

Unternehmensanleihe sollte Spielraum schaffen

Die Hauptgesellschafter von Flowtex wollten nach Angaben der Staatsanwaltschaft kurz vor ihrer Verhaftung eine Unternehmensanleihe in Höhe von über 300 Millionen Euro am öffentlichen Kapitalmarkt platzieren. Mit diesem frischen Geld hätten sie sich für einige Zeit Luft verschaffen wollen, um die monatlichen Ratenzahlungen von rund 30 Millionen Euro aus den Leasinggeschäften bezahlen zu können.

Hat mit Flowtex noch viel zu tun: Der Mannheimer Oberstaatsanwalt Hubert Jobski
Der Diplom-Betriebswirt soll sich den Angaben zufolge dafür an allen internationalen Finanzplätzen als Finanzchef des Unternehmens ausgegeben und öffentlich unrichtige Finanzkennzahlen von Flowtex präsentiert haben.

Der Betrug gilt als größter Fall von Wirtschaftskriminalität in Deutschland. Firmenchef Manfred Schmider war im Prozess um den Betrugsskandal zu elfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Landesregierung hatte vor kurzem eine Haftung für die Milliardenschäden in dem Betrugsskandal abgelehnt.

Ihre Anwälte bezeichneten die beim Landgericht Karlsruhe erhobene Schadensersatzklage von Banken, Leasinggesellschaften und anderen Flowtex-Geschädigten in ihrer Klageerwiderung von Ende Juli als unbegründet.

© manager magazin 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung