Gründer-Kolumne Übung macht den Meister

Wie gründet man ein Unternehmen? Von der Idee bis zur Umsetzung ist es ein weiter Weg. Businessplan-Wettbewerbe haben sich dabei als festes Mittel zur Gründungsförderung etabliert. Doch lohnt sich die Teilnahme wirklich?

Die Idee des Businessplan-Wettbewerbs entstand Mitte der achtziger Jahre am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Die grundlegende Zielsetzung lag in dem Bestreben, durch eine enge Zusammenarbeit von Hochschulen, regional ansässigen Firmen und Kapitalgebern, die Gründung von innovativen Unternehmen anzustoßen.

Ungefähr zehn Jahre später wurde die Idee 1996 von McKinsey in Deutschland mit dem ersten Businessplan-Wettbewerb in München eingeführt. 1997 wurde dann der erste deutschlandweite Gründerwettbewerb "Start-up Deutscher Gründerpreis" ins Leben gerufen. Seit dieser Zeit haben sich zahlreiche regionale, nationale und auch internationale Businessplan-Wettbewerbe entwickelt.

Diese besondere Form des Wettbewerbs ist von den schon vorher existierenden Prämierungsveranstaltungen für bereits erfolgreich umgesetzte innovative Geschäftsideen zu unterscheiden. Beim Businessplan-Wettbewerb durchläuft der Teilnehmer mehrere Stufen, wodurch parallel zum Wettbewerbsablauf die Geschäftsidee vertieft entwickelt und praxistauglich gemacht wird. Außerdem erhalten die Teilnehmer immer wieder ein professionelles Feedback.

Wettbewerbsveranstaltungen unterscheiden sich zwar hinsichtlich der Branche, der Laufzeit, den Preisen oder der Zielgruppe, gemeinsam sind ihnen jedoch der Kerngedanke und der Kernnutzen sowohl auf Seiten der Teilnehmer als auch der Ausrichter.

Grundsätzlich ist jeder Teilnehmer ein Gewinner

Der Gewinn, den ein Gründer aus einem Businessplan-Wettbewerb ziehen kann, muss nicht zwangsläufig nur der erste Preis sein. Hier kommt ein viel zitierter Spruch vollends zum Tragen: "Der Weg ist das Ziel". Kernelement der Wettbewerbe ist der Businessplan, der nicht als ein nur einmal geschriebenes und nicht veränderbares Werk anzusehen ist. Vielmehr stellt der Plan für den Gründer die Arbeitsgrundlage dar, die wie die Idee selbst, einen Entwicklungsprozess durchlaufen muss.

Durch die Teilnahme an Businessplan-Wettbewerben wird neben der Idee auch der Gründer selbst auf den Prüfstand gestellt. Nicht nur, dass dieser sich mit seinem Team und sich selbst auseinandersetzen muss, er wird sich auch der Jury beziehungsweise potenziellen Kapitalgebern gegenüber präsentieren müssen. Und besonders Letztere investieren am Ende nicht nur in eine Geschäftsidee, sondern auch in den Geschäftsführer und sein Team.

Gewinn kann der Gründer auch aus dem qualifizierten Feedback der Jurymitglieder ziehen und somit seinen Businessplan optimieren, wobei die zeitliche Begrenzung des Wettbewerbs eine zügige Abhandlung zwingend herbeiführt. Das wiederum ist förderlich für eine zeitnahe Umsetzung der Gründungsidee.

Nach der Masse kommt die Klasse

Nach der Masse kommt die Klasse

Nach den ersten Erfahrungen mit Businessplan-Wettbewerben wird mittlerweile viel Wert auf Plausibilität, Stringenz und Validität der Businesspläne gelegt. Die Zeiten, in denen Risikokapitalgeber zunächst eine Zehnerpotenz von den dargelegten Planzahlen im Businessplan abgezogen haben, sind vorbei. Um dies zukünftig zu vermeiden, werden zunehmend im Rahmen der Wettbewerbe umfassende Schulungs- und Beratungsleistungen in Form von Coaching angeboten.

Ziel ist es, den späteren Markteintritt zu erleichtern, branchenspezifische Probleme und Risiken frühzeitig zu erkennen und zu lösen sowie bei betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und steuerlichen Fragen zur Seite zu stehen. Die Forderung nach letztlich auch umsetzbaren Businessplänen ist in den Mittelpunkt der Förderung gestellt worden.

Ohne Anstoß kein Wandel

Regional- und wirtschaftspolitisch gesehen, erhoffen sich die Ausrichter Wachstumsimpulse für eine Wirtschaftsregion beziehungsweise den Anstoß für einen Strukturwandel. Dieser Anspruch lässt sich mit innovativen Geschäftsideen, die ein hohes Wachstumspotenzial vermuten lassen, verstärkt umsetzen, was zur Sicherung einer zukunftsorientierten Wirtschaftsregion beiträgt. Weiter zieht die Schaffung innovativer Unternehmen neue Arbeitsplätze nach sich und die bereits bestehende Wirtschaftsstruktur kann sich weiterentwickeln.

Das Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung hat im Rahmen eines begleitenden Monitorings des "Gründerwettbewerb Multimedia" festgestellt, dass nahezu 90 Prozent der gegründeten Unternehmen ihre Idee auch umgesetzt haben. Regional lassen sich dadurch Standortvorteile aufbauen, die weitere Entwicklungsimpulse zur Folge haben können. Ferner rechnet das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit vor, dass insgesamt mit diesem Wettbewerb etwa 1000 Firmen in die Selbstständigkeit geführt und hierdurch rund 10.000 Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Es wäre allerdings utopisch, anzunehmen, dass eine derartige Initiative im "luftleeren Raum" zu starten wäre. Den Businessplan-Wettbewerb unterstützende Rahmenbedingungen müssen durchaus gegeben sein. Zugang zu Expertenwissen, spätere Umsetzungsmöglichkeiten der Geschäftsidee und Zugriff auf ein Kompetenznetzwerk können als flankierendes Angebot zum Businessplan-Wettbewerb betrachtet werden.

Günstige Gelegenheit

Vor diesem Hintergrund ist auch der Erfolg des Münchener Businessplan-Wettbewerbs zu erklären. In einem positiven Umfeld mit vielen Kontaktmöglichkeiten wurden über diesen Wettbewerb seit dem Bestehen 327 Unternehmen gegründet, die 280 Millionen Euro in der Erstrundenfinanzierung erhalten haben. Bis zum 30. Juni dieses Jahres wurden hierdurch 2791 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Diese Zahlen belegen die Bedeutung des Münchener Businessplan-Wettbewerbs für den Wirtschaftsstandort Süd-Bayern. Von den 327 gegründeten Unternehmen haben bis heute 284 überlebt. Viele übrigens im Bereich der Webwirtschaft. Das entspricht einer Quote von 86,85 Prozent.

Die Teilnahme an einem Businessplan-Wettbewerb ist für einen Gründer die Gelegenheit, seine Idee und sein Konzept auf Machbarkeit prüfen zu lassen. Die Ausrichtung eines solchen Wettbewerbs bietet die Chance, einen positiven Strukturwandel einzuleiten beziehungsweise fortzuführen. Selbst wenn der dafür benötigte Aufwand auf beiden Seiten mit in Betracht gezogen wird, ist diese Form des Tests immer noch günstiger als eine fehlgeschlagene Gründung in der Praxis.

Gründermarkt: Kapital und Kontakte


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