Mittwoch, 24. April 2019

Willi Bartels Der König von St. Pauli

Nach Kriegsende baute er als Erster auf der Reeperbahn, in den Siebzigern errichtete er mit dem Eros-Center Hamburgs Super-Bordell. Doch den Ehrentitel "König von St. Pauli" hört der Immobilienmogul Willi Bartels nicht gerne. Eine Begegnung mit dem mächtigsten Mann vom Kiez.

Hamburg - Der Brunnen ist komisch. Ein großzügig geschwungener Braukessel, an dessen flacher Spitze Wasser austritt, um über die bauchigen Rundungen hinunterzugleiten. "Nu stell' dich doch mal davor!" Ein breites Grinsen, ein kurzes Blitzen - und schon wird wieder eine bessere Hälfte vor dem Unikum verewigt.

 Immobilienmagnat im Unruhestand: Willi Bartels
MATTHIAS KAUFMANN
Immobilienmagnat im Unruhestand: Willi Bartels
"Das ist typisch Willi Bartels", schwärmt Barbara Schneider-Barillà über ihren Chef. Der, so berichtet die Direktionssekretärin, habe den Kessel von der Astra-Brauerei geschenkt bekommen. Zunächst konnte keiner mit dem Ungetüm etwas anfangen, die Enkel wollten es wegschmeißen. "Nur Bartels sagte: 'Da mach ich was draus!'" Heute lieben die Touristen den Brunnen, der vor dem Hotel Hafen Hamburg steht, achtzig Treppenstufen über der Straße.

"So ist Bartels halt", stellt sie fest, "das richtige Händchen, ein bisschen Glück, und dann einfach machen." Das ist schon das Rezept für ein dreistelliges Millionenvermögen? Das Rezept für eines der größten Hamburger Immobilienimperien und für den legendären Ruf als "König von St. Pauli"?

Der König von St. Pauli ist "Käse"

Der Gute lässt auf sich warten, hat noch einen Familientermin. Sicher etwas Geschäftliches, denn seit seine Frau Gisela vor drei Jahren starb, entwickeln sich seine Geschäfte zum Familienunternehmen: über 40 Gastronomiebetriebe, dazu über ein Dutzend Hotels, eine Handvoll Kleinkunstbühnen und zig Wohnhäuser in ganz Norddeutschland.

 Cheese! Der Brunnen vor dem Hotel Hafen Hamburg ist ein beliebter Hintergrund für Urlaubsschnappschüsse
MATTHIAS KAUFMANN
Cheese! Der Brunnen vor dem Hotel Hafen Hamburg ist ein beliebter Hintergrund für Urlaubsschnappschüsse
Noch immer gilt Bartels als einer der mächtigsten Männer vom Kiez. Er beriet Regisseur Dieter Wedel bei dem Rotlicht-Epos, das seinen Spitznamen trägt: "Der König von St. Pauli". Die Geschichte des Mehrteilers beurteilte er allerdings als "Käse".

Da kommt Willi Bartels endlich. Höflich, konziliant. Er bittet, die Verspätung zu entschuldigen, drückt die Hand, senkt dabei leicht den Kopf. Er ist nicht sehr groß, hat eine Platte und eine Hornbrille. Der dunkle Anzug sitzt perfekt. Vor allem aber: Seine Erscheinung wirkt nicht so, als ob er im Dezember 89 Jahre alt würde.

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