Montag, 18. November 2019

Bertelsmann-Stiftung Das Gute, Schöne und Sparen

Selbst die elitäre Bertelsmann-Stiftung, Denkfabrik des Gütersloher Medienkonzerns, muss ans Sparen denken. Dafür holt sie sich einen Experten von außen: Johannes Meier hat eine Vergangenheit als Sanierer und McKinsey-Berater.

Gütersloh - "Wir bleiben Mitglied der Konzernfamilie von General Electric", betonte Johannes Meier (38) noch im Oktober 2000, damals in der Funktion des Vorstandschefs beim Kerpener Systemhaus GE Compunet. Anfang dieses Jahres verkaufte die Konzernmutter ihre Servicetochter dennoch, für 57 Millionen Euro an den britischen Konkurrenten Computacenter.

Kann sich erneut als strapazierbar beweisen: Johannes Meier
Das muss Meier wehgetan haben. General Electric hatte das Kerpener Unternehmen im Jahr 2000 für 250 Millionen Euro erworben, als es deutlich schlechter dastand. In der Zwischenzeit hatte Meier sich für den Turnaround abgestrampelt, Hunderte von Mitarbeitern entlassen und die Kosten um 20 Prozent gekappt. Mit Erfolg. Doch an der Entscheidung von GE-Chef Jeff Immelt änderte das nichts.

Meier - promovierter Informatiker, mehrfacher Aufsichtsrat und früher Berater für McKinsey in Hamburg, München und Hongkong - hat bewiesen, dass er harte Entscheidungen durchsetzen kann. Und dass seine Schmerzgrenze hoch liegt. Beste Voraussetzungen für seinen neuen Job ab Oktober. Er soll sich um Finanzen und Personal bei der Bertelsmann-Stiftung kümmern, die stets das Gute, Schöne und Wahre in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft sucht.

Undankbare Aufgabe

Doch die neue Aufgabe erscheint undankbar. Das Klima in der Stiftung ist schlecht - sehr schlecht, wie eine interne Befragung bei den rund 300 Mitarbeitern Ende vergangenen Jahres belegte. Über 60 Prozent beurteilten den Institutsumbau damals als negativ oder sehr negativ und zweifelten an der Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes. Seither haben sich die Wogen ein wenig geglättet, doch Optimismus ist angesichts der Sparpläne noch immer nicht eingekehrt.

Unbeliebt ist nach wie vor Anstaltsleiter Heribert Meffert (65). Der emeritierte Professor und "Marketingpapst" war im Oktober Gunter Thielen an die Spitze der Denkfabrik gefolgt und wurde anfangs stark kritisiert: Er kümmere sich zu wenig um die Belange der Stiftung. Außerdem fehle ihm gegenüber Führungspersönlichkeiten wie Hausherrin Liz Mohn und Präsidiumsmitglied Gerd Schulte-Hillen die "natürliche Autorität".

"Keine Entmachtung, sondern eine Entlastung"

Gerade jetzt, da Meffert scheinbar im Begriff ist, seine Position im Haus zu stärken, kommt Johannes Meier. "Das stellt aber keine Entmachtung des Stiftungschefs dar, sondern eine Entlastung", beeilt sich Sprecher Andreas Henke klarzustellen. "Herr Meffert selbst hat diese Personalentscheidung getroffen."

Sicher tut Meffert gut daran, sich einen Experten fürs Sparen zu holen. Bereits im nächsten Jahr soll die Finanzausstattung der Stiftung von 72 Millionen Euro auf 65 Millionen schrumpfen.

Dazu wurden schon die Controller von der Leine gelassen, um Reisekosten- und Spesenabrechnungen zu überprüfen. 30 Stellen wurden - "ohne soziale Härten", so Henke - eingespart, rund ein Drittel der etwa 180 Stiftungsprojekte pro Jahr stehen auf der Streichliste.

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