EnBW Kajo im Kraftwerk

Utz Claassen hat es nicht leicht. Nach dem Kassensturz, der eine Katastrophe war, feuerte der EnBW-Chef seinen Kämmerer und kündigte harte Schnitte an. Jetzt hat Claassen Troubleshooter Kajo Neukirchen als Sanierer angeheuert.

Karlsruhe - Die Energie Baden-Württemberg (EnBW)  hat den früheren MG-Technologies-Chef Kajo Neukirchen als Sanierer verpflichtet. Neukirchen werde EnBW-Chef Utz Claassen ab sofort beratend zur Seite stehen, teilte das Unternehmen mit. Als externer Partner soll Neukirchen das konzerneigene Sanierungsteam verstärken.

"Das Sanierungsteam soll den Konzern perspektivisch neu ausrichten", sagte EnBW-Pressesprecher Dirk Ommeln gegenüber manager-magazin.de. Ziel der Neuausrichtung von Deutschlands drittgrößtem Energieversorger sind Kostensenkung und Ertragsverbesserung.

Angesichts schlechter Zahlen war dem Finanzvorstand der EnBW, Bernd Balzereit, der Rücktritt nahe gelegt worden. Die Leitung des Finanzressorts übernahm Vorstandschef Claassen kommissarisch selbst.

Persönliche Niederlage bei MG-Technologies

Mit Neukirchen holt sich Claassen nun einen seit Jahren umstrittenen Sanierer ins Boot. Neukirchen galt lange als der härteste Manager des Landes, ein Mann, der in der Presse schnell als "Rambo" und "Terminator" bezeichnet wurde.

Seinen Ruf erlangte Neukirchen spätestens mit der Restrukturierung des Maschinenbaukonzerns KHD. Er räumte rigoros auf, wenn auch viele Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. Im Jahr 1993 wechselte der heute 61-Jährige zur Metallgesellschaft, die wegen riskanter Öl-Termingeschäfte ihres schillernden Vorstandsvorsitzenden Schimmelbusch in die Bredouille geraten war.

Neukirchens Aufräumarbeiten bei der Metallgesellschaft, die später umbenannt wurde und seither als MG Technologies  firmiert, sind geradezu legendär. Doch der permanente Streit und die Gerichtsverfahren mit Großaktionär Otto Happel, der Zweifel an der Wahrhaftigkeit des MG-Zahlenwerkes hat, schwächten Neukirchens Stellung und trübten sein öffentliches Ansehen.

Schließlich verlor Neukirchen seine letzte große Schlacht bei MG Technologies: Anfang April löste der Aufsichtsrat seinen Vertrag auf Druck Happels auf. Ende Mai schied Neukirchen endgültig aus seinem Führungsamt bei dem Frankfurter Chemie- und Anlagenbaukonzern aus.

Ehrgeiziges Kostensenkungsprogramm

Ehrgeiziges Kostensenkungsprogramm

Grund für das Engagement Neukirchens bei EnBW ist der vollzogene Kassensturz, auf den Claassen nun reagiert. Die Bestandsaufnahme, die der EnBW-Chef nach seinem Amtsantritt am 1. Mai angeordnet hatte, zeige eine "erhebliche potenzielle Ertragsbelastung" für das Jahr 2003.

Jetzt will Claassen aufräumen. Allein 350 Millionen Euro will EnBW im Bereich Personal einsparen. Personalvorstand Bernhard Beck teilte Anfang Juli mit, betriebsbedingte Kündigungen seien unausweichlich.

Durch die Konsolidierung der insgesamt 395 zum Konzern gehörenden Gesellschaften würden Positionen im Management wegfallen. Bislang habe der Vorstand 56 Gesellschaften ausgemacht, die für eine Integration und Verschmelzung infrage kämen.

Allein 55 Beteiligungen schreiben Verluste. Sieben davon hätten Defizite im mehrstelligen Millionen-Euro-Bereich vorzuweisen. Bei 58 Beteiligungen werde geprüft, ob ein Verkauf sinnvoll sei. Sechs dieser Gesellschaften versprächen einen beträchtlichen Veräußerungserlös.

Sein Kostensenkungsprogramm bezeichnete Claassen als "außerordentlich ehrgeizig". Statt der ursprünglich geplanten 700 Millionen Euro will er bis zum Jahr 2006 nun eine Milliarde Euro einsparen.

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