Yukos-Konzern Letzte Ausfahrt Sibirien

Die russische Justiz treibt den Ölmagnaten Michail Chodorkowski immer weiter in die Enge. Eine Woche nach der Festnahme eines seiner engsten Vertrauten überprüfen die Staatsanwälte jetzt auch die Geschäftsunterlagen des künftigen Fusionspartners Sibneft.

Moskau - Die Ermittlungen lösten in der Öffentlichkeit große Unruhe aus. Der Unternehmerverband warnte in einem Brief an Präsident Wladimir Putin bereits vor negativen Auswirkungen auf das Investitionsklima in Russland.

Wirtschaftsminister German Gref bemühte sich unterdessen, die Befürchtungen zu zerstreuen. Die Regierung plane keineswegs, die umstrittenen Privatisierungen im Öl- und Rohstoffsektor Mitte der neunziger Jahre rückgängig zu machen, sagte Gref.

Experten vermuten indes, durch die Festnahme des Managers Platon Lebedjew Anfang Juli solle der Yukos-Chef Michail Chodorkowski unter Druck gesetzt werden, um dessen Unterstützung oppositioneller Parteien vor der Parlamentswahl im Dezember zu unterbinden. Der vielfache Milliardär Chodorkowski - angeblich reichster Geschäftsmann Russlands - gilt als politisch ambitioniert.

Die Geschütze, die der Kreml gegen den Chodorkowski-Vertrauten Lebedjew auffahren lässt, sind nicht von Pappe. Er soll 1994 bei der Privatisierung eines Düngemittelkonzerns umgerechnet 260 Millionen Euro unterschlagen haben, so der Vorwurf. Lebedew ist heute Chef der Menatep-Gruppe, die 61 Prozent der Aktienanteile an Yukos hält. Chodorkowski selbst wurde am vergangenen Freitag von der Staatsanwaltschaft zu den Vorgängen vernommen. Lebedew sitzt noch immer in Untersuchungshaft. Inwieweit die Vorwürfe begründet sind, darüber lässt sich lediglich spekulieren.

Gegen Chodorkowski direkt wagt sich die Generalstaatsanwaltschaft dagegen nicht aus der Deckung. Denn dieser genießt als Geschäftsmann in Russland hohes Ansehen, auch wenn die Anfänge seiner Erfolgsgeschichte im Dunkeln liegen. Der Grund: Die Unternehmensführung von Yukos gilt als vorbildlich und Chodorkowski als Garant für eine saubere Buchführung. "Yukos ist das transparenteste Unternehmen Russlands", zitiert die "Berliner Zeitung" die russische Wirtschaftsjournalistin Julia Latynina. Yukos trägt überdies einen stattlichen Anteil zum staatlichen Steueraufkommen bei. Im vergangenen Jahr überwies Yukos 4,5 Milliarden Dollar an den Fiskus.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte sich nach seinem Amtsantritt vor drei Jahren um ein stilles Einvernehmen mit den Oligarchen bemüht. Vereinbart wurde, dass das im Zuge der Privatisierungen illegal erworbene Kapital nicht angetastet wird, wofür sich die Wirtschaftsbosse mit politischer Enthaltsamkeit revanchierten. Dieser Pakt gilt nun offenbar nicht mehr.

Michail Chodorkowski: Letzter Schuss vor den Bug Russland: Sinkt der Stern des reichsten Russen? Russlands Rockefeller: Der Öl-Zar

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