Prominenten-Turf Pferdchen lauf Galopp

Als beim renommiertesten Derby der Saison unlängst der Hengst Dai Jin siegte, dürfte das für die Bankiersfamilie von Ullmann schmerzvoll gewesen sein: Eigentlich hätte der Galopper im Namen ihres Gestüts das Blaue Band erringen müssen. Hat er aber nicht.
Von Karsten Langer

Hamburg - Dieser Tage hat es Karin von Ullmann, ihres Zeichens Grande Dame des wohlhabendsten Stammes der Bankiersfamilie von Oppenheim, nicht leicht. Sie hat sprichwörtlich aufs falsche Steckenpferd gesetzt.

Obwohl der Freifrau und ihrer Familie rund ein Viertel von Sal. Oppenheim jr. & Cie., einer der führenden Privatbanken Europas, gehören, war ihr das Glück dennoch nicht hold. Nicht der schnöde Mammon erfüllt das Herz der blaublütigen Dame mit Glück und Tränen, sondern der Pferdesport.

In diesem Fach hat sich die Familie Ullmann, die weder Geld und Mühe scheut, um ihre Rösser zum Erfolg zu führen, gründlich vergaloppiert. Der Sieger des renommiertesten Turf-Rennens der Saison, Dai Jin (auf Deutsch: und tschüss), hätte eigentlich Sieg und Prämie in Höhe von knapp 500.000 Euro im Namen des Ullmann'schen Gestüts Schlenderhan nach Hause tragen müssen. Hat er aber nicht. Er wurde verkauft - schon vor knapp zwei Jahren.

Hässlicher Hengst

Die Gründe schienen plausibel. Zum Zeitpunkt der Geburt am vierten Februar 2000 versprach der Hengst dem äußeren Anschein nach seinen Besitzern weder Ruhm noch Ansehen. Im Pferdepass wurde nüchtern vermerkt: "Unregelmäßig teilschattierter Stern über dem Stirnwirbel, außerdem Fischaugen." Auch die Vorderbeine standen nicht exakt gerade. Das Pferd war schlicht hässlich.

Als "Dai Jin" am 2. September 2001 verkauft wurde, weinte man ihm auf dem Gestüt Schlenderhan keine Träne nach. "Die Baronin mochte das Pferd nicht", bekannte Gestütsleiter Gerhard Apelt gegenüber der "Welt am Sonntag", und so kam es unter den Hammer. Doch auch der neue Besitzer schien sich nicht besonders für seine neue Errungenschaft zu interessieren.

Sven Hannawald, Henry Maske, Nadja Auermann

Sven Hannawald, Henry Maske, Nadja Auermann

Erstmals sah Sportvermarkter Werner Heinz, der die Empfehlung zum Kauf von seinem Freund Georg von Ullmann, dem Sohn der Baronin, bekommen hatte, seinen Hengst erst knapp vier Wochen später. Da gewann es in Dortmund das renommierte Auktionsrennen.

Seitdem geht es mit "Dai Jin" stetig bergauf, und statt der Baronin und ihrem Gestüt Schlenderhan steht Werner Heinz im Rampenlicht der Derby-Szene. Der Manager ist erst seit vier Jahren bekennender Turf-Fan und Pferdebesitzer. Vorher war sein Tun der Öffentlichkeit weitgehend verborgen geblieben, obwohl seine Klientel jahrelang die Schlagzeilen der Gazetten beherrschte und immer noch beherrscht.

Ob Sven Hannawald, Henry Maske oder Nadja Auermann - der Manager, der mit seiner Agentur WH International in Trier residiert, hat einige prominente Pferdchen im Stall. Die warfen bisher genug Geld ab, um sich ein schönes Häuschen mit Blick über die Moselberge zu leisten - zu erreichen über 170 Stufen oder eine private Seilbahn.

"Mein Dank gilt dem Gestüt Schlenderhan"

Mit seinem Sieg steht Werner Heinz auf der Sonnenseite der Turf-Szene und gehört damit zu den wenigen Glücklichen, die beim deutschen Pferdemonopoly Geld verdienen. Die meisten Gestüte hoffen vergeblich auf den Erfolg.

Als Bundespräsident Rau Heinz am Sonntag zum Sieg gratulierte, konnte der Manager seinen Erfolg kaum fassen. Da stand er plötzlich nebst Pferd, Trainer Andreas Schütz und Jockey Olivier Peslier vor den rund 45.000 Zuschauern der Horner Rennbahn in Hamburg im Rampenlicht. "Ich kann das alles noch gar nicht glauben", sagte Heinz sichtlich bewegt und dankte allen, die ihm den Erfolg ermöglicht hatten. Als Erstes dankte er dem Gestüt Schlenderhan.

Reichste Deutsche: Baronin von Ullmann