Nestlé Neuer Herzog für Deutschland

Auf dem Lebensmittelmarkt in Deutschland herrscht ein gnadenloser Preiskampf. Die Giganten Nestlé, Unilever und Danone kämpfen verzweifelt gegen Aldi, Lidl und Co. Nestlé schickt jetzt nach nur drei Jahren einen neuen Vorstandsvorsitzenden in die Schlacht.
Von Karsten Langer

Frankfurt - Der Schweizer Patrice Bula wird neuer Vorstandsvorsitzender der Nestlé Deutschland AG.

Der 47-Jährige soll zum 1. Oktober Paul Bulcke ablösen. Bulcke wechselt in die Schweizer Zentrale. Bula arbeitet seit 1980 für den Nahrungsmittelkonzern und war unter anderem in Japan, Taiwan und Südafrika als führender Manager tätig.

Vor allem als Manager der tschechischen Schokoladenfabrik Cokoladovny hatte sich Bula einen Namen gemacht. Über ihre Beteiligungsgesellschaft Cokoladovny-Partners waren Nestlé und Danone jeweils zu gleichen Teilen an dem tschechischen Markführer für Süßigkeiten beteiligt. Unter Bulas Führung wurden Produktion, Logistik und Marketing umstrukturiert und gestrafft. Über den Vertrieb von Cokoladovny hatte Nestlé die Präsenz hauseigener Produkte in der Tschechei verstärkt.

Das Kreuz mit den Billigmarken

Bei Nestlé Deutschland erwarten Bula keine leichten Aufgaben. Der Markenartikler hat im vergangenen Jahr unter Bulckes Führung seine Ziele deutlich verfehlt. Nestlé hatte unter dem Boom der Billigmarken gelitten, die vor allem von Discountern wie Penny, Lidl oder Aldi verkauft werden.

Im April schließlich trennte sich Nestlé Deutschland von den Marken Lünebest und Bärenmarke. Der Lebensmittelgigant konnte sich nicht gegen Müller-Milch und andere Großmolkereien durchsetzen.

Für Bulcke, der erst im Oktober 2000 den erfolglosen Hans G. Güldenberg ablöste, kommt der Wechsel in einer Phase des Umbruchs. Angetreten war der 48-Jährige, um die deutsche Sektion des Konzerns zu straffen und die Verwaltungsstruktur zu optimieren.

Das ist ihm weitgehend gelungen. Die Zahl der Marken senkte Bulcke von über 50 auf knapp 40, die Fokussierung auf den Eismarkt wurde verstärkt, Schöller wurde integriert. Umsatz und Gewinn konnte Nestlé auf Grund der schwierigen Marksituation jedoch nicht im gewünschten Maße steigern.

In Deutschland setzte die Nestlé AG im vergangenen Jahr nach derzeitigen Berechnungen 3,7 Milliarden Euro um. Ein Viertel des Umsatzes erwirtschaftete allein die Marke Maggi. Weitere bekannte Produkte sind Alete, Kitkat und Smarties.

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