Jürgen Peters Verlor'ner Streik, verlor'nes Gesicht

Er ist für 35 Stunden und gegen die Agenda 2010: Seit Jürgen Peters für die Nachfolge von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel nominiert wurde, steht er für eine linke Zukunft der Gewerkschaft. Als treibende Kraft der jüngsten Streiks geht er nach deren Scheitern harten Zeiten entgegen.

Hamburg/Berlin - Nach dem Scheitern des Streiks für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland ist in der IG Metall die Debatte über den zweiten Vorsitzenden und designierten Gewerkschaftschef Jürgen Peters voll entbrannt.

"Wir wollen auf dem kommenden Gewerkschaftstag einen neuen Vorsitzenden wählen, und der ist mit einer von ihm selbst forcierten Tarifauseinandersetzung nicht erfolgreich gewesen", sagte der Sprecher des IG-Metall-Bezirks Küste, Daniel Friedrich, am Sonntag.

Peters rechnet selbst mit einer Kontroverse über die Verantwortlichen für den Fehlschlag. In entsprechenden Äußerungen ließ er allerdings offen, mit welchen Auswirkungen er für seine Wahl zum Nachfolger von Klaus Zwickel als Gewerkschaftschef im Oktober in Hannover rechnet.

Kritisch äußerte sich der Betriebsratsvorsitzende des Opel-Werkes in Eisenach, Harald Lieske. "Ich gehe davon aus, dass ein solches Ende des Arbeitskampfes die Position von Jürgen Peters nicht gerade stärken wird. Er war schließlich derjenige, der den Tarifstreit offensiv angegangen ist", sagte Lieske der "Bild am Sonntag".

Geradliniger Aufstieg in der Gewerkschaft

Der Gewerkschafter Jürgen Peters hat in der IG Metall einen geradlinigen Aufstieg genommen. Dessen Höhepunkt soll der Gewerkschaftstag im Oktober werden. Folgen dann die Delegierten plangemäß der Empfehlung des IG-Metall-Vorstands von Anfang April, übernimmt der gelernte Maschinenschlosser 42 Jahre nach seinem Eintritt in die IG Metall das Spitzenamt.

Peters wurde am 17. März 1944 in Oberschlesien geboren. Er absolvierte seine Schlosserausbildung bei Rheinstahl Hanomag in Hannover. In dieser Zeit besuchte er auch die Berufsaufbauschule und schloss mit der Fachschulreife ab. 1968 bis 1969 absolvierte er die Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main.

Seit 1961 ist Peters Mitglied der IG Metall und übte in den Folgejahren zunächst zahlreiche ehrenamtliche Funktionen aus. Im April 1976 wechselte er zum Vorstand der IG Metall, Zweigbüro Düsseldorf. Von 1988 bis 1998 bekleidete Peters das Amt des Bezirksleiters im Bezirk Hannover der IG Metall. Seit Ende November 1998 hat er das Amt des Zweiten Vorsitzenden der IG Metall inne. Zu seinem Chef Klaus Zwickel hat er ein gespanntes Verhältnis.

Selbst nicht sparsam mit harten Worten

Peters gab sich in den vergangenen Jahren, unterstützt von der Gewerkschaftsbasis, oft kämpferisch und sparte nicht mit harten Worten an die Adresse der Arbeitgeber. Seit die Reformpläne von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bekannt sind, zeigt sich der 59-Jährige auch als Kritiker von Rot-Grün. Viele Genossen lasten daher ihm das Scheitern eines Tarifkonfliktes an. Den Ausstand habe er zur Unzeit vom Zaun gebrochen, um sich vor seiner Wahl zum Vorsitzenden zu profilieren.

Andere, wie der Chef der niedersächsischen Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Wolfgang Denia, stärken dem IG-Metall-Vize dagegen den Rücken. Peters sei für Niederlage beim Ausstand in der ostdeutschen Metallindustrie nicht verantwortlich zu machen, sagte Denia der Oldenburger "Nordwest-Zeitung". "Es wäre aus meiner Sicht nicht richtig, alles auf die Person Peters zuspitzen zu wollen."

Mitarbeit: Jan Christoph Schwartz, Reuters

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