"Dog" Chapman Kopfgeldjäger hinter Gittern

Er nennt sich "Billy the Kid", hat ein martialisches Sendungsbewusstsein und bezeichnet sich unbescheiden als besten Kopfgeldjäger der Welt. Duane "Dog" Chapman, der vor kurzem den flüchtigen US-Millionär Andrew Luster in Mexiko schnappte, sitzt jetzt wegen seiner umstrittenen Wild-West-Methoden hinter Gittern.
Von Susanne Polig

Hamburg - "Dog" heißt er nicht, weil er so ein bissiger Hund ist. Duane Chapman, gab sich diesen Spitznamen, weil er von hinten gelesen "God" ergibt. Der blonde Hüne aus Honolulu hat seinem Land einst geschworen, es sicherer zu machen.

Berühmt wurde der Vater von zwölf Kindern, als er vor kurzem den flüchtigen US-Millionär Andrew Luster im mexikanischen Puerto Vallarta dingfest machte. Luster wurde daraufhin an die Vereinigten Staaten ausgeliefert, wo er im Januar zu 124 Jahren Haft verurteilt worden war. Seinem Jäger winkte jedoch keine Heldenehrung - er wurde von der mexikanischen Polizei festgenommen.

Der Grund: In dem mittelamerikanischen Staat hält man wenig von Selbstjustiz und Wild-West-Methoden. Chapman hatte Luster zusammen mit vier Kollegen mitten auf der Straße überwältigt und rabiat zu Boden geworfen. Anschließend verpassten sie ihrem Opfer Handschellen und zwängten es in ein Auto. Anwohner hatten die Szene beobachtet und die Polizei alarmiert. Chapman und seinen Kumpanen drohen nun bis zu vier Jahre Haft wegen Freiheitsberaubung.

Selbstjustiz brachte ihn in Mexiko hinter Gitter

In den USA ist die Methode, flüchtige Straftäter mit Hilfe von Kopfgeldjägern aufzuspüren, gang und gäbe. Auch im Fall Luster hatte das FBI die internationale Jagdsaison eröffnet. Dog Chapman hatte Erfolg, vielleicht bezahlt er aber dafür mit der Freiheit.

Auf seiner Homepage bezeichnet sich der bärtige Muskelprotz als moderner "Billy the Kid" und größten Kopfgeldjäger der Welt. Mehr als 6000 Flüchtige konnte er in den letzten 20 Jahren in Gewahrsam nehmen. Kommentare im Netz sprenkelt er mit so genannten "Dogismen", zum Beispiel: "Geboren auf einem Berg, aufgewachsen in einer Höhle ist das Festnehmen von Flüchtigen alles, wonach ich mich sehne."

Ein Richter machte ihn zum Jäger

Ein Richter machte ihn zum Jäger

Heroische Worte von einem ehemals wegen Mordes inhaftierten Menschen. Die Jäger-Karriere des 50-Jährigen begann vor mehr als 20 Jahren. Als Anführer einer Motorradgang kam Chapman damals in einen Schusswechsel und musste 18 Monate im Gefängnis dafür büßen - unschuldig, wie er sagt.

Als er entlassen wurde, saß er auf einem großen Berg Schulden - ausstehende Unterhaltszahlungen für seine Kinder. Ein Richter bot ihm an, die Zahlung für eines der Kinder zu übernehmen, wenn Chapman einen flüchtigen Verbrecher fasse. So wurde er zum Kopfgeldjäger, erzählte er in einem Interview mit dem Männermagazin "FHM".

Hat er jemals mehr als eine Person an einem Tag gefasst? "Oft kriege ich fünf an einem Tag, einmal hatte ich Glück und fing sechs." Es sei ein Spiel Gut gegen Böse. "Und ich muss den Bösen fangen."

Waffen trägt Dog Chapman allerdings nie bei sich. Zu gefährlich, wie er meint: "Wenn ich eine dabei hätte, würde ich jeden einzelnen der Typen töten, aber das ist nicht mein Job."

Kollegen beanstanden Chapmans Cowboy-Methoden

Sein Job - und der von rund 7000 anderen Kopfgeldjägern in den Staaten - ist es, untergetauchte Gangster wieder den Armen des Gesetzes zu übergeben. Die Kopfgeldjäger bekommen ihre Aufträge von so genannten "Bail Bonds"-Büros, die den Jägern bei Ablieferung der Gesuchten eine Belohnung zahlen. Angeblich werden mit ihrer Hilfe jährlich rund 85 Prozent der gesuchten Verbrecher gefangen. Die Polizei kann aus Personalmangel nur selten selbst auf die Jagd gehen.

Kopfgeldjäger ist in den USA quasi ein Ausbildungsberuf. Es gibt zahlreiche Berufsverbände, die den Nachwuchs ausbilden. In einer offiziellen Berufsbeschreibung heißt es: "Obwohl Kopfgeldjägern alle Mittel erlaubt sind, um den Verbrecher zu fangen, wenden sie nur im äußersten Notfall und zum eigenen Schutz Gewalt an."

Duane "Dog" Chapman wird allerdings von vielen Kollegen wegen seiner brutalen Vorgehensweise schief angesehen. Er schade dem Ruf der Branche, werfen sie dem Cowboystiefelträger vor. Möglicherweise hat sich diese Diskussion aber sowieso für die nächsten vier Jahre erledigt.