Boeing Erst Industriespionage, dann Milliardenauftrag?

Zwei frühere Boeing-Manager werden der Verschwörung, des Diebstahls und der Industriespionage verdächtigt. Sie sollen im Kampf um einen Multimilliarden-Auftrag bei der Konkurrenz geheime Unterlagen geklaut haben.

Brüssel - Ermittler der US-Bundesbehörden hätten Strafanzeige gegen Kenneth Branch und William Erskine erstattet, berichtet die "Los Angeles Times". Die beiden früheren Boeing-Manager werden nach Angaben der Zeitung der Verschwörung, des Diebstahls und der Industriespionage verdächtigt.

Der größte US-Rüstungskonzern Lockheed Martin hatte vor knapp zwei Wochen seinen Konkurrenten Boeing und drei ehemalige Boeing-Mitarbeiter verklagt. Das Unternehmen beschuldigt Boeing  und seine Ex-Mitarbeiter, sie hätten sich während des Wettbewerbs um einen milliardenschweren Raketenauftrag der Luftwaffe wichtige firmeninterne Lockheed-Informationen beschafft.

Wie die "Los Angeles Times" unter Berufung auf Ermittlungs-Dokumente berichtet, soll Erskine den damaligen Lockheed-Mitarbeiter Branch zu Boeing geholt haben. Dabei hätte er eine höhere Position im Konzern versprochen, sollte Branch Unterlagen über das Lockheeds-Raketenprojekt mitbringen. Nach Angaben des "Wall Street Journal" ist Boeing in Besitz von rund 37.000 Seiten interner Lockheed-Unterlagen. Dazu gehörten dem Bericht zufolge extrem wichtige und detaillierte Kostenangaben und technische Daten über den Vorschlag von Lockheed Martin.

Im späteren Bieterverfahren hatte sich Boeing 1998 den Löwenanteil an dem so genannten "Evolved Expendable Launch Vehicle Program" der US Air Force gesichert. Dabei ging es um die Produktion von Trägerraketen, die beispielsweise für die Platzierung militärischer und ziviler Satelliten verwendet werden. Erskine und Branch wurden von Boeing im Sommer 1999 entlassen.

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