Bosch Machtwechsel

Am 1. Juli wird Hermann Scholl die Macht im Hause Bosch an seinen designierten Nachfolger Franz Fehrenbach abgeben. Der Wechsel soll leise und schwäbisch korrekt über die Bühne gehen. Scholl wird dann aus der zweiten Reihe über das Wohl und Wehe des Industriekonzerns wachen.

Stuttgart - Der Stabwechsel verläuft im typischen Bosch- Stil: Nüchtern, korrekt, ohne Aufhebens um die Personen.

Wenn Hermann Scholl, langjähriger Chef des weltweit zweitgrößten Automobilzulieferers Bosch, am 1. Juli von Franz Fehrenbach abgelöst wird, gibt es keine große Party. Aufsichtsratssitzung, danach ein Essen - das war's.

Eine Feier passt nicht zu Bosch, meint Kommunikationschef Frank Breitsprecher. Nicht, dass es am Ende der zehnjährigen Ära Scholl nichts zu feiern gebe. Unter dem heute 68-jährigen hat Bosch seine Internationalisierung vorangetrieben und deutlich an Dynamik gewonnen - eine gewisse Behäbigkeit war dem Industriekoloss mit seinen fast 225 000 Mitarbeitern schließlich immer nachgesagt worden.

Unabhängiger vom schwankenden Autogeschäft

Scholl trennte sich von der Telekommunikationssparte, kaufte von Mannesmann den Industriebereich Rexroth und wagte sogar erfolgreich den aggressiven Kampf um den sich vergebens wehrenden Heizungsbauer Buderus. Das wäre noch vor wenigen Jahren bei der zurückhaltend agierenden Robert Bosch GmbH undenkbar gewesen. Erklärtes Ziel dieser Strategie: Die Abhängigkeit vom schwankungsvollen Autogeschäft zu verringern.

Scholls Nachfolger Fehrenbach hat seit 1975 praktisch sein ganzes Berufsleben in dem mit 218.000 Mitarbeitern größten in der Form einer GmbH geführten Unternehmen Deutschlands verbracht. Seit 1999 in der Geschäftsführung, ist er dort für Dieseltechnik und die von Mannesmann hinzu gekaufte Tochter Bosch Rexroth zuständig.

Fehrenbachs Stellvertreter wird Forschungs- und Entwicklungschef Siegfried Dais, dem im Vorfeld ebenfalls Chancen auf den Posten des Bosch-Chefs eingeräumt worden waren.

Oberstes Ziel: eine bessere Marge

Oberstes Ziel: eine bessere Marge

Fehrenbach, der am Tage seines Amtsantritts 54 Jahre alt wird, muss sich vor allem darum kümmern, dass der von Scholl eingeschlagene Weg zu mehr Marge führt. Denn Bosch, gesegnet mit erfindungsreichen Ingenieuren, die ein Patent nach dem anderen anmelden, muss seine Produkte noch schneller marktreif machen und vor allem die notorisch schwache Profitabilität zu verbessern. Eines seiner Hauptprojekte heißt deshalb "Profit 05", mit dem die Umsatzrendite auf sieben Prozent gesteigert werden soll.

Heute sind es nur 4,1 Prozent (1,4 Milliarden Euro Vorsteuerergebnis bei 35 Milliarden Euro Umsatz) - und damit zu wenig, um die immer aufwendigeren Entwicklungen gerade im Kraftfahrzeuggeschäft bewältigen zu können. Auf die Bosch-Mitarbeiter kommt eine noch strengere Kostenkontrolle zu.

Ein Börsengang, mit dem schneller an frisches Geld zu kommen wäre, ist bei Bosch mit seiner Stiftungsstruktur kein Thema. "Unsere Struktur behindert die Entwicklung nicht", heißt es intern. Möglich wäre es aber, Untereinheiten an die Börse zu bringen.

Kontrolleur im Zirkel der Macht

Scholl war erst der fünfte Bosch-Chef in der 116-jährigen Konzerngeschichte. Und er wird traditionsgemäß als persönlich haftender Gesellschafter im mächtigen Kontrollgremium Robert Bosch Industrietreuhand KG ein wachsames Auge auf seinen Nachfolger werfen.

In dieser Gesellschaft, in der neben Mitgliedern der Geschäftsführung und des Aufsichtsrats auch ein Enkel des Firmengründers Robert Bosch vertreten ist, werden alle wegweisenden Entscheidungen für den Konzern getroffen. Das Kontrollgremium, das allein auf seinen Vorsitzenden hört, besitzt weit mehr Macht als der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft.

Die Mitglieder, darunter Honoratioren wie der ehemalige DIHT-Präsident Hans Peter Stihl und UBS-Generaldirektor Urs Rinderknecht, sind noch von Bosch-Legende Hans L. Merkle handverlesen. Der einst ehrfürchtig "Gottvater" genannte Firmenpatriarch, 2000 verstorben, hatte den Autozulieferer 35 Jahre lang dominiert.

Weiter ein Büro im Hauptquartier auf der Schillerhöhe zu haben, ist für Scholl selbstverständlich - auch hier folgt man der Tradition. Aber, so sagte er auch in kleinem Kreise: "Die neue Fürung muss ein eigenes Tempo und einen eigenen Stil finden". Bleibt vielleicht doch mehr Zeit für Hobbys wie das Cello-Spiel, Skifahren mit der Enkelin und sogar Inline-Skating.

Reichste Deutsche: Bosch - die Ritter der Tafelrunde Die 50 Mächtigsten: Hermann Scholl - Schwabe mit F1-Lizenz

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