Promotion Dr. Dr. Arbeitslos

Der Doktortitel ist eine Zier - und in Zeiten knapper Jobangebote eine scheinbar reizvolle Variante. Was aber bringt die Promotion? Experten warnen: Der Titel ist nicht umbedingt ein Karrieremotor, sondern kann sogar berufliche Nachteile haben.
Von Leon Stebe

Verona Feldbusch hat auch einen Doktorhut. Allerdings hat sie ihn nicht mehr nötig und auch nicht durch jahrelanges Brüten in der Studierstube und gewissenhafte Textexegese verdient - die Fachhochschule Neu-Ulm ernannte sie kürzlich schlicht zur "Ehren-Betriebswirtin" für Kommunikationstechnik.

Normalerweise dauert es etwas länger, bis Hochschulabsolventen ihre Mühen mit der akademischen Attitüde krönen können. Die Promotion nach dem Studium ist derzeit wieder gefragt - häufig mangels Alternativen: Viele junge Akademiker suchen nach einer Möglichkeit, den Berufseinstieg angesichts miserabler Arbeitsmarktchancen hinauszuschieben und die Zeit durch universitäre Qualifikation sinnvoll zu überbrücken, auch wenn sie nicht wirklich auf eine Hochschullaufbahn aus sind.

Kopflastig, praxisfern, zu alt?

Promotionsexpertin Barbara Messing von der Fernuniversität Hagen warnt indes: Ein Doktortitel verbessert die Berufschancen nicht immer. Mitunter sehen Personalverantwortliche promovierte Bewerber sogar als "kopflastige", "praxisferne", "umständliche" und "zu alte" Jobanwärter an, so Messing im von der Bundesanstalt für Arbeit herausgegebenen Magazin "Uni".

Mittlerweile, so Barbara Messing, gebe es derart viele Promovierte, dass der Titel an Bedeutung verliere. Dennoch sei er in den meisten Fällen mehr als ein Schmuck auf der Visitenkarte. Für Chemiker und Mediziner etwa sei der Doktorhut fast schon selbstverständlich. Auch für Akademiker, die einen Arbeitsplatz in der Chefetage anstrebten, könne ein Doktortitel nützlich sein. Allerdings spielten dabei vor allem auch persönliche Eignung und Auslandserfahrung eine wichtige Rolle.

Nebenher arbeiten - ein Irrglauben

Nebenher voll arbeiten - ein Irrglauben

Grundsätzlich sollte der Aufwand für die Promotion nicht unterschätzt werden, so die Expertin.

Dass parallel zur Promotion ein 40-Stunden-Job möglich sei, schätzt sie als Irrglauben ein. Für die Doktorarbeit sollten deshalb von vornherein längere Freiräume eingeplant werden.

Viele täten sich auch mit dem Schreiben schwer, hat Messing beobachtet. Hilfreich sei es, frühzeitig eigene Gedanken zu formulieren und eine vorläufige Gliederung zu erstellen. Ein persönliches Tagebuch mit Anregungen, Ideen und motivierenden Gedanken könne helfen, das Durchhaltevermögen aufrecht zu erhalten.

Eine Promotion kann Energieverschwendung sein

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist derzeit so angespannt, dass Titel nicht viel bringen, meint auch Manfred Brücks, Sprecher des weltweit größten Personaldienstleisters Adecco: "Es sieht so düster aus, dass man seine Energien besser für die Bewerbung auf einen Job verwenden sollte als auf die Promotion." Schließlich bedeute der Doktortitel kein Gütesiegel für einen guten Mitarbeiter. Es sei schlicht ein Titel - mehr nicht.

Viele Bewerber erwähnten den Doktortitel bei der Bewerbung nicht einmal, so Brücks. Der Grund: Arbeitgeber befürchten, dass überqualifizierte Bewerber bei der nächsten Gelegenheit das Unternehmen wieder verlassen. Und das können sich die Firmen nicht mehr leisten.

Daher rät Brücks manchen Bewerbern sogar, mit dem Doktortitel nicht allzu offensiv umzugehen. Hochschulabsolventen sollten sich seiner Meinung nach eher ihren Neigungen und Fähigkeiten hinwenden, statt zu promovieren. Dabei müsse man möglicherweise in den sauren Apfel beißen und einen eher schlechter bezahlten Job annehmen. Das sei in jedem Fall besser, als sich jetzt wegen mangelnder Alternativen ziellos in die Promotion zu stürzen.

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