Thomas Middelhoff "Ich verbleibe in Freundschaft mit Bertelsmann"

Thomas Middelhoff ist erleichtert. Künftig wird der frühere Bertelsmann-Chef als Partner der Beteiligungsfirma Investcorp arbeiten - ein Job für die nächsten 15 Jahre, so hofft er.
Von Andreas Nölting

mm.de:

Herr Middelhoff, vom Vorstandsvorsitzenden eines Weltkonzerns zum Partner einer Private-Equity-Firma - wird das eine große Umstellung für Sie?

Middelhoff: Die Aufgabenschwerpunkte und die Herausforderungen in diesen Berufsbildern ähneln sich sehr. Es geht um die Pflege des Portfolios, die Entwicklung der einzelnen Firmen, das Eingreifen bei Fehlentwicklungen und die Unterstützung des Managements. In dieser Hinsicht ähneln sich die Berufsbilder und Herausforderungen im Private-Equity-Geschäft und in einer Corporate-Holding sehr. Daher sehe ich keine dramatischen Herausforderungen auf mich zukommen.

mm.de: Sind Sie jetzt erleichtert?

Middelhoff: Ja, denn ich glaube, zu der besten Lösung gekommen zu sein. Ich hatte Kriterien wie Internationalität, eigene unternehmerische Verantwortung, Ruf des Unternehmens und natürlich auch die finanzielle Attraktivität der Position angelegt. Die Gesamtbewertung der einzelnen Punkte hat den Ausschlag für Investcorp gegeben. Mich reizt die spezifische Kultur des Unternehmens. Im Unterschied zu anderen Private-Equity-Companies hat Investcorp einen gelungen Mix aus operativer, strategischer und finanztechnischer Ausrichtung. Ich bin sicher, dass ich mich in dieser speziellen Unternehmenskultur sehr wohl fühlen werde.

mm.de: Werden Sie auch eigenes Geld einbringen?

Middelhoff: Ich bin einer der Partner von Investcorp, damit bin ich praktisch schon unternehmerisch tätig. Darüber hinaus habe ich die Möglichkeit, bei einzelnen Deals eigenes Geld mit zu investieren. Hierüber werde ich natürlich von Fall zu Fall entscheiden.

mm.de: Künftig werden Sie das europäische Geschäft leiten, für welche Branchen fühlen Sie sich zuständig?

Middelhoff: Investcorp hat ein breit diversifiziertes Portfolio. Was die Branchen betrifft, so gilt vor allem, dass in Geschäfte investiert wird, die einen starken Cashflow haben.

mm.de: Wo ist Ihr Dienstsitz?

Middelhoff: Der Dienstsitz ist London. Das heißt der Berufsmittelpunkt ist in England. Der Mittelpunkt der Familie bleibt in Bielefeld.

mm.de: Planen Sie auch Investment speziell in Deutschland?

Middelhoff: Ich glaube, dass die Zeit für Private-Equity in Deutschland hervorragend ist. Das ist auch einer der Gründe, warum ich mich zu diesem Schritt entschlossen habe und ich sehe diese Aufgabe nicht nur für die nächsten fünf, sondern für die kommenden 15 Jahre. Zurzeit sind sehr attraktive Firmen im mittelgroßen Segment auf dem Markt. Es gibt ein Hochmaß an Liquidität, es gibt interessante Zinskonditionen und die Bewertung dieser Firmen ist in der Regel jetzt verlockend.

mm.de: Können Sie sich auch vorstellen, Teile Ihres früheren Arbeitgebers Bertelsmann zu kaufen?

Middelhoff: Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe 16 wunderbare Jahre bei Bertelsmann gehabt, ich schaue voller Dankbarkeit zurück und ich stelle mir vor, dass ich in freundschaftlicher Verbindung mit Bertelsmann verbleibe.

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