Dienstag, 25. Juni 2019

Mannheimer Spät gekommen, zu viel riskiert

2. Teil: Kaum Reserven beim Neuling

Kaum Reserven beim Neuling

Das Platzen der Börsenblase traf die Mannheimer wie auch viele andere Versicherer auf dem falschen Fuß. Allerdings hatte sie im Gegensatz zu der Konkurrenz auf Grund ihrer kurzen Historie der Lebens- und Krankversicherung kaum Reserven aufbauen können und geriet damit immer stärker unter Druck.

Statt zum Rückzug zu blasen, erhöhte Schreiber die Schlagzahl und betrieb ein immer riskanteres Spiel mit dem Geld seiner Versicherten. Er erhöhte noch den Aktienanteil, als die Börsen schon längst ihren Zenit überschritten und andere Versicherer das Geld ihrer Kunden wieder in geringer verzinste aber sichere Papiere umgeschichtet hatten, bemerken seine Kritiker.

Erster Fall für den Protector?

Analyst Metzler schließt nicht aus, dass die Mannheimer Versicherung nun zum ersten Fall für die von der Branche gegründete Auffanggesellschaft "Protector" werden könne. Die Chancen auf den rettenden Investor und oder eine Kapitalerhöhung unter anderem mit Hilfe des Großaktionärs Münchener Rück (10 Prozent) beurteilt Metzler skeptisch.

Zwar hat ein Sprecher der Münchener Rück am Freitag gegenüber manager-magazin.de die Bereitschaft des Konzerns wiederholt, sich an einer Kapitalerhöhung zu beteiligen. Dazu müsse die Mannheimer allerdings ein tragfähiges Sanierungskonzept vorlegen. "Dies ist aber offenbar noch nicht in Sicht", sagt Metzler.

Das BaFin hat das zuletzt vorgestellte Sanierungskonzept abgelehnt. Unter dieser Voraussetzung dürfte es der Münchener Rück und anderen Aktionären wie Uniqa, W&W und Gerling auch schwer fallen, erneut Geld in die Mannheimer einzubringen, vermutet der Analyst.

Chancen auf Kapitalerhöhung "50:50"

Ähnlich sieht es auch Volker Kudszus. Der Analyst von WestLB Panmure schätzt die Chancen einer erfolgreichen Kapitalerhöhung "50:50" ein. "Wahrscheinlicher ist aber, die Mannheimer Leben geht in der Auffanggesellschaft Protector auf, und die Sachversicherung wird übernommen."

Dass der Bereich Sachversicherung einen Käufer findet, bezweifelt Kudszus nicht. Diese Sparte sei wirklich attraktiv, arbeite profitabel und leide nicht unter so enormen stillen Lasten wie etwa die Mannheimer Lebensversicherung. Der Experte schließt allerdings aus, dass die Mannheimer Versicherung noch als Ganzes übernommen wird. "Daran glaube ich nicht, sonst wäre das längst passiert." Schließlich habe Schreiber selbst den Konzern seit Jahresbeginn als potenziellen Übernahmekandidaten feilgeboten.


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