Gründer-Kolumne No Risk, no Fun?

Nicht nur die aktuelle wirtschaftliche Lage, sondern auch die steigende Zahl von Insolvenzen mahnt die Unternehmen zu erhöhter Vorsicht. Gerade Start-ups sollten von Anfang an auf die Früherkennung von Risiken achten.

Die Diskussionen in den neunziger Jahren in Deutschland um Corporate Governance (Unternehmensverfassung und -überwachung) gaben dem Risikomanagement einen neuen Stellenwert. Als Folge legte der Gesetzgeber 1998 das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) vor.

Demnach haben alle Kapitalgesellschaften, börsennotierte Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit einem Aufsichtsrat ein Risikomanagement-System einzurichten, um im Zweifelsfall geeignete Maßnahmen zur Risikofrüherkennung und zur Risikoabwehr nachweisen zu können. Insgesamt zielt das KonTraG auf eine intensivere Kommunikation, erhöhte Transparenz und verstärkte Publizität des Unternehmens gegenüber der Öffentlichkeit, den Kontrollorganen und seinen Mitarbeitern ab.

KonTraG für Start-ups?

Dieser Anstoß zu einem neuen unternehmerischen Risikomanagement könnte jedoch für weitere unternehmerische Rechtsformen und nicht zuletzt auch für Start-ups ein relevantes Thema sein. Gerade Start-ups im E-Business wurden beziehungsweise werden oftmals von Beginn an als AG mit Beirat oder Aufsichtsrat konzipiert. Schon heute gehen viele Experten davon aus, dass das KonTraG auch Auswirkungen auf diesen nicht-börsennotierten Gründerbereich hat.

Die zunehmende Komplexität der Geschäftstätigkeit und die erhöhte Dynamik auf den Güter- und Finanzmärkten fordern somit auch junge E-Business-Unternehmen zur Einführung eines Risikomanagement-Systems auf. Ziel ist der Schutz von Lieferanten, Kunden, Mitarbeitern, Investoren und weiteren Geschäftspartnern.

In Statussymbole investiert

Doch gerade in Hinblick auf die Dotcom-Pleitewelle der vergangenen Jahre müssen sich nicht zuletzt auch Investoren erhebliche Fehler in der Risikoerkennung und vor allem Risikoabwehr eingestehen. Zu Hochzeiten des Neuen Marktes stellten sie jungen, übereuphorischen und unerfahrenen Gründerteams fast bedingungslos Millionenbeträge zur Verfügung.

Dem Kapitalrausch verfallen wurde in überzogene Marketingkampagnen, Luxuslimousinen für die neuen Unternehmer und weitere Statussymbole investiert. Am Ende standen meist alle Beteiligten vor dem gleichen Scherbenhaufen: Der Insolvenz. Investoren und Unternehmensgründer zugleich weisen damit auf die Notwendigkeit eines Risikomanagement-Systems auch auf Start-up-Ebene hin, denn gerade die frühen Unternehmenslebensphasen sind kritisch für das Überleben und nachhaltige Fortbestehen eines Unternehmens.

Die Rolle des Aufsichtsrats bei Start-ups

Der Prozess von der Risikoidentifikation, -analyse, -steuerung, hin zur Risikoüberwachung könnte durch die größenbedingten Strukturen von jungen Unternehmen sogar begünstigt werden. Während große Konzerne mit Problemen der Risikoeinschätzung, -quantifizierbarkeit, erhöhter Komplexität und langen Entscheidungs- und Kommunikationswegen zu kämpfen haben, könnten Start-ups im Rahmen eines Risikomanagements diese Nachteile überwinden. Hintergrund ist die Tatsache, dass ein Start-up-Management näher an den Geschehnissen ist und die Durchsetzung des Unternehmens mit diesbezüglichen Informationen einfacher erscheint. Ein möglicher Vorteil?

Bei der Übertragung des Risikomanagements gemäß dem KonTraG auf Start-ups ist aber auch ein weiterer Punkt zu beachten. Er betrifft die einhergehenden Berichtspflichten des Vorstandes an den Aufsichtsrat und die damit in der deutschen Gesetzgebung für Kapitalgesellschaften vorgeschriebene Trennung der Funktionen von Management und Aufsichtsrat.

Aufsichtsrat: mehr als Kontrollaufgaben

Demnach dient der Aufsichtsrat einzig und allein der Kontrolle der Unternehmensführung. Aber gerade der Aufsichtsrat von jungen Unternehmen hat darüber hinaus andere Aufgaben, da über diesen Kanal versucht wird, von der Expertise und dem Netzwerk der Mitglieder zu profitieren; das heißt eine Einbindung des Aufsichtsrats in das operative Geschehen ist vom Management explizit vorgesehen.

Dies könnte bei einer Übertragung des KonTraG beeinträchtigt werden. Ein Ausbleiben der Unterstützung des Aufsichtsrates bei operativen Fragen könnte Auswirkungen auf die Entwicklung des Start-ups haben. Ein möglicher Nachteil?

Fazit

Ein Risikomanagement-System als integrativer Bestandteil der Corporate Governance von Start-ups könnte auf Grund der kritischen Entwicklungsphase, der gegebenen Struktur und Systeme eine sinnvolle Ergänzung sein. Risiken frühzeitig zu erkennen, um darauf reagieren zu können, ist im Interesse eines jeden Unternehmers. Die Übertragung des KonTraG auf diesen Bereich erscheint daher sinnvoll. Allerdings muss man auch den Besonderheiten von Start-ups Rechnung tragen und ihnen durch gesetzliche Regelungen nicht die Luft zum Atmen nehmen. Die Vorschriften zur Anwendung sind entsprechend zu gestalten.

Gründermarkt: Kapital und Kontakte für Start-ups


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