Siemens Klotzen, nicht kleckern

Nach Abgang des Handy-Chefs Peter Zapf gibt es für den Bereich Mobilfunk (ICM) nur eine Devise: Volumen machen, koste es, was es wolle. ICM-Chef Rudi Lamprecht bleibt dazu wenig Zeit und Handlungsspielraum.

München - Nach Ablösung seines Handy-Chefs will Siemens  den weltweiten Marktanteil bei Mobiltelefonen wieder ausbauen.

Der Abgang von Geschäftsgebiets-Leiter Peter Zapf habe aber nichts mit dem zuletzt gesunkenen Marktanteil zu tun, sagte Axel Schaffmeister, Sprecher des Siemens-Mobilfunkbereichs ICM, gegenüber manager-magazin.de.

Peter Zapf war Mitte Mai sang- und klanglos aus dem Unternehmen verschwunden. Er nehme jetzt andere Aufgaben war, verlautete aus der Siemens-Zentrale damals in dürren Worten. Zu Zapfs neuer Tätigkeit oder zu Gründen wollte man sich nicht äußern.

Der Vorstandsvorsitzende des Siemens-Bereichs Mobilfunk (Information and Communication Mobile, ICM), Rudi Lamprecht, hat Zapfs Amt kommissarisch übernommen. Noch ist unklar, wie lange Lamprecht das Geschäftsgebiet Mobiltelefone selbst führt. "Es ist nicht geplant, in absehbarer Zeit einen Nachfolger für Zapf einzusetzen", so Schaffmeister.

Lamprechts langer Atem

ICM-Chef Rudi Lamprecht genießt in der Branche den Ruf eines gewieften Managers. Schade nur, dass der emsige Vertriebsprofi ständig von Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger ausgebremst wird. Außerdem fehlen ihm für eine echte Großoffensive die Mittel aus der Konzernkasse. Die Münchener Mobilfunker haben also einen schweren Stand angesichts der aggressiven Konkurrenz.

So wurde Siemens im vergangenen Jahr vom koreanischen Samsung-Konzern überholt und muss sich nun sich mit Platz vier hinter Nokia , Motorola und Samsung begnügen. Weltmarktführer Nokia hat einen Anteil von fast 40 Prozent und kann damit in diesem Bereich deutlich profitabler arbeiten.

Aktuell entwickelt sich nur der Absatz zufrieden stellend - nicht aber die Ertrag: Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2002/03 (30. September) haben die Mobiltelefone bei einer Milliarde Euro Umsatz nur zwei Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. Erfahrungsgemäß sei dies aber das schwächste Quartal, kommentierte Schaffmeister die Situation.

Grund für das dürftige Gewinnwachstum ist außerdem, dass Siemens vor allem in Europa aktiv ist und dort Handys mit dem Standard GSM anbiete. In den meisten anderen Regionen herrscht der CDMA-Standard vor, an diesen Märkten kann Siemens nicht partizipieren. Das Ziel einer Marge acht Prozent im Jahr 2004 läge laut Schaffmeister aber im Bereich des Möglichen.

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