Karriere Durchstarten in Stockholm

Das europäische Silicon Valley liegt direkt vor der Haustür. Die schwedische Denkfabrik Kista ist Thinktank für Ideen, Manager und Start-ups. Nahe Stockholm boomt die Wirtschaft, gesucht werden Wissenschaftler und Manager jeder Couleur.

Stockholm - Als sich Patrick Möller und Peter Wiwen-Nilsson vor einigen Jahren an der renommierten US-Universität in Berkeley trafen, ahnten sie nicht, dass sie im Jahr 2003 mit Preisen überschüttet und ein internationales Patent haben würden. "Und das mit einem ganz einfachen Projekt", sagt der studierte Chemiker Möller.

Die beiden 27-Jährigen haben eine einfache und schnelle Methode entwickelt, mit der Mikrostrukturen auf leitendes Material zur Chipfertigung aufgebracht werden können. Ihr Büro haben sie im schwedischen Kista, einer kleinen Stadt nahe Stockholm. Die so genannte Science City gilt als Brutkasten für Erfolg versprechende Technologie-Unternehmen.

"Unser großes Glück ist, dass wir hier in einem sehr wissenschaftsfreundlichen Umfeld arbeiten können", sagt Wiwen- Nilsson. Mit seiner und Möllers neuen Methode dauere der Lithographie-Prozess für die Chipfertigung statt einer guten Stunde nicht mal zwei Minuten, erläutert er.

"Brutkasten für Technologie-Start-ups"

"Damit brauchen die Hersteller nur noch sechs statt bisher zehn Maschinen, und die Preise für einen 3-Zoll-Wafer (Halbleiterscheiben) können von bislang 140 auf 60 Euro reduziert werden." Die Halbleiter-Industrie habe schon reges Interesse gezeigt.

In der Wissenschaftsstadt Kista haben sich während des New- Economy-Booms auch zahlreiche namhafte IT- und Telekommunikationsfirmen wie Microsoft, IBM, Ericsson, Apple, Nokia und Intel angesiedelt. Und mittendrin befinden sich die verschiedenen IT-Abteilungen der Königlich Schwedischen Hochschule sowie eine gute Infrastruktur für Ausgründungen aus den Universitäten, so genannte Start-up-Firmen.

"Wir nennen das Brutkasten für Technologie-Start-ups mit internationalem Wachstumspotenzial", erläutert Ulf Brandels von "Kista Innovation and Groth", einer Beratungsfirma, die den Start-ups zur Seite steht. Der gestandene Manager prüft mit zwei Kollegen Projekte, die ihm junge Menschen einreichen.

"Die Ideen sind gut, aber der Businessplan fehlt"

"Meist sind die Ideen gut, aber der Businessplan fehlt", sagt Brandels. "Man muss herausfinden, ob die Ideen Marktpotenzial haben, wer die Käufer sind und ob es die Produkte nicht bereits gibt." Bei positivem Befund werden die angehenden Start-ups unterstützt.

"Die schwedische Hauptstadt gilt als eine der weltweit führenden Wirtschaftsstandorte für die Bereiche IT und Telekommunikation", sagt Torbjörn Bengtsson, Spezialist für IT- und Telekommunikationsprojekte der Stadt Stockholm.

Eine Studie der "Wirtschaftswoche" zeichnete Stockholm als die dynamischste europäische Region in den Bereichen Innovation, Finanzen, Lebensqualität und High-Tech aus. Nach dem amerikanischen Silicon Valley sieht die Computerzeitschrift "Wired" das "Wireless Valley" Kista hier an zweiter Stelle.

Doch nicht nur die Stadt und die Privatwirtschaft helfen den Start-ups auf die Beine. So hat der Staat eine Stiftung gegründet, für deren Mittel sich seit 1994 Erfinder aus ganz Schweden bewerben können. "Wir wollen ein besseres Klima für Erfinder in Schweden, denn wir brauchen wieder mehr einheimische Unternehmen", sagt der Direktor des Innovationszentrums, Per Laurell.

"Im kommenden Jahr werden wir wahrscheinlich geschlossen, aber in irgendeiner Form wird das Projekt weiterlaufen." Denn nachdem im vergangenen Jahr in Kista insgesamt 2327 Projekte gefördert worden sind, sieht Laurell weiteren Förderungsbedarf. Er ist sich sicher, dass die besten Innovation in den Schubladen der großen Firmen liegen. "Nur da entwickelt sie keiner weiter."

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