Karriere Arbeitslose Heinzelmännchen

Studenten, die auf einen Nebenjob angewiesen sind, gehen harten Zeiten entgegen. Denn die Flaute auf dem Arbeitsmarkt schlägt auf den Niedriglohnsektor durch. Nur in bestimmten Branchen werden noch Interessenten gesucht.

Hamburg - Die Flaute auf dem Arbeitsmarkt macht sich auch bei den Jobmöglichkeiten für Studenten bemerkbar: Wer sein Studium nicht komplett finanziert bekommt oder schon einen bombensicheren Nebenerwerb hat, könnte in den bevorstehenden Ferien Probleme bekommen.

"Die Stellensituation hat sich verschlechtert, die Anforderungen sind höher geworden", umschreibt Rita Feuerbach, Sachbearbeiterin für Arbeitsvermittlung bei der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, die aktuelle Situation.

Torsten Schütz, Sprecher der Arbeitsvermittlung "Heinzelmännchen", die zum Studentenwerk Berlin gehört, spricht sogar von einer deutlich verschlechterten Lage bei den Studentenjobs im Vergleich zum vergangenen Jahr.

Die Einschätzung, dass die Arbeitgeber heute mehr verlangen, teilt Schütz. Daher haben nach seinen Worten jene Studenten die größten Chancen, die über Fähigkeiten auf ganz bestimmten Gebieten verfügen: "Wer Informatik-Kenntnisse hat, kommt eher zum Zug." Studenten, die eine nicht unbedingt gängige Fremdsprache beherrschen, könnten Jobs als Übersetzer ergattern. "Zudem sind Leute mit kaufmännischer Vorbildung eindeutig im Vorteil", betont Wilfried Völter von der Studentenvermittlung beim Arbeitsamt Hamburg.

Dennoch sind nicht grundsätzlich spezielle Qualifikationen nötig, um auch noch kurzfristig einen Nebenjob zu bekommen, sagt Hüseyin Demir, Mitgeschäftsführer des Internetportals Jobber: "Wo Studenten weiter gern eingesetzt werden, ist im Promotion-Umfeld, und da sind die Anforderungen nicht so hoch." Bei diesen Jobs werden zum Beispiel während Veranstaltungen Flugblätter verteilt oder in Fußgängerzonen Zeitungs-Abos angeboten.

Hostessen, Umzugshelfer, Industriearbeiter

Auch Messehostessen sind nach Demirs Worten nach wie vor gefragt - Jobangebote, die sich naturgemäß vor allem an Studentinnen richten. Demgegenüber stehen Jobs wie Umzugshelfer oder in Industriebetrieben, die sich nahezu ausschließlich für männliche Studenten eignen. "Doch auch in der Industrie werden mehr Fachkenntnisse verlangt", schränkt Rita Feuerbach von der Bundesanstalt in Nürnberg ein.

Auch wenn viele Studenten gern einen Sicherheit versprechenden, langfristigen Job haben möchten, den sie auch während des Semesters an einem oder zwei Tagen pro Woche erledigen können: Laut Schütz ist es sinnvoll, auch kurzzeitige Angebote anzunehmen, falls sich nichts anderes bietet - möglicherweise auch nur für wenige Tage. Aus diesen Jobs gehe oft etwas Langfristiges hervor.

Keine allzu großen Illusionen sollten sich die Studenten jedoch in Sachen Verdienst machen: Zwar liegt der durchschnittliche Stundenlohn laut Demir bei ungefähr zehn Euro, und wer eine Stelle als Programmierer oder Grafiker findet, kann locker das Doppelte oder mehr verdienen. Schütz betont jedoch: "Ich habe das Gefühl, dass sich der Stundenlohn nicht fortentwickelt." Auch nach Völters Angaben sind die Sätze - bei allen Unterschieden zwischen den Branchen und auch Regionen - in den vergangenen beiden Jahren nicht höher geworden.

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