Klaus Lederer Vorauseilendes Schuldbekenntnis

Der ehemalige Babcock-Chef und Ex-Lenker der Kieler HDW-Werft hat Selbstanzeige erstattet. Mit dieser vorbeugenden Maßnahme will er einer möglichen Strafe wegen Steuerhinterziehung entgehen.

Hamburg - Klaus Lederer hat sich in den vergangenen Monaten nicht mit Ruhm bekleckert. Im Zuge der Babcock-Pleite, die vor allem Lederer persönlich zu verantworten hat, verlor er zuerst den Chefposten bei der Kieler Werft HDW, dann den Aufsichtsratsvorsitz beim Maschinenbauer Ina. Am Ende musste er auch die Führung bei Babcock Borsig abgeben. Jetzt hat sich Lederer nach Informationen der "Financial Times Deutschland" selbst angezeigt.

Nicht wegen Konkursverschleppung, wie man vermuten möchte, sondern wegen Steuerhinterziehung. Gegenstand der bereits im November 2002 eingereichten Anzeige ist nach Angaben Lederers die Versteuerung von Aufsichtsratsvergütungen aus den USA.

Die US-Bezüge seien, so Lederers Pressesprecher Hans-J. Wieckmann gegenüber manager-magazin.de, dem privaten Lebensumfeld von Klaus Lederer zuzurechnen und stünden, so Wieckmann weiter, in keinerlei Verbindung zu seiner ehemaligen Funktion als Vorstandsvorsitzender von Babcock Borsig und der HDW.

Grund der Selbstanzeige sei eine Änderung des Doppelbesteuerungsabkommens mit den USA, das möglicherweise zu einer teilweisen Steuerpflicht derartiger Bezüge in Deutschland trotz bereits erfolgter Versteuerung in den USA führt, erklärte Wieckmann gegenüber manager-magazin.de.

Auch Neuber und Frenzel werden verdächtigt

Gegen den früheren Babcock-Chef und weitere Manager wird nach wie vor wegen des Vorwurfs der Untreue, der Insolvenzverschleppung oder der Beihilfe dazu ermittelt. Zu den Verdächtigen zählen neben Lederer der ehemalige WestLB-Chef Friedel Neuber und TUI-Chef Michael Frenzel. Die Staatsanwaltschaft durchforstet seit Monaten Ordner, Festplatten und Laptops aus dem engeren Umfeld Lederers, konkrete Ermittlungsergebnisse liegen aber noch nicht vor.

Bisher gab es allerdings niemanden, der Lederer wegen des Deliktes der Steuerhinterziehung öffentlich angeklagt hätte. Deshalb kann nur spekuliert werden, welche brisanten Unterlagen den Steuerfahndern, die die staatsanwaltlichen Ermittlungen begleiten, in die Hände gefallen sein mögen. Möglich wäre, dass bei Lederers diversen Deals Provisionen geflossen sind, die der Manager nicht oder nur unzureichend deklariert hat.

Gute Geschäfte unter Freunden

Gute Geschäfte unter Freunden

Für die Übernahme der Schulden in Höhe von 300 Millionen, die Babcock bei der HDW hatte, kaufte die amerikanische Beteiligungsgesellschaft One Equity Partners (OEP) die Mehrheit an der HDW. Eingefädelt wurde der Deal unter anderem von Richard Cashin, dem OEP-Chairman, der viele Jahre Freund von Lederer war.

Als Chef der Citicorp Venture Capital, einer Tochtergesellschaft der Citibank, war Cashin an diversen Babcock-Transaktionen beteiligt, meist gleichzeitig mit dem damaligen Citicorp-Mitarbeiter Aldo Fozzati. Lederer holte Fozzati später sogar in den Balcke-Dürr-Aufsichtsrat. Zusammen mit Fozzati gründete er im November 2000 die Boulders Capital Beteiligungsberatung GmbH mit Sitz in Eschborn.

Schnell kam der Verdacht auf, Boulders würde auch mit Babcock Geschäfte machen. Eine Werbebroschüre Fozzatis erweckte diesen Eindruck. Lederer hat eine solche Kundenbeziehung bisher stets vehement bestritten. Ohnehin sei er nur "inaktiver" Gesellschafter gewesen und im Dezember 2001 ausgeschieden.

Unklar ist weiterhin, ob Lederer wegen Finanzclearings angezeigt werden kann. Ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes steht noch aus.

Der Ex-Babcock-Chef wird verdächtigt, millionenschwere Anzahlungen von Werftkunden direkt ans Mutterhaus nach Oberhausen umgeleitet haben. 500 bis 600 Millionen Euro Verbindlichkeiten gegenüber der HDW sollen sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, so die Staatsanwaltschaft. Eine Aussicht auf Rückzahlung bestand nicht.

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