Martha Stewart Die Sauberfrau gibt auf

Amerikas ungekrönte Königin der Haushaltstipps, Martha Stewart, steht im Zusammenhang mit einem möglichen Aktienbetrug unter Anklage. Die Chefin des Heile-Welt-Konzerns Omnimedia ist jetzt zurückgetreten.

New York - Stewart ist wegen strafrechtlicher Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Verkauf ihrer Aktien der Biotechnologiefirma ImClone am Mittwoch in New York angeklagt worden. Dies hat die amerikanische Wirtschaftsagentur Bloomberg berichtet.

Stewart war gegen Mittag bei regnerischem Wetter unter einem Regenschirm zu dem Gericht in Manhattan gekommen und sagte zu den anwesenden Fernsehreportern kein Wort. Die Angeklagte beteuerte vor Gericht abermals ihre Unschuld. Wenige Stunden später trat sie als CEO und Chairwoman ihres Medienimperiums Martha Stewart Living Omnimedia zurück. Sie wird aber weiter einen Sitz im Board behalten.

Die Bundesstaatsanwaltschaft beschuldigt Stewart, auf Grund illegaler Informationen Aktien eines Biotechnologieunternehmens verkauft und Aktionäre sowie Börsenaufsicht (SEC) belogen zu haben. Die Transaktion habe ihr 45.000 Dollar eingebracht. Nun drohen dem Hausfrauen-Idol bis zu 30 Jahre Gefängnis.

In der Anklageschrift wird Stewart Schwindel, Verschwörung, Behinderung der Justiz sowie Falschaussage vorgeworfen. "Dieser Prozess dreht sich um Lügen. Sie hat das FBI belogen, die SEC und die Investoren", sagte US-Staatsanwalt James Comey am Mittwochabend in New York.

Stewart dementiert

Der frühere Makler Stewarts, Peter Bacanovic, wurde nach Darstellung bei Bloomberg ebenfalls in der Klage genannt. Stewart ist mit ihren täglichen Haus- und Garten-TV-Shows fast allen Amerikanern ein Begriff.

Sie hatte am 27. Dezember 2001 knapp 4000 Aktien der Biotechnologiefirma Imclone verkauft, die damals von Sam Waksal, einem Freund Stewarts, geleitet wurde. Sie verkaufte ihre ImClone-Aktien einen Tag bevor die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA eine Zulassung des ImClone-Krebsmedikaments Erbitux abgelehnt hatte. Die FDA-Mitteilung führte zu einem starken ImClone-Kurseinbruch.

Stewart hatte dementiert, dass sie im Voraus Informationen erhalten hatte. Stattdessen erklärte sie, der Verkauf sei erfolgt, weil sie mit ihrem Makler bei Merrill Lynch eine Vereinbarung hatte, die Imclone-Aktien zu verkaufen, sobald sie unter 60 Dollar absinken sollten.

Wie geht es weiter mit Stewarts Imperium?

Waksal, der selbst versucht hatte, Imclone-Aktien zu verkaufen, hat sich inzwischen im Zuge des Insiderhandels-Skandals des Wertpapier- und Bankbetrugs, der Verschwörung zur Justizbehinderung und des Meineids schuldig bekannt. Waksal-Familienmitglieder hatten am gleichen Tag ImClone-Aktien verkauft.

Stewart verdiente beim Verkauf ihrer Imclone-Aktien rund 230.000 Dollar. Der Wertverlust ihrer Aktien bei der eigenen Firma Martha Stewart Living Omnimedia (MSO) im Gefolge ihrer Justizprobleme liegt aber bei fast einer Milliarde Dollar.

Stewart hatte sich mit ihrer Firma über Jahre ein mittelgroßes Medienimperium mit mehreren Magazinen sowie Haus- und Garten-TV-Shows aufgebaut. Das Unternehmen bietet auch über den Discounter Kmart, andere Einzelhändler sowie das Internet Bettwäsche, Handtücher, Farben, Möbel und andere Produkte an, die alle unter ihrem Namen angeboten werden.

Stewart, 61, gibt in ihren Magazinen, TV- und Radio-Shows sowie in ihren von vielen US-Zeitungen verbreiteten Artikeln Ratschläge für die Ausstattung von Wohnungen, Häusern und Gärten sowie Tips für die Ausrichtung von Hochzeiten und junge Mütter.

Börsenwert geviertelt

Der Gesamtwert ihrer Omnimedia-Aktien betrug beim Börsengang im Oktober 1999 rund 1,2 Milliarden. Der Kurs ist inzwischen wegen der Insider-Handelsanschuldigungen drastisch gefallen. Der Wert ihrer MSO-Aktien liegt momentan nur noch bei etwa 288 Millionen Dollar.

Die Wall Street rätselt, wie es bei der Martha Stewart Living Omnimedia jetzt weiter gehen soll, da die Publikationen sowie die Fernseh- und Radio-Shows ganz auf Martha Stewart ausgerichtet sind. Das Anzeigengeschäft ihrer Magazine wie "Martha Stewart Living" hat bereits stark gelitten. Die Aktien ihrer Firma sind am Mittwoch um 1,47 Prozent auf 9,66 Dollar gestiegen. Sie hatten beim Börsengang mit 35,06 Dollar notiert.