Elf Aquitaine Acht Jahre für die Drahtzieher

Der Korruptionsskandal, in den auch der deutsche Konzern Leuna verstrickt war, nimmt Flowtex-Ausmaße an. Top-Manager veruntreuten über 300 Millionen Euro. Jetzt fordert die Pariser Staatsanwaltschaft hohe Strafen für die Drahtzieher Sirven, Floch-Prigent und Andre Tarallo.

Paris - Im Prozess um die Schwarzen Kassen des Elf-Konzern hat die Pariser Staatsanwaltschaft langjährige Haftstrafen für die drei Hauptangeklagten des Korruptionsskandals gefordert.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Loik Le Floch-Prigent soll nach dem Willen der Anklagebehörde wegen Veruntreuung von Firmenvermögen für fünf Jahre ins Gefängnis. Gegen die Exmanager Alfred Sirven und Andre Tarallo beantragte Staatsanwältin Catherine Pignon am Donnerstag je acht Jahre Gefängnis und hohe Geldstrafen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, die Kassen des Konzerns im großen Maßstab geplündert und sich persönlich bereichert zu haben. Unter Le Floch-Prigent seien von 1989 bis 1993 im damaligen Staatskonzern rund 300 Millionen Euro abgezweigt worden, bilanzierte Pignon in ihrem Plädoyer vor der 11. Pariser Strafkammer. Allein beim Kauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie flossen mehr als 40 Millionen Euro an Kommissionen.

"Diese Summen haben mit der begreifbaren Wirklichkeits nichts mehr zu tun", sagte die Staatsanwältin." Die "drei Personen im Herzen des Systems, die das System geschaffen, es am Leben gehalten und weiterentwickelt haben", müssten exemplarisch bestraft werden.

Auch der Deutsche Dieter Holzer ist angeklagt

Insgesamt stehen 37 Angeklagte vor Gericht, darunter der deutsche Geschäftsmann Dieter Holzer und der französische Elf-Lobbyist Pierre Lethier. Sie haben nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft für ihre Millionenkommissionen in der Leuna-Affäre keine Gegenleistungen erbracht.

Der Geschäftsmann Andre Guelfi, über dessen Konten gegen eine stattliche Entlohnung die Leuna-Gelder flossen, soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für vier Jahre in Haft. Tarallo, der sich um die Afrika-Geschäfte des mittlerweile privatisierten Ölkonzerns kümmerte, soll 26 Millionen Euro in die eigene Tasche abgezweigt haben, von denen er sich unter anderem eine Luxusvilla auf Korsika gebaut haben soll.

Sirven, der 1989 mit seinem Chef Le Floch-Prigent zu Elf-Aquitaine ging und dort als Direktor für allgemeine Angelegenheiten dessen rechte Hand war, soll ebenso wie Tarallo fünf Millionen Euro Strafe zahlen; Le Floch-Prigent 380.000 Euro.

Le Floch-Prigent hatte vor Gericht unter anderem den Kauf einer Dienstvilla für 8,6 Millionen Euro gestanden und einen Anflug von "Größenwahn" eingeräumt. Auch seine fünf Millionen Euro teure Scheidung habe Elf bezahlt. Am Tag seiner Versetzung durch die neue konservative Regierung Balladur 1993 kaufte er mit der Kreditkarte seiner Firma nach eigenen Angaben Gartenmöbel im Wert von 12.000 Euro für sein ebenfalls zu Teilen von Elf finanziertes Anwesen in der Normandie. Als Grund gab er seine Verärgerung über Balladur an.

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