Ignaz Walter "Unternehmer aller Länder, vereinigt Euch!"

Der Präsident des Verbandes der Deutschen Bauindustrie und Aufsichtsratsvorsitzende der Walter Bau / Dywidag schlägt Alarm. "Die größte Revolution aller Zeiten" sei im Schwange, sagt Walter. Politiker und Unternehmer geißelt er gleichermaßen.

Berlin - Für Ignaz Walter, Präsident des Verbandes der Deutschen Bauindustrie, ist gerade eine Revolution im Gange. Die Parole laute: "Unternehmer aller Länder, vereinigt euch!" Es ist "die Revolution des Kapitals, der Unternehmen", sagte er bei der Vorstellung der Quartalszahlen seiner Branche in Berlin.

Es waren grottenschlechte Zahlen. "Die größte Revolution aller Zeiten", sagte Walter und wagte freimütig den Vergleich mit den Umwälzungen von 1789 und 1848.

Er muss es wissen, ist er doch Professor h.c. und selbst Unternehmer, Aufsichtsratsvorsitzender der nach ihm benannten "Walter Bau AG vereinigt mit Dywidag", die sich selbst als Deutschlands drittgrößten Baukonzern bezeichnet. Walter machte bei seinen Ausführungen aber auch deutlich, dass er die Unternehmer versteht. Mit seiner Solidarität aber ist es offenbar nicht weit her.

Mit seinem Revolutionsvergleich meinte Walter nach eigenen Angaben, dass sich die Unternehmen angesichts der Aushöhlung der Marktwirtschaft durch die überbordenden Sozialausgaben der Chancen der Globalisierung bedienen. Sie entkommen ins Ausland und lassen die Sozial-"Partner" im nationalen Regen stehen. "Subtil, aber unheimlich wirkungsvoll" komme diese Revolution daher.

Die "Art Steuerreform", die die rot-grüne Regierung vor einigen Jahren vollzogen habe, habe nur einigen global operierenden Konzernen geholfen. Der Mittelstand, also "die richtigen Unternehmer", habe nichts davon gehabt.

Die "Unternehmer fahren jetzt die Retourkutsche" für die immer höheren Belastungen durch Fiskus und Bürokratie. Walter nannte ein Beispiel aus seiner Heimat, der Gegend um Augsburg: Müller-Milch sei in die Schweiz gegangen (Davon weiß man dem Vernehmen nach bei Müller-Milch nichts).

"Ich kann nicht mehr. Ohne mich"

Wenn sie nicht auswandern, die Unternehmer, sagen sie laut Walter: "Ich kann nicht mehr. Ich mag nicht mehr. Ohne mich", und geben auf. Wie die Chefs von 740 Betrieben des Bauhauptgewerbes im Januar und Februar 2003. Wer diese Entwicklung aufhalten wolle, könne nicht mehr bis 2010 warten. "Die Agenda hätte eigentlich 2004 heißen müssen", meinte Walter. Und das Programm von Bundeskanzler Gerhard Schröder reiche auch bei weitem nicht aus.

Er, Walter, habe Schröder einmal gesagt, er hätte ruhig mehr wagen können. "Sie kriegen ja jetzt ohnehin Prügel. Sie hätten dieselben Prügel bekommen, wenn Sie eine Agenda gemacht hätten, die dann reicht." Aber egal, jetzt gelte es mitzumachen und zu fordern, "dass das nächste auch kommt". Die Politiker sollten endlich einmal Rückgrat zeigen und nicht immer nur rumlaufen "wie die Lyoner". Er meint nicht die Bewohner der gleichnamigen Stadt, sondern weiche Würstchen.

Seine beißende Kritik ("Ich erlebe jetzt den siebten Bauminister in meiner kurzen Amtszeit. Alle haben viel gesprochen") beschränkte er nicht auf Rot-Grün: "Das ist nicht ein Thema Schröder, sondern die Pflanzen für dies sind vorher gesetzt worden."

Wenn die Revolution weiter gehe, hätten "wir hier afrikanische Verhältnisse", meinte Walter. Dicht dran seien wir schon, mit einer Arbeitslosigkeit in der Baubranche von 57,9 Prozent im Osten und 31,3 Prozent im Westen.

Walter Bau: Der Chef muss gehen

Thomas Rietig, AP

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