MG Technologies Späte Niederlage

Die Übernahme des MG-Chefpostens durch Udo Stark ist für Kajo Neukirchen nicht nur eine Schlappe, sondern ein persönlicher Affront. Denn Stark war neben Otto Happel einer seiner ausgewiesenen Intimfeinde.

Frankfurt - Der einstige Agiv-Manager Udo Stark hat, wie manager-magazin.de exklusiv berichtete, unmittelbar nach der Hauptversammlung den Vorstandsvorsitz bei der Frankfurter MG Technologies  übernommen. Der neu zusammengesetzte Aufsichtsrat berief noch am Dienstagabend den 55-Jährigen mit sofortiger Wirkung auf den Chefsessel des Frankfurter Chemie- und Anlagenbaukonzerns.

Stark soll im Sinne des neuen Großaktionärs Otto Happel den Konzern mit den beiden Säulen Chemie und Anlagenbau neu ordnen. Im Gespräch ist der Verkauf der Spezialchemie und die Verkleinerung der Sparte Großanlagenbau. Eine Zerschlagung stehe aber nicht zur Diskussion, kündigte Happel in einer schriftlichen Erklärung auf der Hauptversammlung an.

Der seit zehn Jahren amtierende Vorstandsvorsitzende Kajo Neukirchen hatte seinen Posten Ende Mai geräumt, nachdem Happel mit mehr als 20 Prozent zum entscheidenden Großaktionär aufgestiegen war. Mit ihm hatte sich Neukirchen über Jahre juristisch, aber auch in öffentlicher Polemik über den Kurs des Konzerns sowie über die Korrektheit von Bilanzen gestritten.

Ruf des Zerschlagers

Der Personalwechsel an der MG-Spitze wird in der Frankfurter Zentrale als zusätzlichen Schlag gegen Neukirchen gesehen. Stark zählte ebenfalls zu den Intimfeinden des machtbewussten Managers. Neukirchen wollte 1997 den einstigen Agiv-Konzern erwerben. Gegen den Übernahmeversuch wehrte sich Stark erfolgreich. Neukirchen revanchierte sich für die Niederlage, indem er öffentlich die Schwachstellen und Risiken der Agiv benannte.

Im Auftrag des Großaktionärs BHF-Bank veräußerte Stark - bis März 2000 Agiv-Chef - schließlich die verschiedenen Teile des Mischkonzerns bis auf den Immobilienbestand. Der daraus resultierende Ruf des "Zerschlagers" hat nicht nur die MG-Belegschaft beunruhigt. Entsprechende Spekulationen waren auch Anlass für den neuen Großaktionär Happel, mit einer eindeutigen Erklärung die aufkommenden Wogen zu glätten.

Neben Kajo Neukrichen wird, wie auf der MG-Hauptversammlung bekannt wurde, noch ein weiteres Mitglied den Vorstand verlassen. Der für den Bereich Recht zuständige Rolf Niemann wird nach Unternehmensangaben sein Amt vorzeitig aufgeben. Niemann war 2001 in den Vorstand berufen worden. Der 1948 geborene Jurist war er auf MG-Seite eine zentrale Figur im Rechtsstreit gegen Happel.

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