Martha Stewart Schmutz am Rocksaum der Sauberfrau

Gut sieht sie aus, rotwangig, warmherzig und gepflegt. Sie war das Idol aller amerikanischen Hausfrauen, der Schwarm zahlloser Ehemänner und vor allem eine äußerst erfolgreiche Geschäftsfrau. Jetzt will die Staatsanwaltschaft Martha Stewart wegen Insiderhandels verklagen.

New York - Die Bundesstaatsanwaltschaft in New York hat gegen Martha Stewart eine strafrechtliche Untersuchung wegen des Verdachts des Insiderhandels eingeleitet und fordert, dass bald Anklage gegen sie erhoben wird.

Dies hat die Martha Stewart Living Omnimedia mitgeteilt. Es werde auch eine Zivilklage der US-Wertpapier- und Börsenkommission SEC erwartet. Stewart war im Zusammenhang mit dem Verkauf eines Aktienpakets der Biotechnologiefirma Imclone in die Schusslinie geraten.

Stewart soll gewusst haben, dass die Ordnungshüter in Washington den Antrag auf Zulassung des Krebsmittels Erbitux von Imclone abgelehnt hatten, als sie ihre Imclone-Aktien verkaufte. Die Aktien waren nach der Veröffentlichung der Erbitux-Entscheidung stark gefallen.

Im Topf mit Enron und Worldcom

Imclone-Chef Samuel Waksal informierte nach Erkenntnissen der Ermittler zunächst seine Familie und dann seine prominente Freundin. Die konnten ihre Anteile an dem Unternehmen rechtzeitig abstoßen, noch bevor der Kurs abstürzte. Dabei hätten allein Waksal und seine Familie Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe eingestrichen.

Martha Stewarts Aktien dagegen hatten lediglich einen Wert von 227.000 Dollar. Trotz des relativ geringen Betrages reagieren ameikanische Ermittler seit Worldcom und Enron allergisch auf Insiderhandel. Es wirkt absurd, dass Stewart ihr wohl gehütetes Millionenimperium wegen einiger tausend Dollar aufs Spiel setzte.

Stewart ist eine bekannte amerikanische Moderatorin von Haus- und Garten-Shows auf verschiedenen TV-Sendern. Sie ist Chefin und Gründerin des US-Unternehmens Martha Stewart Living Omnimedia, das ihre TV-Shows und Magazine sowie Wäsche, Farben und andere Produkte unter dem Martha-Stewart-Namen über das Internet sowie den Discounter Kmart anbietet.

Besessen von der heilen Welt

Mit Argusaugen, so berichtete DER SPIEGEL im Sommer vergangenen Jahres, herrscht sie über ihr 296-Millionen-Dollar-Imperium. Ihre Kreativtipps zum Pflanzen, Kochen und Dekorieren finden sich im Magazin "Martha Steward Living" (Auflage zwei Millionen), im eigenen Kabel-TV-Programm, in über 40 Büchern, ihrer Zeitungskolumne "Frag Martha", ihrer Radioshow, dem Internet-Shop oder bei Gastauftritten großer Fernsehsender.

Mit Martha-Stewart-Produkten von der Gartenschippe bis zum Seifenhalter machen die 1800 Filialen der Discount-Ladenkette Kmart mehr Umsatz als mit jeder anderen Marke.

Stewart brutzelt, bastelt meist selbst auf allen Vermarktungskanälen und erreicht 88 Millionen Menschen im Monat. Ihrer perfekten Welt kann niemand entkommen - nicht einmal sie selbst. Ihre mediale Omnipräsenz hat die Marke untrennbar mit der Person verbunden.

Von der Pflege des Rasens

Das bedeutet im Gegenzug, dass sich jegliches persönliche Fehlverhalten sofort auf den Absatz auswirken kann. Immer wieder wird beschrieben, mit welcher Besessenheit die herbe Praktikerin ihre ästhetischen Stilvorstellungen durchsetzt.

Mal nagelt die Haushalts-Domina angeblich wutentbrannt einen Gärtner mit der Stoßstange ihres Autos an die Wand, dann faltet sie einmal mehr lautstark ihre Mitarbeiter Ecke auf Kante zusammen. Und wer sie besuchen kommt, muss Gerüchten zufolge einen vorgeschriebenen Weg zur Haustür gehen - damit der Rasen gleichmäßig abgenutzt wird.

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