Ingrid Hofmann Gebieterin über Zeit und Arbeit

Sie eröffnete ihr Zeitarbeitsunternehmen, als die meisten in Deutschland das Wort noch nicht mal buchstabieren konnten. Heute spielt Ingrid Hofmann an der Spitze der Fachkraftvermieter mit - und kämpft für ihre Branche mit den Waffen einer Frau.

Nürnberg - "Die betriebsübliche Bezahlung wäre für uns eine Entmündigung und zugleich ein Tarifdiktat zugunsten der Gewerkschaften." Für die Idee der Bundesregierung, den Zeitarbeitsfirmen die jeweils branchenübliche Bezahlung vorzuschreiben, hat Ingrid Hofmann (49) harte Worte übrig. Dennoch sitzt sie mit am Tisch, wenn mit den Gewerkschaften ein eigener Tarif ausgehandelt wird.

Das hat zwei Gründe. Zum einen kann sie mit einem eigenen Zeitarbeitstarif nur gewinnen - den gültigen Tariflohn der jeweiligen Branche zu bezahlen käme deutlich teurer. Zum anderen ist es ihr Geschäft, weit auseinander liegende Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. In ihrem Alltag als Chefin der Zeitarbeitsfirma Hofmann Personal Leasing sind das die Bedürfnisse ihrer fest angestellten Mitarbeiter und die der unterschiedlichen Unternehmen, an die ihre Leute vermietet werden.

Die Politik der Regierung hat die Zeitarbeitsbranche nicht nur unter Druck gesetzt. Sie hat das Gewerbe mit den Fachkräften auf Zeit in Deutschland auch bekannt gemacht. Zwei Drittel der Bevölkerung können sich heute darunter etwas vorstellen, während es vor drei Jahren nur 25 Prozent waren.

Orchideen in Südafrika, Sporen in der Schweiz

1985 müssen es noch viel weniger gewesen sein. Hofmann war damals eine der ersten, die das Konzept auf den deutschen Arbeitsmarkt übertrug und ihr Unternehmen gründete. Zunächst hatte sie in Südafrika Orchideen züchten wollen. Doch dann verdiente sie sich bei einem Zeitarbeitsanbieter in der Schweiz ihre Sporen.

Eine Erfolgsgeschichte. Heute sitzt die Fränkin nicht nur im Vorstand des Bundesverbandes Zeitarbeit. Sie leitet auch eines der wichtigsten Mitgliedsunternehmen, das mit 30 westdeutschen und 20 ostdeutschen Niederlassungen zu den Top Ten der Branche zählt. Hier sind über 4000 Mitarbeiter beschäftigt, 230 in der Verwaltung, 3800 Zeitarbeitskräfte.

Spezialität: Spagat zwischen den Fronten

Offenbar gelingt ihr der Spagat zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen also gut. Sie selbst bekundet: "Ich fühle mich als Frau am richtigen Platz." Und weil sie das nicht allein so sieht, zeichnete das Champagnerhaus Veuve Clicquot sie für "herausragende Leistungen einer deutschen Managerin" aus. Vielleicht genau die richtigen Voraussetzungen, um zwischen den Bedürfnissen der Branche und denen der Gewerkschaften zu vermitteln.

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