DB-Preissystem Nachlass von vier Bahn-Managern

Nicht nur die Entlassung der Bahn-Vorstände Koch und Franz ist beschlossene Sache. Auch zwei andere Miterfinder des neuen Preissystems gehen von Bord. Hingegen kann sich Konzernchef Hartmut Mehdorn über eine Verlängerung seiner Amtszeit freuen - das böse Wort vom Bauernopfer macht die Runde.

Berlin - Der Vertrag von Bahnchef Hartmut Mehdorn ist auf der heutigen Aufsichtsratssitzung der Bahn bis zum Jahr 2009 verlängert worden. Damit solle dem Chef der Deutschen Bahn der Rücken gestärkt werden. Damit trat der Rat Forderungen aus den Oppositionsparteien entgegen, Mehdorn solle seinen Hut nehmen.

Für dreistellige Millionen-Verluste und Image-Schaden nach Einführung des neuen Bahn-Preissystems büßen andere, sie kommen aus der zweiten und dritten Reihe. Personenverkehrsvorstand Christoph Franz - gefeuert. Sein Marketing-Vorstand Hans-Gustav Koch - entlassen. Anna Brunotte, Leiterin des Preismanagements und Mutter des neuen Systems - abgelöst. Horst Föhr, Chef bei DB Service - geht angeblich "auf eigenen Wunsch".

Auslöser des gtaloppierenden Personalschwunds ist das neue Preissystem. Es war von Gewerkschaften, Verbänden, Politikern und nicht zuletzt Kunden vehement kritisiert worden. So werden die neuen Preise für die erheblichen Einbußen im Fernverkehr sowie die hohen Verluste im ersten Quartal verantwortlich gemacht. Die Bahn hatte vornehmlich auf konjunktur- und witterungsbedingte Ausfälle verwiesen.

Stornogebühr sinkt sofort

Dennoch reagiert der Transportkonzern jetzt. Wegen der Umsatzeinbrüche will die Bahn ihr umstrittenes Preissystem ändern. Um der massiven Kundenkritik zu begegnen, will die Bahn jetzt sofort die Stornogebühren für Frühbuchertickets senken. Ab Mittwoch soll der Umtausch dieser Fahrkarten nur noch einheitlich 15 Euro kosten. Bisher galten für Tickets mit fester Zugbindung Umtauschgebühren zwischen 15 und 45 Euro.

Verkehrsminister Manfred Stolpe hatte noch am Vormittag unerwartet scharf Kritik an der Bahn geübt. Er vertrat die Ansicht, "dass die Bahn sich verkalkuliert hatte". Er erwarte, dass das Preissystem nun einfacher und kundenfreundlicher werde. Mehdorn sei dafür "der richtige Mann am richtigen Platz".

Koch und Franz leisteten bis zuletzt Widerstand

Die Deutsche Bahn hatte seit Einführung des neuen Preissystems Ende 2002 dramatische Verluste erlitten, die Fahrgäste liefen ihr in Scharen davon. Das Unternehmen sollte nach Mehdorns Plänen bis Ende 2004 profitabel und börsenfähig sein. 2003 sollte der Verlust auf 200 Millionen Euro mehr als halbiert werden. Dieses Minus hat die Bahn Medienberichten zufolge fast bereits in den ersten vier Monaten dieses Jahres eingefahren.

Koch und Franz sollen sich einer Überarbeitung des von ihnen entwickelten Systems vor Ablauf der einjährigen Testphase widersetzt haben. Mehdorn erklärte, die Trennung erfolge "auf Grund unterschiedlicher Auffassungen, wie den konjunkturell bedingten Schwierigkeiten und der mangelnden Akzeptanz einzelner Elemente des neuen Preissystems im Personenfernverkehr begegnet werden soll".

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