Bundesanstalt für Arbeit Hiobs Helfer

Florian Gerster mutiert zum Buhmann der Nation. Die Reform seiner Behörde kommt nicht voran, Kritiker fordern seinen Rücktritt, und Monat für Monat muss er steigende Arbeitslosenzahlen verkünden. Seit kurzem steht der PR-Berater Bernd Schiphorst dem BA-Chef zur Seite.
Von Karsten Langer

Hamburg - Bernd Schiphorst (60) hat es eilig. Der PR-Berater und Medienbeauftragte für Berlin und Brandenburg pendelt zwischen der Hauptstadt und Nürnberg, zwischen Aufsichtratssitzungen, Präsentationen und Meetings.

Nachdem der ehemalige Bertelsmann-Manager und jetzige Präsident des Bundesligisten Herta BSC Ende Januar dieses Jahres beim Berliner Consulting-Unternehmen WMP Eurocom angeheuert hat, gibt es für ihn keine Wochenenden mehr.

Noch knapper ist die Zeit bemessen, seitdem die Bundesanstalt für Arbeit (BA) zu Schiphorsts Kunden zählt. Dort ist er seit einigen Wochen als Berater angestellt und soll die interne Kommunikation verbessern. Eine Sisyphosarbeit?

"Die BA befindet sich in einer schwierigen Phase", gibt Schiphorst gegenüber manager magazin.de zu. Vor allem Organisation und Effizienz müssten überprüft werden. Außerdem, so Schiphorst weiter, müssen die 90.000 Mitarbeiter der Behörde in die Reform eingebunden werden. Keine leichte Aufgabe. Bis Ende 2004 läuft sein Vertrag, nicht viel Zeit für die Umstrukturierung eines Riesenapparates. "Die Bundesanstalt für Arbeit ist kein Privatbetrieb", gibt Schiphorst zu bedenken.

Wer rettet Florian Gerster?

Auch den Vorstand soll Schiphorst zur Seite stehen. Als Berater ausschließlich für den Chef der BA sei er aber nicht angestellt worden, betont der Kommunikationsmanager. Darüber kann er froh sein. Denn Florian Gerster hat es dieser Tage nicht leicht. Während die Regierung versucht, das Wort "Wirtschaftskrise" tunlichst nicht auszusprechen, versinkt der Behördenchef im Mahlstrom der Arbeitslosen.

Vor einem Jahr angetreten, um die schwerfällige Behörde zu reformieren, macht es inzwischen den Eindruck, als würde Gerster gegen Windmühlen kämpfen. Daran ist er zum Teil selbst schuld. Zuletzt untergrub die Affäre "goldene Wasserhähne" seine Glaubwürdigkeit. Gerster, der seiner Behörde einen strengen Sparkurs verordnet hatte, wollte die Vorstandsetage in Nürnberg für 1,8 Millionen Euro sanieren lassen.

Mit derlei taktischen Fehlern, die die Volksseele zum Kochen bringen, spielt Gerster seinen Kritikern die Trümpfe direkt in die Hand. Seine zahlreichen Feinde wird das freuen, können sie doch einen weiteren Malus in ihre Liste aufnehmen. Die Widersacher des BA-Chefs sind zahlreich, sie rekrutieren sich aus den verschiedensten Lagern.

Viel Feind, wenig Ehr'

Viel Feind, wenig Ehr'

Gersters Untergebene murren, weil ihnen die neuen Management-Methoden, die Controlling-Instrumente und die Erfolgskontrollen nicht gefallen. Außerdem hat sich Gerster etwas weit aus dem Fenster gelehnt, als er sagte, die Hälfte der rund 90.000 Mitarbeiter sei entbehrlich.

Die Gewerkschaften opponieren gegen den Behördenvorsteher, weil er für die Kürzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengelds eintritt, ein Aufschrei des Entsetzens geht durch die Reihen der Grünen, wenn ABM-Stellen gekürzt oder Fortbildungen gestrichen werden sollen. Gerster solle sich lieber um den Umbau seiner Behörde kümmern, giften die Kritiker einhellig.

Dort hat sich sichtbar bisher nicht viel geändert. Zwar können fast alle Mitarbeiter derweil über das Intranet kommunizieren, Gerster selbst spricht via Rundmail mit seinen Beamten.

Die angekündigten Reformen aber blieben bisher aus. Die Zahl der Mitarbeiter wurde nicht verringert, sondern erhöht. Außerdem wird die BA auch in diesem Jahr nicht ohne einen Zuschuss aus Bundesmitteln auskommen – eine persönliche Niederlage für Gerster, der immer für einen zuschussfreien Haushalt gekämpft hatte.

Und endlich ist Gerster auch ein Opfer der Konjunkturschwäche. Das Ergebnis seiner Bemühungen misst sich an den monatlich verkündeten Arbeitslosenzahlen. Die sind katastrophal. Es wartet viel Arbeit auf Bernd Schiphorst.

Konjunktur: Über 4,7 Millionen Arbeitslose

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