Montag, 16. September 2019

Interimsmanagement Die Hochdruck-Reiniger

Sie sind schnell da, schnell weg und kümmern sich dazwischen oft um "dirty jobs". Trotzdem fürchtet gerade der Mittelstand die schnellen Aufräumer. Consultant Vera Bloemer spricht im Interview mit manager-magazin.de über Insider, Intrigen - und über ganz normales Interim-Management.

mm.de:

Interim-Manager - dahinter vermuten viele einen beschönigenden Ausdruck für den Rambosparer, der von außen ins Unternehmen kommt und alles kurz und klein optimiert. Stimmt das Bild?

Die Volkswirtin Vera Bloemer (42) promovierte in Heidelberg. Im Bereich Consulting und Investment Banking arbeitete sie für McKinsey, die Treuhandanstalt und die Deutsche Bank. Ihre Schwerpunkte als selbstständige Beraterin liegen in den Bereichen Unternehmensnachfolge und Coaching von Führungskräften.
Bloemer: Nein. Grundsätzlich bedeutet Interim-Management, dass man sich Know-how von außen holt. Es hat viele Erscheinungsformen, vom "Feuerwehrmann", der eingreift, wenn's brennt und der die "dirty jobs" erledigt, bis hin zum Coach, der ein Unternehmen langfristig weiterentwickelt.

mm.de: Was sind die typischen Situationen, in denen ein Interim-Manager zu Rate gezogen wird?

Bloemer: Das fängt an mit der Überbrückung von Vakanzen oder der Einführung einer neuen IT-Struktur, über die Neugründung eines Unternehmensbereichs oder einer Auslandsdependance bis hin zu einem Outsourcing oder der Moderation eines Generationswechsels an der Führungsspitze. Am häufigsten aber greifen Unternehmen auf externes Know-how in Krisensituationen zurück und holen sich einen Sanierungsexperten.

mm.de: Wo liegt der Unterschied zum Insolvenzverwalter? Der kommt auch in einer Krise von außen in ein Unternehmen.

Bloemer: Der Insolvenzverwalter kommt, wenn es schon fast zu spät ist, in einer rechtlich genau definierten Situation. Er entscheidet über die Zukunft eines Unternehmens. Der Interim-Manager dagegen entwickelt Perspektiven und ist - im Gegensatz zum Berater - für ihre Umsetzung verantwortlich. Letztlich entscheidet aber die Unternehmensführung, ob sie sich mit seinen Maßnahmen anfreunden mag.

mm.de: In Krisenzeiten wie diesen - steigt der Bedarf an Managern auf Zeit?

Bloemer: Langfristig ja. Interim-Management gibt es hier zu Lande seit den achtziger Jahren. Zu Zeiten der Treuhand und in der New Economy boomte die Branche. Daher rührt derzeit ein Überangebot an Interim-Managern. In den vergangenen zwei Jahren wurden viele Führungskräfte entlassen, die sich nun auf diesem Feld versuchen. Interim-Management spricht sich aber als modernes Führungswerkzeug herum. Deshalb ist derzeit wieder ein leichter Anstieg des Bedarfs zu beobachten. Für die Zukunft sind im Interim-Management Wachstumsraten von etwa zehn Prozent realistisch.

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