Citibank Die heilige Johanna der Geldbranche

Jung ist sie, hübsch, ehrgeizig und ein Ausnahmetalent: Christine Licci führt seit Herbst 2001 die Geschäfte der Citibank-Deutschland, und das mit steigendem Erfolg. Den Problemen im Haus begegnet sie mit unorthodoxen Führungsmethoden und den Waffen einer Frau.
Von Karsten Langer

Hamburg - Prädikate sammelt sie am laufenden Band. Als letztes nahm das "Wall Street Journal Europe" die Managerin in die Liste der 25 wichtigsten Geschäftsfrauen Europas auf – neben Liz Mohn übrigens als einzige Deutsche.

Christine Licci (38), Vorsitzende der Citibank Deutschland, ist gegenwärtig die erfolgreichste Bankchefin der Republik. Und die jüngste, und die hübscheste und derlei Superlative mehr.

Wie sie es trotz aller Widrigkeiten auf den Posten geschafft hat? Trotz Bankenflaute und trotz der Tatsache, dass sie ständig mit ihrer Sekretärin verwechselt wird? Solchen Fragen begegnet Licci mit den Waffen einer Frau.

Schneewittchen und die sieben Zwerge

Charmant und bescheiden betont sie in Interviews ein ums andere Mal, dass Offenheit und Kommunikation das A und O ihres Berufes sind, dass nur gut motivierte Kollegen auch gute Arbeit leisten und man keine Berührungsängste haben dürfe. So verkleidete sich Licci zum Karneval als Schneewittchen und ihre Kollegen umringten sie als Zwerge.

Darüber hinaus habe sie es der modernen Struktur der Citibank zu verdanken, dass ihr die Aufgaben so leicht von der Hand gingen. Sie sei in ihren Entscheidungen so frei, wie man eben sein kann, sagt Licci. Die einzigen Vorgaben aus dem Headquarter in Amerika: "das Kostenmanagement im Griff haben und Geld verdienen".

Mit dem goldenen Löffel im Mund wurde die heutige Managerin allerdings nicht geboren. Eigentlich wollte die Tochter eines Hoteliers aus Kastelruth bei Bozen Konzertpianistin werden. Aber nachdem die Mutter der damals 16-Jährigen das Vorspiel bei der Dirigentenlegende Claudio Abado verboten hatte, hängte die verhinderte Musikerin ihre Träume an den Nagel und studierte Betriebswirtschaft. Nach ihrer Tätigkeit als Trainee bei der Dresdner Bank ging Licci zur Schweizer Großbank UBS.

"Schnelligkeit geht vor Perfektion"

1996 leitete sie das Treasury bei der Citibank in der Filiale Frankfurt, 1997 wurde sie verantwortlich für den Bereich Optionsscheine der Citibank in Europa und Japan. 1999 übernahm sie die weltweite Verantwortung für dieses Geschäft.

Doch auch dort bleibt sie nur zwei Jahre, bevor sie im September 2001 zur Vorstandsvorsitzenden der Citibank Privatkunden AG aufstieg und seitdem das größte Konsumkreditgeschäft außerhalb Amerikas leitet.

Selbstverständlich missfällt dem gemeinen deutschen Zweifler die Leichtigkeit, mit der eine Frau wie Licci ihre Herkulesaufgabe bewältigt. Nein, Probleme, sagt sie, gibt es keine und wenn, dann sind sie struktureller Natur und haben nichts mit dem Versagen von Personen zu tun. Wie ihre Geschlechtsgenossin Carly Fiorina, Chefin des amerikanischen Softwarekonzerns Hewlett-Packard, kämpft Christine Licci leise, aber beharrlich, mit harten Bandagen, aber fair. Ihr Credo: "Schnelligkeit geht vor Perfektion."

"Einen Job übernehmen, wo nicht alles so rund läuft"

Dass die Managerin, als sie im Herbst 2001 ihren Posten antrat, einen Sanierungsfall vorfand, dem die IT-Kosten davonliefen, erwähnt sie mit keinem Wort. Auch die Namen der gefeuerten Manager werden in Gesprächen verschwiegen und die Widerstände, auf die sie anfangs im Hause stieß. "Was mich reizt ist eigentlich, einen Job zu übernehmen, wo nicht alles so rund läuft", gibt sie gerne zu Protokoll.

Sperrige Probleme löst die gebürtige Norditalienerin mit der ihr eigenen Nonchalance, ihr unorthodoxer Führungsstil ist von Erfolg gekrönt. Mit einem Gewinn von 667 Millionen Euro im vergangenen Jahr erzielte das Bankhaus sein bestes Ergebnis seit Bestehen.

Das aber reicht der zierlichen Powerfrau nicht. "Bis 2006 wollen wir unseren Vorsteuergewinn auf 1,2 Milliarden Euro verdoppeln", sagte Christine Licci selbstbewusst auf der Bilanzpressekonferenz im Februar. Bisher hat sich kein Kritiker gefunden, der an ihren Worten zweifelt.