Reuters 3000 plus eins

Die Headhunter schwärmen aus; Reuters sucht einen neuen Chef für seinen Aufsichtsrat. Den alten, Christopher Hogg, ereilt das Schicksal von 3000 weiteren Mitarbeitern: Er muss gehen.

London - Die Nachrichtenagentur Reuters steckt tief in der Krise. 3000 Entlassungen wurden bereits angekündigt, nun folgt wohl ein besonders prominenter Abgang. Im Vorfeld der Quartalskonferenz am kommenden Donnerstag verdichten sich die Hinweise auf einen Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Christopher Hogg, 66.

Wie die Londoner Ausgabe der "Financial Times" berichtet, wird Sir Christopher, der dem Kontrollgremium bereits seit 18 Jahren vorsteht, seinen Rücktritt ankündigen. Nach einem Nachfolger wird fieberhaft mithilfe von Headhuntern gesucht.

Auf Drängen aus dem Unternehmen übernimmt Hogg damit die Verantwortung für den anhaltenden wirtschaftlichen Niedergang. Die weltgrößte Agentur für Wirtschaftsnachrichten hat seit über einem Jahr mit der Medienkrise zu kämpfen.

"Sir Christopher ist zum Rücktritt bereit, sobald ein Nachfolger bereitsteht", werden informierte Kreise zitiert. Mit der Kandidatur eines Nachfolgers ist aber wohl kaum vor Ablauf eines Vierteljahres zu rechnen.

Auf der kommenden Konferenz wird das Medienunternehmen erneut schlechte Zahlen vorlegen. Beobachter rechnen mit weiter gefallenen Umsätzen in einer Größenordnung von zehn Prozent. Bereits in den vergangenen zwölf Monaten ist die Aktie an der Londoner Börse von 548 auf 106 Pfund gefallen.

Im Februar hatte Reuters-Vorstandschef Tom Glocer angekündigt, sich nach einem Rekordverlust in dreistelliger Millionenhöhe stärker auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Im Rahmen des Restrukturierungsprogramm "Fast Forward" will er in den kommenden drei Jahren rund 440 Millionen Pfund (657 Millionen Euro) einsparen.

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.