Freitag, 13. Dezember 2019

Jürgen Harksen Die Geständnisse des Hochstaplers

"Die Vernunft ist bei allen Beteiligten auf der Strecke geblieben", sagte Richter Ernst- Rainer Schudt bei der Urteilsbegründung. Jürgen Harksen ist zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

Hamburg - Die Richter des Hamburger Landgerichts sahen es als erwiesen an, dass Jürgen Harksen drei Anleger in 52 Fällen um insgesamt 28,4 Millionen Mark (rund 14 Millionen Euro) betrogen hat. Mit dem Urteil ging das Gericht noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus.

Verurteilter Harksen: Der große Frust nach der Euphorie
Harksens betrügerischen Hochstapeleien und seine Sucht nach Luxus hätten "märchenhafte Züge" gehabt, erklärte Richter Ernst-Rainer Schudt in der Urteilsbegründung.

Der Finanzjongleur, der seinen Opfern Gewinne zwischen 1.300 und 9.000 Prozent versprochen hatte, war erst Ende 2002 nach neunjähriger Flucht aus Südafrika an die deutschen Behörden ausgeliefert worden. Der ursprüngliche Vorwurf des Betruges in 218 Fällen an 62 Anlegern mit einem Schaden von über 63 Millionen Mark konnte jedoch nicht aufrechterhalten werden.

Nach den Auslieferungsbestimmungen konnte Harksen nur wegen Betruges an drei Investoren angeklagt werden, denen er Millionengeschäfte mit Immobilien und Ölvorkommen vorgegaukelt hatte. Hauptgeschädigter ist ein ehemaliger Bauunternehmer, den Harksen um rund 24 Millionen Mark geschädigt hatte.

"Enttäuscht wegen der geringen Strafe"

"Bei ihren Betrügereien ist bei allen Beteiligten irgendwo die Vernunft auf der Strecke geblieben, vielleicht auf einer der großen Partys auf Ibiza", sagt Richter Ernst- Rainer Schudt. Die Opfer hätten ihr Geld zunächst "euphorisch hingegeben" und später "die große Frustration" erlebt.

Mit seinem Urteil ging das Gericht noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die eine Haftstrafe von sechs Jahren verlangt hatte. "Einige Geschädigte sind eventuell enttäuscht wegen der geringen Strafe", sagte Schudt. Denn eigentlich hätte sie "viel höher" ausfallen müssen, wenn man den Angeklagten für alle Betrügereien hätte belangen können. Immerhin seien wohl 300 Anleger um mindestens 150 Millionen Mark betrogen worden.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung