Salamander Grub schickt Lurchi an den Rhein

Erst wenige Wochen ist der Top-Sanierer Volker Grub Vorstandschef bei Salamander, da lässt er seinen Worten schon Taten folgen. Nun brachte er den Verkauf der verlustreichen Schuhsparte an Garant unter Dach und Fach.

Düsseldorf/Kornwestheim - Salamander-Chef Volker Grub hat sein erstes und wichtigstes Ziel erreicht: Der Verkauf der Salamander-Schuhsparte an die Garant Schuh + Mode AG ist beschlossene Sache. Damit hat der Sanierungsprofi den Heimatkonzern von Salamander-Maskottchen Lurchi auf Kurs gebracht.

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten die Aktionäre von Garant dem Kauf zu. Ab 1. Oktober 2003 wird Salamander mit einer ungarischen Schuhfabrik sowie 230 Fachgeschäften in neun Ländern zu der Gruppe gehören. Dabei bleibt die bisherige Firmenzentrale in Kornwestheim als Verwaltungszentrum der Garant-Schuh-Tochter erhalten. Außerdem erwerben die Düsseldorfer die Markenrechte an Lurchi selbst.

Der geschickte Grub gibt aber nicht das gesamte Familiensilber weg. Die Marken Yello Miles, Sioux, Apollo und Betty Barclay verbleiben bei Salamander: "Dort besteht zunächst kein Handlungsbedarf", so Grub. Der Schwerpunkt seines Unternehmens verschiebt sich mit dem Verkauf dennoch zur Dienstleistungssparte, die im Gegensatz zum Schuhgeschäft rentabel arbeitet. Salamander bewirtschaftet mit rund 20.000 Mitarbeitern Parkplätze, reinigt Gebäude und bewacht unter anderem Atomkraftwerke.

Erst Bäurer und Brokat, jetzt Salamander

Mit dem Deal steigt Garant nach eigenen Angaben zur größten Gruppe im europäischen Schuhfachhandel auf. Der Umsatz betrage rund 3,8 Milliarden Euro jährlich mit rund 5000 Fachhändlern in 14 Ländern. Direkte Konkurrenz zwischen Garant- und Salamander-Händlern bestehe an weniger als zehn Standorten.

Der 65 Jahre alte Grub ist Partner des größten deutschen Insolvenzverwalters Wellensiek, Grub und Partner. Zuletzt hat er das insolvente Softwarehaus Bäurer saniert und den ehemaligen Nemax-Star Brokat zerlegt. Er erregte 1978 mit seinem ersten Großauftrag Aufsehen, als er den Fernseh-Hersteller Körting an ein kommunistisches Unternehmen aus dem ehemaligen Jugoslawien verkaufte.

Klagen stehen ins Haus

Seit Februar ist der promovierte Jurist Vorstandschef bei Salamander. Trotz des erfolgreichen Verkaufes der Schuhsparte steht er noch vor vielen unbeantworteten Fragen. Der Energiekonzern EnBW hält 95,42 Prozent an Salamander und hatte im Sommer vergangenen Jahres den übrigen Aktionären eine Zwangsabfindung von 22,71 Euro pro Aktie geboten, um das Unternehmen vollständig zu übernehmen.

Gegen die Höhe der Abfindung haben jedoch mehrere Aktionärsschützer bereits vor dem Schuhsparten-Verkauf Klagen angekündigt. Nun stehen EnBW noch höhere Forderungen der Kleinaktionäre ins Haus. Zu diesen Problemen will sich Grub bislang noch nicht äußern.

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