Dietmar Hopp Eine Frage der Ehre

Er lässt nicht locker: Im Kampf um seinen angeschlagenen Ruf fährt Dietmar Hopp immer schwerere Geschütze auf. Wie manager-magazin.de erfuhr, will er noch diese Woche Anzeige gegen den Mannheimer Oberstaatsanwalt Horst Kühner erstatten.

Hamburg - Dietmar Hopp findet es unerträglich: "Was auch immer über SAP berichtet wird - wenn die Sprache auf mich kommt, fällt stets der Halbsatz: '… gegen den die Staatsanwaltschaft gerade ermittelt'." Der SAP-Mitgründer klingt seelenruhig, wenn er erklärt, warum es in ihm brodelt - für diese äußere Ruhe hat er wohl ein besonderes Talent. Draußen tobt derweil eine Schlammschlacht, und auch der ruhige Hopp zieht darin alle Register.

Seine Gegner sitzen in der Staatsanwaltschaft Mannheim. Die ermittelt gegen den Multimilliardär, weil er mit Geldern aus seiner gemeinnützigen Stiftung für MLP-Chef Bernhard Termühlen gebürgt hat. Eine Hausdurchsuchung bei Hopp rauschte Anfang März durch den Blätterwald. Seither pocht er darauf, dass ihn die Staatsanwälte willkürlich unter Beschuss genommen und seinen Ruf geschädigt hätten. "Noch in dieser Woche", erklärte Hopp gegenüber manager-magazin.de, "werden meine Anwälte deshalb die ersten zwei Anzeigen erstatten."

Das, so stellt er klar, sei aber erst der Anfang. Weitere Anzeigen würden geprüft. Sein Hauptvorwurf: Die Staatsanwalt habe bei ihren Ermittlungen wissentlich eine Patronatserklärung ignoriert, nach der er mit seinem Privatvermögen für den Fall haftet, dass die Bürgschaft für Termühlen platzt. Kurz: Der Stiftung hätte zu keiner Zeit finanzieller Schaden gedroht.

Ganzseitige Anzeigen als schlagende Argumente

Weil das alles so kompliziert ist, hat Hopp den Fall öffentlich erklärt, in ganzseitigen Annoncen in den beiden großen Tageszeitungen der Region. In einfachen Worten legt er dort seine Sicht der Dinge dar, verweist auf die reichen Segnungen seiner Stiftung und geht frontal die ermittelnden Staatsanwälte Hubert Jobski und Gabriele Schöpf an: Die hätten nur einen Grund gesucht, um seine Privatsphäre nach Beweisen gegen MLP zu durchstöbern und wollten es nun nicht zugeben. "Wäre ich nicht prominent", ergänzt er im Gespräch, "würde sich kein Ermittler für den Fall interessieren."

Wenn er so etwas hört, platzt Oberstaatsanwalt Horst Kühner der Kragen: "Dazu will ich gar nichts mehr sagen." Den Vorgesetzten von Jobski und Schöpf empört der Vorwurf der Parteilichkeit: "Das hat es noch nie gegeben, dass jemand versucht, mit solcher Stimmungsmache die Arbeit der Staatsanwaltschaft zu beeinflussen." Niemand werde anders behandelt, nur weil er reich sei.

Im Gegenteil: Hopp sei reich genug, um sich teure Zeitungsanzeigen zu leisten und zu versuchen, daraus Vorteile zu schlagen: "Sie glauben ja gar nicht, welchem Druck wir jetzt, auch privat, ausgesetzt sind." Die letzte Entscheidung treffe doch schließlich das Gericht, so Kühner, "und über Urteile wird nun einmal nicht abgestimmt!"

"Man kündigt sich auch nicht beim Drogenhändler an"

"Man kündigt sich ja auch nicht beim Drogenhändler an"

Kühner wird sich bald nicht nur mit Zeitungsanzeigen herumärgern müssen. Eine der Strafanzeigen, die Hopp für diese Woche plant, richtet sich gegen den Chefermittler persönlich. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" wurde er gefragt, warum er denn nicht vor der Hausdurchsuchung mit einem Anruf bei Hopp versucht habe, Unklarheiten über die Bürgschaft zu beseitigen. Kühners Antwort in dem Artikel: Man erkundige sich ja auch nicht vorab bei einem Drogenhändler, "ob er Betäubungsmittel hat. Denn dann sagt er 'nein', und wenn wir eine halbe Stunde später durchsuchen, ist die Wohnung blitzblank."

"Selbstverständlich will ich Herrn Hopp nicht mit einem Drogenhändler vergleichen", betont Kühner nun entnervt. Das Beispiel sollte lediglich die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft verdeutlichen. Doch alle Relativierung nützt nichts: Hopp ist entschlossen, den Ermittlern nichts mehr durchgehen zu lassen: "Bisher hat sich niemand getraut, gegen solche Auswüchse der Staatsgewalt vorzugehen", befindet Hopp. "Ich habe unseren Rechtsstaat zu verteidigen."

Ein ernstes Wörtchen mit dem Schiri

In der Öffentlichkeit stößt seine Rechtsstaatsauffasssung nicht überall auf Verständnis. Zwar erklärten sich zahlreiche Geschäftsleute und Politiker aus der Region mit dem SAP-Mann solidarisch, darunter auch Hartmut Mehdorn, Bernd Schmittbauer und Boris Breskvar. Doch die baden-württembergische Jusitzministerin Corinna Werwigk-Hertneck stellt sich demonstrativ hinter die Mannheimer Staatsanwälte, der Beamtenbund bezeichnet Hopps Agitation als "verfassungswidrig".

Mit Formulierungen wie der von seiner "grenzenlosen Wut" nährt er selbst das Klischeebild des Hitzkopfs. Viele Medien haben sich darauf bereits festgelegt. Als Hopp etwa am vergangenen Sonntag bei einem Spiel der Eishockey-Mannschaft "Mannheimer Adler" mit dem Schiedsrichter ein ernstes Wörtchen redete, schrieben die Zeitungen von einem "Kurzschluss am Rande der Eisbahn".

Das Choleriker-Image wird hängenbleiben

Die Folgerung liegt nahe: Hopp ist Klubchef der Mannschaft und die Adler verloren 3:5 gegen die "Kölner Haie". Aber: "Die Darstellung in der Presse war übertrieben", stellt Gernot Tripcke, Chef der Deutschen Eishockey-Liga klar. "Zu Ausfälligkeiten ist es nicht gekommen. Hopp hat am Schiedsrichterraum geklopft und gewartet. Der Schiedsrichter hätte ihn nicht reinlassen müssen. Dann hat er zwar hart und deutlich Kritik an der Leistung des Schiri geübt, aber der Ton war immer ruhig," so Tripckes Schilderung.

Hopp wird das Choleriker-Image dennoch so schnell nicht mehr loswerden. Sein Feldzug gegen die Staatsanwaltschaft passt perfekt in dieses Bild. Dabei ist sein Motiv, das genaue Gegenteil zu erreichen. Er will verhindern, dass auf die erfolgreiche Bilanz seines Geschäftslebens nun ein Schatten fällt. Oder in seinen eigenen Worten: "Ich will meine Ehre wiederherstellen."

SAP / MLP: Grenzenlose Wut Hopp im mm.de-Interview: "Ein Schildbürgerstreich" Razzia bei Dietmar Hopp: "20 Leute eingefallen" Reichste Deutsche 2003: Dietmar Hopp

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