Ralf-Dieter Brunowsky Ein mutiges Vorhaben

Der frühere "Capital"-Chef will "Geldidee" und "Netzeitung" wieder auf Vordermann bringen. Der 53-Jährige ist davon überzeugt, dass sich das Anzeigengeschäft im Herbst wieder erholt.

Köln - Mitten in der Medienkrise verspürt Ralf-Dieter Brunowsky Pioniergeist. "Das ist gerade die beste Zeit, eine Firma zu gründen". Während Wirtschaftstitel wie "Telebörse" oder "Netbusiness" reihenweise eingestellt werden, geht der Ex-"Capital"-Chefredakteur mit seinem eigenen Kölner Unternehmen BrunoMedia auf Expansionskurs.

Er wolle einen kleinen Verlag aufbauen, sagt der 53-Jährige. Das Internetportal "Netzeitung" samt 30 Mitarbeitern hat Brunowsky am Freitag übernommen, gemeinsam mit dem zweiten Eigner, "Netzeitung"-Chefredakteur Michael Maier. Im kommenden Jahr soll der defizitäre Anbieter schwarze Zahlen schreiben.

Im Mai beginnt ein weiteres Großprojekt: Die externe Produktion des Wirtschaftsmagazins "Geldidee", das zuletzt alle 14 Tage mit einer verkauften Auflage von über 160.000 Exemplaren erschien. Brunowskys Zehn-Mann-Team soll fortführen, was zuletzt 31 inzwischen entlassene Mitarbeiter geleistet haben.

PR-Stratege und Wirtschaftsjournalist

Ein mutiges Vorhaben. Brunowskys Leute müssen arbeitswütige Multitalente sein: Schließlich produziert das Team gleichzeitig Kundenmagazine für Techem und AWD, schreibt Pressetexte und Geschäftsberichte. Das Angebot reicht von redaktionellen Inhalten über Public Relations und Zeitschriften-Entwicklung bis hin zu Medientraining für "renommierte Fernseh- und Wirtschaftsjournalisten", wie es auf der Firmen-Website heißt.

Den Verdacht, dabei könnte die Grenze zwischen redaktionellem Inhalt und PR verschwimmen, weist Brunowsky von sich: Die journalistische Unabhängigkeit der "Geldidee" werde er auch in Zukunft sichern. Dass Journalisten in Personalunion Werbetexte und redaktionelle Texte schreiben, sei "ja nicht unbedingt eine bösartige Vermischung".

"Manager geraten schnell in Panik"

Sein eigenes Unternehmen BrunoMedia hat Brunowsky Anfang 2002 ins Leben gerufen – damals waren die Werbeetats längst eingebrochen, Verleger zückten ihre Rotstifte. "Wenn es mal schlechter geht", sagt der Publizist und Kommunikationsberater, "geraten die Manager in Panik."

Der Ex-Chefredakteur des Magazins "Capital" spricht aus Erfahrung. Als Gruner + Jahr im August 2001 nur noch rund 230.000 Exemplare seines Wirtschaftstitels verkaufte, etwa zwölf Prozent weniger als ein Jahr zuvor, musste Brunowsky nach zehn Jahren den Chefsessel räumen – "wegen unüberbrückbarer unterschiedlicher Auffassungen mit dem Verlag über die weitere konzeptionelle Ausrichtung", wie es damals hieß.

Als "Capital"-Chef machte er Telekom-Werbung

Nun entwirft Brunowsky eigene Konzepte. "Kein Konzern schreibt mir mehr vor, was ich machen soll", so der Geschasste, "ich kann die Dinge umsetzen, die mir vorschweben". Zuvor arbeitete der Diplom-Volkswirt stets in fester Anstellung: Als Parlamentsberichterstatter der "Berliner Morgenpost", später als stellvertretender Chefredakteur der Magazine "Wirtschaftswoche" und "Impulse".

Nach seinem Schritt in die Selbstständigkeit wird Brunowsky von der Überzeugung geleitet, dass es bald wieder aufwärts geht mit dem Anzeigengeschäft: "Die Erholung kommt im Herbst, vielleicht sogar schon früher."

Die Nähe zur Wirtschaft suchte er schon, als er noch für "Capital" verantwortlich war. Anfang 2002 machte er Werbung für die Deutsche Telekom: "Leistungsstärke und Innovationskraft wird sich durchsetzen", sagte Brunowsky in dem Spot, "die Telekom wird ihren Erfolgskurs fortsetzen". Zumindest diese Prognose hat sich bislang nicht bestätigt.

Netzeitung: "Wir werden das Ding nach vorne bringen" Wirtschaftsmedien: "Thank you for flying bauer Air" Gruner + Jahr: "Unüberbrückbare Auffassungen"

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