Storck Nimm den Sohn

Merci, Nimm2 und Knoppers haben eines gemeinsam: Sie stammen von Storck. Der Süßwarenriese war noch Anfang des Jahres wegen Salmonellen in den Schlagzeilen. Nun ernennt Firmenpatriarch Klaus Oberwelland seinen Sohn Axel zum neuen Chef.

Halle/Westfalen - Sprachliebhaber tun sich schwer mit den Produkten des größten deutschen Bonbonherstellers. Zum einen bleiben die bunten Dinger in den Zähnen hängen, was sich nachteilig auf die Aussprache auswirken kann. Zum anderen erscheint in Namen wie Werther's Original oder Dickmann's das aus dem Englischen stammende Genitiv-Apostroph.

"Das kommt von unserer internationalen Ausrichtung", sagt Bernd Rößler, Sprecher der August Storck KG, entschuldigend. Das ostwestfälische Unternehmen macht mittlerweile knapp 45 Prozent seines Umsatzes im Ausland.

Im Juni feiert Storck sein 100-jähriges Bestehen - wie nun bekanntgegeben wurde, mit der Übergabe der Geschäftsführung von Klaus Oberwelland an den 36 Jahre alten Sohn Axel. Der Süßwarenhersteller hat seinen Sitz mittlerweile nach Berlin verlegt. Doch das Werk in Halle (Kreis Gütersloh) ist nach wie vor der größte Produktionsstandort. Mehr als die Hälfte der gut 4000 Mitarbeiter arbeitet dort. Zur Storck Gruppe zählen Marken wie Nimm2, Campino, Toffifee und Knoppers. Zu kaufen sind die Produkte in rund 80 Ländern, von Afghanistan bis Zimbabwe.

Motto: Schaffen und Schweigen

Absolute Zahlen jedoch bleiben - wie bei anderen Familienunternehmen aus der Region - vielfach Firmengeheimnis. Dass der Umsatz im vergangenen Jahr um fünf Prozent gewachsen sei, teilte Storck von sich aus gerne mit. Das Fachblatt "Lebensmittel Zeitung" schätzt ihn auf 1,2 Milliarden Euro. Dabei hatte das Jahr gar nicht gut begonnen: Nachdem bei der Marke Merci und in Aldi-Schokolade Salmonellen gefunden wurden, musste Storck erhebliche Warenmengen zurückrufen. Den Schaden beziffert das Unternehmen auf 25 Millionen Euro. Doch auch ohne Skandale zeigen sich weder der alte noch der neue Chef gerne in der Öffentlichkeit - ein typisches Verhalten in dieser Vermögensliga.

Der Vater ist ein Marketingvisionär

In den 30er Jahren kam Storck nach eigenen Angaben als erstes Unternehmen auf die Idee, Bonbons einzeln zu verpacken. Die eher gesichtslosen Zuckerbomben bekamen auf diese Weise eine Markenidentität verpasst - heute gang und gäbe, damals ein Zeugnis für die visionäre und unternehmerische Kraft des Firmenpatriarchen.

Die würfelförmigen Karamellbrocken kosteten zu jener Zeit einen oder zwei Pfennig. Etwa 30 Jahre später kamen die ersten Bonbons mit Vitaminzusatz auf den Markt - ein früher Vorläufer des "functional food" mit mehr oder weniger gesundheitsfördernden Nebeneffekten und wiederum eine kühl kalkulierte Marketing-Reaktion auf den Gesundheitstrend. Ernährungsbewusste weisen jedoch darauf hin, dass der Zuckergehalt in den Vitaminbonbons ebenso hoch ist wie in anderen Bonbons.

Kalorienreduziertes Süßes nicht geplant

Das gehört durchaus zur Produktstrategie: "Bei uns wird es keine kalorienreduzierten Süßigkeiten geben", sagt Rößler. Man müsse sich eben über die Folgen im Klaren sein, wenn man zu Süßigkeiten greife.

Ulrike Koltermann, dpa

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