Jean-Luc Lagardère Unternehmer-Legende gestorben

Der Chef des gleichnamigen französischen Medien-, Auto- und Luftfahrt-Imperiums ist tot. Mit Lagardère verliert Europa einen prominenten Industriekapitän.

Paris - Nicht nur Frankreich hat einen prominenten Industriekapitän verloren. Auf dem Höhepunkt seiner glanzvollen Unternehmerkarriere ist der auch im europäischen Ausland und dabei vor allem in Deutschland geschätzte Jean-Luc Lagardère am Freitagabend im Alter von 75 Jahren in Paris gestorben.

Dem Bewunderer des Sonnenkönigs Ludwig XIV. und von General Charles de Gaulle, auch ein enger Freund von Staatspräsident Jacques Chirac, lag nicht allein das französische Rüstungsgeschäft am Herzen. Trotz aller Passion für Amerika trieb der aus der Gascogne stammende Lagardère vor allem seine "europäische Idee" hartnäckig voran. Europas gesamte Luft- und Raumfahrt erlebte ihn als Visionär.

Kein Wunder also, dass der französische Außenminister Dominique de Villepin den Industriellen als einen "großen Europäer" würdigte, der sich kühn für die deutsch-französische Partnerschaft eingesetzt habe. Gemeinsam mit dem heutigen DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp hatte der Rüstungsunternehmer, einer der wirklichen Privatindustriellen in dieser Branche, 1999 den europäischen Luftfahrtgiganten EADS aus der Taufe gehoben. Die Daimler-Chrysler Aerospace (Dasa) und Frankreichs Aerospatiale Matra bildeten so den weltweit drittgrößten Luft- und Raumfahrtkonzern. Und Lagardère wurde Co-Aufsichtsratschef von EADS.

Die steile Karriere des in der südfranzösischen Pyrenäen-Region Gers geborenen Lagardère begann 1951. Er wurde Abteilungsleiter für Reaktorbau im Luftfahrtunternehmen Dassault. Die Begeisterung für die Luftfahrt hatte er vom Vater geerbt. Zwölf Jahre später holte Marcel Chassagny, der Chef des Matra-Konzerns, den begabten und ehrgeizigen Manager mit Führungsqualität in das Unternehmen. Schritt für Schritt stieg Lagardère schließlich in den Vorstand und zum Präsidenten auf.

Als Chef führte Lagardère die Matra-Aktie in nur drei Jahren bis zum Herbst 1980 in die damals Schwindel erregende Höhe von 10.000 Franc (1500 Euro). Der Spitzenunternehmer setzte weiterhin auf die Expansion, also auf Markterweiterung und Diversifizierung. Seine engen, oftmals freundschaftlichen Beziehungen zu der staatlichen Seite und führenden Politikern kamen ihm zugute. Matra stieg bei dem Medienkonzern Hachette ein, dem großen Marktführer der französischen Verlagsbranche. Zuletzt machte seine Gruppe Schlagzeilen, als sie das Verlagsgeschäft des schwer angeschlagenen Vivendi-Konzerns übernahm.

Das Tagesgeschäft des Konzerns hatte der zum Risiko neigende "Ritter der französischen Ehrenlegion" schon lange an seinen Sohn Arnaud abgetreten. Mal hatte sich Jean-Luc Lagardère bei Geschäften verspekuliert, ein andermal hatte es Schlagzeilen wegen möglicher Veruntreuung gegeben. Doch bei allen Höhen und Tiefen seines langen Unternehmerlebens ging es für Lagardère, den der "Nouvel Economiste" schon 1979 zum "Manager des Jahres" kürte, schließlich immer bergauf.

Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

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