Clariant Die Chemie stimmt nicht

Das Verhältnis zwischen Verwaltungsrat und Vorstandschef Handte war schon seit langem zerrüttet. Jetzt kam es zum Bruch - doch der Nachfolger steht schon mit fertigem Konzept in den Startlöchern.

Muttenz / Schweiz - Der hoch verschuldete Schweizer Feinchemiekonzern Clariant  durchlebt turbulente Zeiten. Am Mittwoch warf Konzernchef Reinhardt Handte zerknirscht das Handtuch, das bisherige Verwaltungsratsmitglied Roland Lösser stand bereits mit fertigem Sanierungskonzept als Nachfolger bereit. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Schweizer Börse SWX gegen das Unternehmen ermittelt.

Der 60-jährige Lösser war von 1995 bis 2000 Finanzchef von Clariant und seither Mitglied des Verwaltungsrats. Zuvor hatte der gebürtige Deutsche für den Sandoz-Konzern gearbeitet.

Der Abgang seines Vorgängers Reinhard Handte kam plötzlich, aber nicht überraschend. Seit Monaten stand der unter Beschuss, weil er es nach Ansicht seiner Kritiker nicht geschafft hatte, den maroden Life-Science-Bereich zu sanieren. Diese Sparte und die kostspielige Übernahme des britischen Chemiekonzerns BTP sind verantwortlich für den Schuldenberg von 2,4 Milliarden Euro, den das Unternehmen aufgetürmt hat.

Life Science verliert an Bedeutung

Ende Februar musste der glücklose Handte in der Bilanzpressekonferenz eingestehen, dass trotz aller Sparbemühungen eine Besserung nicht in Sicht war. Vor allem die Konkurrenz aus Schwellenländern mache Clariant zu schaffen. In den folgenden Wochen folgte ein Verwirrspiel um die Frage, ob Clariant sein Kapital erhöhen solle. Handte nannte die Maßnahme in einem Interview "wahrscheinlich", während der Verwaltungsratspräsident, Robert Raeber, sie nicht für notwendig hielt.

Schließlich beantragte Handte selbst in dieser Woche seine Freistellung von allen Führungsaufgaben. Mit Lösser wurde auffallend rasch ein Nachfolger benannt, der sogleich einen weit reichenden Strategiewechsel ankündigte. Er werde den Bereich Life Science künftig untergewichten, so Lösser gegenüber der "Neuen Zürcher Zeitung", und das gesamte Unternehmen in einer "tabulosen Überprüfung" auf mögliche Synergien abklopfen. Auch die Kapitalerhöhung ist vom Tisch.

Ermittlungen bereits in Gang

An den Märkten konnte er damit punkten. Seine Ernennung wurde von den Analysten der Credit Suisse First Boston (CSFB) mit "vorsichtigem Optimismus" begrüßt. Die Bilanz sei weiterhin in einem "zerbrechlichen Zustand". Daran werde sich auch nichts ändern, solange der Verkauf von Unternehmensteilen keinen deutlichen Fortschritt mache. Auf Lösser kämen einige schwierige Entscheidungen zu.

Ungemach droht auch von der Schweizer Börse. Die hat inzwischen in einer Voruntersuchung prüft, ob das Unternehmen der Publizitätspflicht in der Frage der Kapitalerhöhung und der Ablösung Handtes genügt hat. Bereits am vergangenen Wochenende hatte die "Basler Zeitung" über einen wahrscheinlichen Rücktritt Handtes berichtet - möglicherweise aufgrund einer gezielten Indiskretion, wie andere Medien vermuten.

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