Cebit Ödnis im Jobzentrum

Der "Cebit Job & Career Market" könnte eine großartige Kontaktbörse für IT-Kräfte sein - wenn es denn Jobs gäbe. Oder Fachkräfte, die überhaupt nach Arbeit fragen.

Hannover - Der steinige Weg zum Traumjob beginnt für IT-Spezialisten in Halle 9. Auf dem "Cebit Job & Career Market" präsentieren sich rund 50 Unternehmen und Organisationen auf gestylten Ständen den Bewerbern. Doch vielen Personalchefs ist die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Nur gelegentlich lassen sich Interessenten blicken.

"Die Leute werden schon noch kommen", tröstet sich Regina Friedrich von Siemens. So mancher Jobsuchende mag befürchten, dass angesichts von rund 50.000 arbeitslosen IT-Spezialisten auf der Cebit nicht viel zu holen ist. Und damit könnte er Recht behalten.

So hat man bei Bayer zurzeit lediglich 20 Stellen im IT-Bereich zu vergeben, für 2003 rechnet man mit 60 externen Einstellungen - spärlich für einen Konzern dieser Größe. Bei Siemens sieht es nicht viel besser aus. In allen Konzernbereichen sind insgesamt 370 Stellen vakant. Wie viele IT-Jobs man derzeit zu vergeben hat, wissen nicht einmal die Berater am Messestand.

Über Stellenzahlen spricht man nicht

Bei Vodafone mag man über die Zahl der vakanten Stellen nicht sprechen - über die der Bewerber schon. Allein für Jobs in der Düsseldorfer Zentrale gingen monatlich 2500 Bewerbungen ein, sagt Personalreferentin Stephanie Kreuter. Ohne abgeschlossenes Studium und Berufserfahrung stehen die Chancen allerdings schlecht.

Zu alt sollten Bewerber auch nicht sein. "Das Durchschnittsalter bei Vodafone liegt bei 32 Jahren", betont Kreuter. Gänzlich bedeckt halten sich die Deutsche Post und die Telekom. Hier möchte man sich an den Ständen überhaupt nicht öffentlich äußern.

Seit 2001 ist die Zahl der Beschäftigten in der IT- und Telekom-Branche nach IG-Metall-Angaben um rund vier Prozent auf 750.000 gesunken. Und der Branchenverband Bitkom erwartet für 2003 einen weiteren Schwund von 10.000 Stellen. Die Zentrale Arbeitsvermittlungsstelle (ZAV) der Bundesanstalt für Arbeit räumt ein, dass auch auf der Cebit keine Jobwunder zu erwarten sind.

Nur aus Imagegründen auf der Jobbörse

"Viele Unternehmen sind aus Imagegründen hier und ihr Angebot ist schmal", sagt ZAV-Experte Harald Seitz. Zudem seien die Anforderungen erheblich gestiegen. "Ohne Hochschulabschluss geht fast nichts mehr. Und Arbeitslosigkeit oder Brüche im Lebenslauf lassen die Chancen der Bewerber deutlich sinken", weiß Seitz. Das gelte vor allem bei den großen Konzernen, wo Personalchefs kaum Zugeständnisse machten. Bei mittelständischen Unternehmen werde weniger strikt vorgegangen.

Besonders schwer haben es überall die Ungelernten. Nach Schätzungen des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie haben immerhin rund 80 Prozent der IT-Fachkräfte keine anerkannte Berufsausbildung und keinen Studienabschluss.

Zu den wenigen Unternehmen, die händeringend nach Experten suchen, zählt die Deutsche Börse AG. "Wir brauchen dringend Experten mit Erfahrung im Wertpapiergeschäft", sagt Personalexperte Ralph Buchholz. Rund 20 offene Stellen hat man zu bieten und ist trotz 500 Initiativbewerbungen pro Monat noch nicht fündig geworden. "Für uns ist die Cebit eine echte Chance, denn wenn wir hier nur einen Mitarbeiter finden, können wir uns die 50.000 Euro für einen Headhunter sparen", sagt Buchholz.

Jobsuche aus sicheren Positionen heraus

Es sind keineswegs nur Arbeitslose, die auf neue Chancen hoffen. "Über 50 Prozent der Führungskräfte, die bei uns nach einem neuen Job suchen, haben eine feste Anstellung", betont Seitz. Oft seien es Experten aus krisengeschüttelten Firmen, die eine sichere Position suchten.

Dennoch machen die Unternehmen den Jobsuchern Mut. Die Talsohle in der IT-Branche sei durchschritten, heißt es unisono. Und der Kontakt zu Bewerbern ist allen wichtig. "Wir sind an engagierten Mitarbeitern mindestens ebenso interessiert wie die an uns", sagt Regina Friedrich von Siemens. Und auch Seitz weiß: "Gute Leute werden immer gebraucht."

Manfred Rolfsmeier, AP

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