Gründer-Kolumne Die Überlebenden des Internethypes

Wenn in diesen Tagen die Cebit ihre Pforten öffnet, dann hofft eine ganze Branche auf positive Signale aus Hannover. Auch Unternehmen der New Economy präsentieren sich dort. Trotz Pleitewelle können einige Internetfirmen schon passable Ergebnisse vorweisen.

Ende des Jahres 2000, als Gründer, Kapitalgeber, Berater, Banken, Aktieninhaber und die Presse vom Traum des schnellen Reichtums und Erfolgs im Internetgeschäft erwachten, veränderte sich die gesamte E-Business-Branche grundlegend.

Die Zahl der Insolvenzen junger Start-ups hat inzwischen Höchststände erreicht. Der Nemax All Share liegt unter 400 Punkten und die Negativschlagzeilen in der E-Business Branche scheinen kein Ende zu finden.

Die aktuelle Krisenstimmung ist nicht nur von der konjunkturellen weltwirtschaftlichen Lage, sondern auch von vermehrten unternehmerischer Betrugsfällen, Bilanzfälschungen und überzogenen Wachstumsprognosen geprägt. Die Marktlage zwingt einerseits die überlebenden Unternehmer zu Strategieanpassungen beziehungsweise Prognosekorrekturen und andererseits die Investoren zu stringenteren Auswahl- und Prüfungsverfahren.

Die vielen Negativschlagzeilen hinterlassen fast den Eindruck einer vollkommen verlassenen und aussterbenden Unternehmenslandschaft entstehen. Doch den Unkenrufen von Kritikern und den widrigen Marktumständen zum Trotz, gibt es eine Reihe von jungen E-Business Start-ups mit viel Potenzial und viel versprechenden Wachstumsraten.

Neben prominenten Paradeunternehmen wie Amazon.com  und Ebay , gibt es noch eine Reihe kleinerer Internetunternehmen mit vielfältigen elektronischen Geschäftsmodellen, die erfolgreich am Markt agieren und erste schwarze Zahlen schreiben.

Licht am Ende des Tunnels

Einer aktuellen Studie vom Deutschen Multimedia Verband zufolge gaben über die Hälfte der 212 befragten Online-Firmen an, den Break-even bereits erreicht zu haben. 56,4 Prozent der übrigen vermeldeten, noch in diesem Jahr die Gewinnzone zu erreichen.

Durchschnittlich erreichten die E-Business Start-ups innerhalb von drei Jahren den Break-even. In der Regel schafften sie es schnell, einen hohen Nutzen für die breite Öffentlichkeit, das heißt für ein weitläufiges Kundensegment, zu erreichen.

Die Überlebenden

Im Rahmen einer Studie aus dem Frühjahr 2002 wurden Online-Händler zum Thema "Interaktive Angebote" befragt. Die Untersuchung von Albers/Panten/Schäfers vom Institut für betriebswirtschaftliche Innovationsforschung der Universität Kiel führte zehn Erfolgsgeschichten von profitablen jungen Unternehmen auf.

Darunter befinden sich Ebay (Deutschland), Expedia, Forium, Guens Tiger, Justbooks (verkauft an Abebooks), Metaspinner, Mobile.de, Sms.at, Tiscali Games und die Videochat-Plattform Visit-X. Ferner bestätigten die Autoren, dass im ersten Halbjahr 2003 eine deutlich steigende Zahl von Unternehmen Gewinne über das Internet erzielen werden.

Doch darüber hinaus haben eine Reihe weiterer Unternehmen in den letzten sechs Monaten, laut Pressemitteilungen, zumindest einmal den operativen Break-even erreicht:Autoscout24, CTS Eventim , Priceline , Teles AG , Onvista , Travel24.com , Yoc, Poster.de, Tiscali , Immobilienscout24, Tomorrow Focus , Onventis, Delticom, jobfair24, Adlink  und Shopping.de.

Selbst die viel diskutierten Internetportale erzielen Gewinne: T-Online  rutschte im August letzten Jahres in die Gewinnzone, gefolgt von Web.de  und nun ist auch Lycos Europe  schon man in den schwarzen Zahlen gewesen.

Professionalisierung in der Unternehmensführung

Vieler dieser profitablen Unternehmen leisten, im Gegensatz zu Start-ups vor einigen Jahren, die einen IPO am Neuen Markt anstrebten, meist wenig Öffentlichkeitsarbeit und sind aufgrund dessen eher schwer ausfindig zu machen.

Dennoch meiden sie die viel zitierten Fauxpas ihrer ausgeschiedenen Mitstreiter: Die Aufnahme von Millionen-Risikokapital und Fremdkapital-Kredite, Durchführung von übertriebenen Marketingaktionen, eine schnelle Expansion auf hohem Niveau und das Schwelgen in Luxus in den frühen Unternehmensphasen. Stattdessen gehen die Unternehmen mit profunder Branchenexpertise behutsam und vor allem sparsam vor, insbesondere was die Außenfinanzierung angeht.

Die wachstumsträchtigen jungen Start-ups profitieren von der zunehmenden Akzeptanz der elektronischen Technologien. Denn die Endkunden bestimmen letzten Endes den Umsatz und dieser führt zum Break-Even. Die Unternehmensgründer setztendie elektronischen Geschäftsprozesse kompetenter und sinnvoller um und führen die Unternehmen nach klaren kaufmännischen Grundsätzen.

Vorsicht vor Euphorie

Diese E-Business-Start-ups könnten signifikante Impulse für das weitere Wachstum der Branche geben und sie sind Hinweise für potentielle und bestehende Unternehmensgründer, die sich nicht von der negativen Stimmungslage entmutigen lassen. Doch Achtung: Nur weil einmal die schwarzen Zahlen erreicht wurden, kann man noch nicht von einem dauerhaften Unternehmenserfolg ausgehen.

Es gilt nun, diese ersten Erfolge fortzuschreiben. Daher sind die aufgeführten Unternehmen (noch) nicht das "Who is Who" der Branche und sie sollten auch nicht als alleinige Richtungsweiser verstanden werden. Sie besitzen ein vorläufig solides Fundament; dessen Tragfähigkeit sich erst beweisen muss. Jedoch machen diese Beispiele im Zusammenhang mit der diesjährigen Cebit wieder Mut für die weitere Entwicklung der Branche.

Gründermarkt: Kapital und Kontakte für Start-ups


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