Matthias Kleinert Der große Kommunikator

Erst vermarktete er Lothar Späth, dann machte er aus dem "Neckarstadion" das "Gottlieb-Daimler-Stadion" - Matthias Kleinert ist ein Multitalent der Kommunikation. Der PR-Papst von DaimlerChrysler wird 65 und denkt noch lange nicht ans Aufhören.

Stuttgart - Es gab Zeiten, da war er in Baden- Württemberg bekannter als mancher Minister. Matthias Kleinert, bekannt auch als "Matt", wird am 9. März 65 Jahre alt.

Kleinert, gebürtiger Berliner, seit seinem 7. Lebensjahr in der schwäbischen Weinbaugemeinde Besigheim beheimatet, darf als Multitalent der PR-Kunst angesehen werden. In zwei Stationen hat "Matt" agiert: bei Lothar Späth und bei DaimlerChrysler. Und jeweils hat er bundesweit Schlagzeilen gemacht.

Kleinert hat aus Lothar Späth "den Ministerpräsidenten zum Anfassen" gemacht. Der Spruch wurde oft auch außerhalb des Südweststaats kopiert, aber Kleinert war sein Erfinder. Späth und "sein Matt" waren jahrelang ein unzertrennliches Tandem mit bisher unbekannter Schlagkraft. Als Späth am 16. August 1978 im damals noch etwas reicheren "Musterländle" Ministerpräsident wurde, gingen beide keinem Thema aus dem Weg, war es nun populär oder unkonventionell.

Berliner Schnauze und weltgereister Schwabe

Mit griffigen Formeln in allen Bereichen von der Kultur über die Wirtschaft bis zur Politik erreichte das unzertrennliche Duo eine Populärität, wie sie kaum jemand im Südweststaat hatte. Kleinert mit Berliner Schnauze und Späth als weltgereister Schwabe. Wohl kein anderer Regierungssprecher bundesweit formulierte wie Kleinert Statements unter Anführungszeichen von Späth.

Doch die Männerfreundschaft Späth/Kleinert ging für viele überraschend zu Ende. Als Kleinert am 4. Dezember 1987 nach 16 Jahren bei Späth - als Fraktions- und Regierungssprecher des CDU- Politikers - ankündigte, schon zum Jahresbeginn 1988 zum Automobilkonzern Daimler-Benz zu wechseln, war das Erstaunen auch bei Insidern groß.

Mercedes-Chef Werner Niefer holte Kleinert. Auch Niefer wollte einen PR-Fachmann mit Außenwirkung. Er sollte ihn bekommen. Kleinert erwies sich in der neuen Rolle als oberster Öffentlichkeitsarbeiter "beim Daimler" recht umtriebig und als PR-Talent. Auch in dieser Position gelang dem Kommunikator ein Coup, der als "Schnäppchen" Schlagzeilen machte. Für zehn Millionen Mark taufte die Stadt Stuttgart ihr alt bekanntes "Neckarstadion" in "Gottlieb-Daimler-Stadion" um.

Position auf den Leib geschneidert

Kleinert war es, der Daimler-Chef Edzard Reuter riet, den Großkonzern für die Öffentlichkeit "durchsichtiger" zu machen. Weltweit wurden über 40 Konzernrepräsentanzen von Peking über Moskau bis Sao Paulo aufgebaut. Bilanz-Pressekonferenzen wurden plötzlich zu Massenveranstaltungen für Journalisten, weil Kleinert die "Dialogbereitschaft" des Konzern dokumentieren wollte.

Kleinert setzte auf ein neues Image-Konzept. Der Riesen-Konzern sollte sich im Sport und in der Kunst engagieren. Doch einigen im Konzern ging Kleinerts manchmal burschikose Vorgehensweise etwas zu weit.

1995 berief Vorstandschef Jürgen Schrempp Kleinert zum Leiter des Ressorts "Politik und Außenbeziehungen". Ein Bereich, der dem politisch ambitionierten Kleinert direkt auf den Leib geschrieben ist. Mit dem jüngst verstorbenen Willi Hoss trieb er im brasilianischen Regenwald das Umwelt-Projekt "POEMA" voran, das Wander-Bauern wieder ansässig machte. Dafür erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Belem, auf die Kleinert besonders stolz ist.

Sein Vertrag bei DaimlerChrysler  läuft bis zum Jahresende. Doch auch dann hat "Matt" genügend zu tun. Er ist unter anderem Kuratoriumsvorsitzender der Straßenkinder-Hilfsaktion "Childhood" von Königin Silvia, Vorsitzender der Brücke New York-Berlin und das Forum Region Stuttgart will auf seinen Vorsitzenden noch nicht verzichten.

Werner Scheib, dpa

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