SAP / MLP Grenzenlose Wut

Als Dietmar Hopps Haus durchsucht wurde, fiel er aus allen Wolken. Nun will er die Staatsanwaltschaft verklagen. Nach Gründen wird gerade eifrig gesucht.

Mannheim - Der Streit zwischen der Mannheimer Staatsanwaltschaft und SAP-Aufsichtsratschef Dietmar Hopp eskaliert. Hopp hatte im Interview mit manager-magazin.de mit einer Klage gegen die Staatsanwaltschaft gedroht und geäußert: "Der Oberstaatsanwalt gefällt sich sehr darin, Presserklärungen herauszugeben". Und im "Mannheimer Morgen" schäumte er: "Die Hausdurchsuchung war ein Willkürakt, der mich grenzenlos wütend macht."

In der Zwischenzeit hat Hopp die Behauptung über die Presseerklärung wieder zurückgezogen. Die Klageandrohung sei damit aber nicht vom Tisch, betonte Jens Gröner, Sprecher der Dietmar-Hopp-Stiftung, gegenüber manager-magazin.de: "Das letzte Wort ist nicht gesprochen, wir prüfen alle Möglichkeiten."

Dietmar Hopp wird verdächtigt, Gelder aus seiner Stiftung zweckentfremdet zu haben, indem er eine Bürgschaft für den Vorstandsvorsitzenden des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP, Bernhard Termühlen, übernommen hat. Am vergangenen Donnerstag ist die Wohnung von Hopp durchsucht worden. Die Dietmar-Hopp-Stiftung hält 15,31 Prozent der Anteile an SAP.

Viele Wege führen zur Klage

Während der Durchsuchung habe er den gesamten Sachverhalt offen gelegt und eine Erläuterung angeboten, beklagt Hopp. "Dieses Angebot ist - aus welchen Gründen auch immer - bis heute nicht angenommen worden", heißt es in der Pressemitteilung seiner Stiftung. Demnach wollte Hopp erläutern, warum der Stiftung zu keinem Zeitpunkt ein Schaden aus der Bürgschaft gedroht habe. Gemäß Vertrag hätte er im Ernstfall das Patronat übernommen, also mit seinem Privatvermögen geradestehen müssen. Hier böten sich eventuelle Ansatzpunkte für eine eventuelle Amtshaftungsklage, erklärte Gröner. Der Grund der Durchsuchung sei noch während der Aktion weggefallen.

Staatsanwalt Kühner erklärte, Hopps Patronat für die Bürgschaft sei ein "Aspekt, der sicher Berücksichtigung finden wird". In welcher Form, das könne indes erst nach näherer Prüfung der Rechtslage entschieden werden.

Staatsanwalt: "Eine neue Masche"

Kühner vermutet hinter Hopps Klagedrohung eher einen taktischen Zug: "Wenn das die neue Masche sein soll, dass bei Ermittlungen mit der Keule einer Amtshaftungsklage gedroht wird, dann wird das alles sehr spannend. Wir jedoch sehen einer Klage gelassen entgegen."

Er findet es enttäuschend, dass Hopp in der Öffentlichkeit von einem "Willkürakt" spreche. Bei einem Verdacht sei er stets verpflichtet, dem nachzugehen: "Wir bekommen doch keinen Orden, wenn wir etwas finden." Der Staatsanwalt für Wirtschaftsdelikte Hubert Jobski hob hervor, dass es sich bei der Durchsuchung um einen vollkommen normalen Vorgang im Rahmen der Ermittlungen handele, der durch einen richterlichen Beschluss gestützt gewesen sei.

"Die Presse wusste längst Bescheid"

Auf die Anschuldigung, die Presse informiert zu haben, reagierte er gereizt: "Unsere Arbeit erschöpft sich nicht in der Herausgabe von Pressemitteilungen", sagte er gegenüber manager-magazin.de. Im Gegenteil, die Informationspolitik der Ermittlungsbehörden sei in diesen Dingen "äußerst zurückhaltend".

Natürlich werde Journalisten, die sich bei ihm über den Vorgang erkundigten, die Wahrheit gesagt. "Aber als die Presse sich an uns wandte, hatte sie ja die entscheidenden Hinweise schon vorher bekommen, und zwar nicht von uns", so Jobski.

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