Imclone-Prozess Waksal packt aus

Im Zwielicht stand der frühere Imclone-Vorstand schon länger. Der Verdacht: Insiderinformationen an Freunde und Familie. Doch was er jetzt gesteht, geht darüber weit hinaus.

New York - Samuel Waksal wird seinen Kopf nun nicht mehr aus der Schlinge ziehen können: Eine Anschuldigung nach der anderen bestätigt sich - weil Waksal selbst gesteht. Der Chef des Pharmaunternehmens Imclone steht wegen unerlaubter Insidergeschäfte vor Gericht - und hat darüber hinaus jetzt gestanden, beim Kauf von Kunstwerken den Fiskus geprellt zu haben.

Seine neueste Enthüllung nannten die Ermittler ein "Meisterwerk des Geizes": Waksal legte sich neun Gemälde zu, unter anderem von Roy Lichtenstein und Mark Rothko. Mit dem Verkäufer wählte er ein Belegverfahren, das den Anschein erwecken sollte, die Bilder seien nach New Jersey weiter verschifft worden. Tatsächlich landeten sie aber in seinem Appartement in Manhattan. Für diesen Deal berappte Waksal schlappe 15 Millionen Dollar. Die anfallende Steuer von 1,2 Millionen Dollar allerdings wollte er sparen.

Zuvor hatte er sich bereits des Wertpapierbetruges für schuldig erklärt. Als die US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung des Krebsmedikaments Erbitux verweigerte, informierte Waksal zunächst seine Familie und seine prominente Freundin Martha Stewart.

Die konnten ihre Anteile an dem Unternehmen rechtzeitig abstoßen, noch bevor die Nachricht die Märkte erschütterte und die Imclone-Aktie zu Fall brachte. Die Forderungen der Staatsanwaltschaft allein an seine Familie belaufen sich auf zehn Millionen Dollar. Über das Strafmaß für Samuel Waksal ist noch nicht entschieden.

Prozess in den Klatschspalten

Der Prozess schlug hohe Wellen, auch deshalb, weil Waksal wie Stewart bekannte Celebrities sind, die regelmäßig die amerikanischen Klatschspalten bevölkern. Martha Stewart hat ein Imperium der Einrichtungs- und Kochberatung aufgebaut, mit Büchern, Zeitschriften, Fernsehsendungen und mittlerweile auch dem Online-Verkauf von Haushaltswaren. Ihre Verwicklung in den Skandal war besonders delikat, verkörpert sie doch Bild eines sauberen Mittelstandsamerikas.

Unterdessen sind auch zwei Mitglieder des Imclone-Aufsichtsrates zurückgetreten, Peter Ringrose und Paul Kopperl. Ob die Rücktritte in direktem Zusammenhang mit dem Insider-Skandal stehen ist nicht klar: Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern.

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