Fiat "Der ewige Zweite" übernimmt das Zepter

Umberto Agnelli tritt das Erbe seines Bruders an. Der Manager, der stets im Schatten seines Bruders Giovanni stand, übernimmt keine leichte Aufgabe: 2002 verbuchte der Mischkonzern eine Verlust von fast vier Milliarden Euro.

Turin - Umberto Agnelli ist der neue Präsident des angeschlagenen Fiat-Konzerns . Er wurde am Freitag bei einer Verwaltungsratssitzung der Gruppe zum Nachfolger von Paolo Fresco bestimmt, teilte das Unternehmen mit.

Der Ex-Pirelli-Manager Giuseppe Morchio hat hingegen den Posten des Fiat-Vorstandschefs übernommen. Der bisherige Vorstandschef Alessandro Barberis wurde als Vizepräsident nominiert. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo ist ab sofort auch Mitglied des Fiat-Verwaltungsrates.

Umberto Agnelli (68), der jüngere Bruder des im Januar verstorbenen Fiat-Patriarchen Giovanni Agnelli, gilt in Italien als "der ewige Zweite". Viele Jahre stand er im Schatten seines schillernden, übermächtigen Bruders, der die Geschicke des Turiner Traditionsunternehmens lenkte.

Mit Geduld an die Spitze

Immer wieder musste er mitansehen, wie andere - etwa die Manager Cesare Romiti und Paolo Fresco - an ihm vorbeizogen und die Führung der Gruppe übernahmen. Jetzt wurde Agnelli ausgerechnet auf Wunsch von Fiat-Präsident Paolo Fresco als dessen Nachfolger nominiert, und übernimmt damit die schwere Aufgabe, das hoch verschuldete Unternehmen zu sanieren.

Umberto hat seit über 40 Jahren unermüdlich in verschiedenen Zweigen des Konzerns überaus erfolgreich gearbeitet - bis zur Spitze schaffte es der stille, schüchterne Jurist jedoch nie. Manch einer meinte, es fehle ihm das Charisma seines älteren Bruders. Deshalb nahmen nur wenige Notiz von seinen großen unternehmerischen Qualitäten.

Undankbare Aufgabe

Agnelli wurde 1934 in Lausanne geboren und schloss an der Universität Turin sein Studium der Rechtswissenschaften ab. Als Spross der steinreichen Agnelli-Dynastie hätte er anschließend - wie schon sein Bruder - ein ausschweifendes Jet-Set-Leben führen können. Doch er zog es vor, lieber sofort im Familienkonzern zu arbeiten.

Von 1960 an leitete er die Fiat-Versicherungssparte S.A.I. und das Tochterunternehmen Piaggio; zuletzt lenkte er die Finanzholdings Ifi und Ifil vor. Agnelli hat stets darauf gedrängt, die Gruppe nicht auf die Autosparte zu beschränken, sondern andere Unternehmensteile, wie etwa Medien oder Energie, in den Mittelpunkt zu rücken.

Jetzt muss ausgerechnet er die Sanierung und Neuorganisation von Fiat Auto in die Hand nehmen. Keine leichte Aufgabe. Denn der angeschlagene Fiat-Konzern hat im vergangenen Jahr weit höhere Verluste verzeichnet als erwartet. Der Nettoverlust ist 2002 auf knapp 3,95 Milliarden Euro angewachsen, nach einem Minus von 445 Millionen Euro 2001.

Der Umsatz der Gruppe ging von 58 Milliarden Euro auf 55,6 Milliarden Euro zurück. Für das schlechte Ergebnis sei weiterhin die defizitäre Autosparte verantwortlich, deren Verlust sich von 549 Millionen Euro auf über 1,34 Milliarden Euro erhöhte.

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