Fiat Die Agnellis sind zurück

Für einen Augenblick sah es so aus, als wäre der Agnelli-Clan von den eigenen Banken entmachtet und durch den Tod von Giovanni geschwächt worden. Jetzt aber meldet sich die Dynastie machtvoll zurück. Umberto Agnelli tritt das Erbe seines Bruders an.

Rom - Fiat-Präsident Paolo Fresco will bereits an diesem Freitag bei einer mit Spannung erwarteten Verwaltungsratssitzung von seinem Amt zurücktreten. Als Nachfolger wolle er den Chef der beiden Fiat-Holdings Ifi und Ifil, Umberto Agnelli, vorschlagen, teilte Fresco am Dienstag mit. Ursprünglich wollte Fresco noch bis zum Frühjahr im Amt bleiben.

Er habe sich jedoch entschieden, die zukünftige Führung des angeschlagenen Konzerns ab sofort "an eine Person abzugeben, die den Hauptaktionär der Gruppe repräsentiert", so Fresco. Die Familie Agnelli hält bis heute 33 Prozent an Fiat.

Spekulationen über einen schnellen Rücktritt Frescos waren bereits im vergangenen Dezember aufgekommen, als die schwere Krise des Konzerns einen Höhepunkt erreichte und Gabriele Galateri nach nur wenigen Monaten Amtszeit seinen Posten als Verwaltungschef an Alessandro Barberis abtrat. Fresco hatte damals allerdings betont, noch bis zum Frühjahr 2003 im Amt bleiben zu wollen, um ein Zeichen der Kontinuität zu setzen.

Partnerschaft mit GM eingefädelt

Paolo Fresco (69) war seit 1998 Präsident des Turiner Traditionsunternehmens. Zuvor war er in den USA als Top-Manager bei General Electric tätig. Im Jahr 2000 fädelte er die Partnerschaft mit dem US-Autohersteller General Motors ein, der heute mit 20 Prozent an Fiat Auto beteiligt ist. Laut Vertrag hat Fiat die Option, ab 2004 auch die restlichen 80 Prozent an GM zu verkaufen.

Da der US-Konzern jedoch bereits seit Monaten nach Mitteln und Wegen sucht, um aus dem Geschäft auszusteigen, rechnen Analysten damit, dass der Deal nach dem Rücktritt Frescos platzen könnte. GM hatte immer wieder betont, dass der Vertrag nur dann Gültigkeit hat, wenn an der Spitze des Fiat-Managements keine grundlegenden Wechsel vollzogen werden.

Der 68-jährige Umberto ist der jüngere Bruder des im vergangenen Monat verstorbenen Fiat-Patriarchen Giovanni Agnelli. Mit seiner Nominierung stünde erstmals seit 1996 wieder ein Agnelli an der Spitze des Konzerns.

Kauft DaimlerChrysler Iveco?

Nach der Rücktritts-Ankündigung von Fiat-Präsident Paolo Fresco könnte nach Informationen aus italienischen Finanzkreisen auch Vorstandschef Alessandro Barberis ausgetauscht werden.

Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, dass Barberis, der dieses Amt erst im vergangenen Dezember übernommen hatte, zum Vize-Präsidenten der Gruppe ernannt werden soll. Als Nachfolger sei Giuseppe Morchio im Gespräch, der bis 2001 bei der Pirelli-Gruppe tätig war und sich als Sanierer von Großkonzernen einen Ruf gemacht hat.

Dies wäre bereits der dritte Wechsel des Fiat-Vorstandschefs in nur neun Monaten. Im Juni 2001 hatte Gabriele Galateri zunächst Paolo Cantarella abgelöst; im Dezember wurde Galateri gegen Barberis ausgetauscht, der jedoch schon bei seiner Ernennung als eine Art Übergangslösung gehandelt wurde.

Kapitalerhöhung oder nicht?

Bei der Verwaltungsratssitzung sollen auch die endgültigen Geschäftszahlen für 2002 vorgelegt werden. Zudem rechnen Analysten damit, dass auch der angekündigte Verkauf von wichtigen Fiat-Geschäftsteilen im Mittelpunkt des Treffens stehen wird. Dabei geht es vor allem um die Veräußerung der Versicherungssparte Toro Assicurazioni. Zuletzt hatte die US-amerikanische Investmentbank Goldman Sachs ein Angebot abgegeben.

Außerdem soll über eine Kapitalerhöhung bei dem Mischkonzern entschieden werden. Die Zeitung "Finanza & Mercati" meldete dagegen, Fiat habe die Pläne für eine Kapitalerhöhung fallen lassen. Stattdessen wolle der Konzern nun seine Lkw-Tochter Iveco verkaufen. Ein möglicher Interessent sei der Automobilkonzern DaimlerChrysler.

Fiat: Gianni Agnelli ist tot Fiat-Krise: Kabale und Liebe Fiat: Agnelli-Clan droht die Entmachtung

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